20. März 2026 · 66. Sitzung · 21. Wahlperiode
KI-Verordnung, Genfer Konvention und Buchhandlungspreis
Deutschland regelt KI-Aufsicht
Die Bundesregierung bringt das Durchführungsgesetz zur EU-KI-Verordnung ein. Die Bundesnetzagentur wird Koordinierungsstelle, bekommt Reallabor und Beschwerdestelle. 43 neue Planstellen im Bund, rund 13 Millionen Euro jährlich.
Genfer Konvention unter Beschuss
Die AfD will die Flüchtlingskonvention von 1951 revidieren und Schutz nur noch heimatnah gewähren. Alle anderen Fraktionen lehnen ab und verweisen darauf: Zwei Drittel der Geflüchteten bleiben ohnehin in Nachbarländern.
Bluttest spaltet die Fraktionen
Über 100 Abgeordnete fordern fraktionsübergreifend ein Monitoring des Pränataltests NIPT. Fast jede zweite Schwangere nutzt ihn – statt weniger gibt es mehr Fruchtwasseruntersuchungen.
Streit um Buchhandlungspreis
Kulturstaatsminister Weimer strich drei nominierte Buchhandlungen von der Preisliste. Linke und Grüne fordern seinen Rücktritt, die Union verteidigt das sogenannte Haber-Verfahren zur Extremismusprüfung.
Klimageld erneut abgelehnt
Die Linke wollte 320 Euro jährlich pro Kopf aus den CO2-Einnahmen auszahlen. Koalition und AfD lehnten ab, die Grünen stimmten zu. Kostenpunkt laut Union: rund 26 Milliarden Euro pro Jahr.
2Zahlen der Sitzung
So lief der Tag
Sitzungsdauer
5 Std. 49 Min.
Reden
83
Zwischenrufe
434
aus dem Protokoll gezählt
Abstimmungen
0
Redezeit je Fraktion
Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)
1 Punkt = 1 Minute Redezeit
- Union2 Std. 3 Min.30,2 %
- SPD1 Std. 10 Min.17,2 %
- Grüne1 Std. 2 Min.15,2 %
- AfD1 Std. 33 Min.22,9 %
- Linke54 Min.13,3 %
- Sonstige5 Min.1,2 %
Wer ruft wem dazwischen?
Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.
Größter Strom: AfD → Union (45 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von Union (146) und AfD (115).
- Union ruft bei Reden von Union: 11
- Union ruft bei Reden von SPD: 5
- Union ruft bei Reden von Grüne: 24
- Union ruft bei Reden von AfD: 19
- Union ruft bei Reden von Linke: 15
- SPD ruft bei Reden von Union: 5
- SPD ruft bei Reden von Grüne: 2
- SPD ruft bei Reden von AfD: 31
- SPD ruft bei Reden von Linke: 2
- Grüne ruft bei Reden von Union: 44
- Grüne ruft bei Reden von SPD: 4
- Grüne ruft bei Reden von Grüne: 16
- Grüne ruft bei Reden von AfD: 38
- Grüne ruft bei Reden von Linke: 5
- Grüne ruft bei Reden von Sonstige: 4
- AfD ruft bei Reden von Union: 45
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- Linke ruft bei Reden von Union: 41
- Linke ruft bei Reden von SPD: 6
- Linke ruft bei Reden von Grüne: 4
- Linke ruft bei Reden von AfD: 21
- Linke ruft bei Reden von Linke: 2
»Wenn wir jedes Risiko von vornherein wegregulieren, werden die Standards woanders gesetzt.«
Der Digitalminister eröffnete die Debatte über das Durchführungsgesetz zur EU-KI-Verordnung und begründete, warum Deutschland aus seiner Sicht eine schlanke, innovationsoffene Aufsichtsstruktur braucht.
Bundestag, 20. März 2026 – KI-Regeln, Flüchtlingsschutz und ein Kulturstreit
Der letzte Sitzungstag der Woche spannte einen weiten Bogen: von der Aufsicht über künstliche Intelligenz über die Grundlagen des internationalen Flüchtlingsschutzes bis zu einem heftigen Konflikt über die Grenzen staatlicher Kulturförderung. Gemeinsamer Nenner war die Frage, wie weit der Staat regulieren, schützen und eingreifen soll.
Gesetzentwurf: Durchführung der EU-KI-Verordnung
Digitalminister Karsten Wildberger stellte das Gesetz vor, mit dem Deutschland die Aufsichtsbehörden für die europäische KI-Verordnung benennt. Kernstück: Die Bundesnetzagentur wird Koordinierungs- und Kompetenzzentrum, richtet ein KI-Reallabor und eine zentrale Beschwerdestelle ein. Eine neue Superbehörde solle bewusst nicht entstehen. Die AfD rechnete mit 43 neuen Planstellen und rund 50 Millionen Euro Jahreskosten vor und forderte, das Gesetz an die EU-Kommission zurückzugeben. SPD und CDU/CSU verteidigten den europäischen Weg, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kritisierten einen Flickenteppich aus 16 Landesregelungen, Die Linke legte zwei eigene Anträge zu biometrischer Überwachung und Transparenz von Trainingsdaten vor.
Antrag: Revision der Genfer Flüchtlingskonvention
Die AfD forderte, Schutz vorrangig in Herkunftsregionen zu gewähren. Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU/CSU) und Ralf Stegner (SPD) hielten dagegen, zwei Drittel der Geflüchteten lebten längst in Nachbarstaaten. Luise Amtsberg (Grüne) erinnerte an die MS „St. Louis“, Clara Bünger (Die Linke) verteidigte das individuelle Recht auf Asyl. Jonas Geissler (CDU/CSU) rechnete vor, nur 2 bis 3 Prozent aller Flüchtlinge weltweit seien in Deutschland.
Gruppenantrag: Monitoring des Pränataltests NIPT
Über 100 Abgeordnete mehrerer Fraktionen wollen die Folgen der Kassenzulassung des nichtinvasiven Pränataltests systematisch erfassen und ein interdisziplinäres Gremium einsetzen. Paula Piechotta (Grüne) warnte vor Kontrolle über Schwangere, Carmen Wegge (SPD) äußerte Bauchschmerzen, unterstützte aber bessere Daten.
Aktuelle Stunde: Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis
Sören Pellmann (Die Linke) forderte den Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der drei nominierte Buchhandlungen von der Preisliste gestrichen hatte. Die Union verwies auf das Haber-Verfahren, das auch Vorgängerregierungen genutzt hätten.
3Top-Themen
Worum es wirklich ging
Thema 1
Wer beaufsichtigt künstliche Intelligenz in Deutschland?
Worum es geht
Die EU-KI-Verordnung ist bereits in Kraft und teilt KI-Anwendungen in Risikoklassen ein. Jedes Mitgliedsland muss festlegen, welche Behörden die Einhaltung überwachen. Der Regierungsentwurf setzt auf bestehende Marktüberwachungsbehörden und macht die Bundesnetzagentur zur zentralen Koordinierungsstelle mit Kompetenzzentrum, Beschwerdestelle und einem Reallabor zum Testen neuer Anwendungen. Deutschland ist mit der Umsetzung nach Angaben der Grünen über ein halbes Jahr zu spät. Parallel verhandelt die EU im sogenannten Digital-Omnibus über Änderungen an der Verordnung selbst.
Was heißt das für dich?
Wenn du eine KI-Anwendung entwickelst oder in deinem Betrieb einsetzt, weißt du künftig, welche Behörde zuständig ist und wo du Fragen loswirst. Für Start-ups und kleine Unternehmen soll das Reallabor ermöglichen, neue Produkte rechtssicher zu testen. Als Nutzerin oder Nutzer kannst du Verstöße bei einer zentralen Beschwerdestelle der Bundesnetzagentur melden – etwa wenn eine KI dich diskriminiert oder Deepfakes von dir kursieren. Gleichzeitig entscheidet sich hier, ob Bewerbungen, Kreditentscheidungen oder medizinische Diagnosen künftig nachvollziehbar bleiben. Und: Die Kosten von rund 13 Millionen Euro im Bund plus 33 Millionen bei den Ländern zahlst du über Steuern mit.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union will schlanke Strukturen ohne neue Superbehörde und setzt auf bestehende Fachbehörden. Sie fordert einen One-Stop-Shop als einzigen Ansprechpartner und drängt auf europäischer Ebene auf Vereinfachungen der KI-Verordnung. KI sei vor allem eine Chance für den Industriestandort.
»Wir legen ganz bewusst keine teure Goldrandlösung mit Sonderlocken vor, die am Ende alles verkompliziert, aber nichts besser macht.«– Karsten Wildberger
Die SPD verteidigt den AI Act als Ausgleich zwischen Nutzen und Risiken und betont, dass Europa einen eigenen Weg zwischen US-Marktdominanz und chinesischer Staatskontrolle gehe. Im parlamentarischen Verfahren will sie Zuständigkeiten klarer fassen und Doppelstrukturen vermeiden. Zusätzlich fordert sie Verbote für pornografische Deepfakes ohne Einwilligung.
»Die Innovationen, die dem Menschen dienen, werden an der Regulierung nicht scheitern,«– Carolin Wagner
Die Grünen verteidigen die KI-Verordnung als erste Verteidigungslinie gegen Machtkonzentration bei US-Tech-Konzernen, kritisieren aber die zersplitterte deutsche Umsetzung über 16 Bundesländer. Sie fordern zusätzlich einen KI-Beirat und ein KI-Transparenzregister für den Verwaltungseinsatz.
»Die KI-Verordnung ist kein Bürokratiemonster.«– Franziska Brantner
Die AfD lehnt das Gesetz ab und sieht darin reine Bürokratieproduktion im Dienst der EU-Kommission. Sie fordert eine nationale, schlanke Regelung mit Ausnahmen und Schwellenwerten für kleine Unternehmen sowie einen reaktiven statt präventiven Regulierungsansatz.
»Überweisen Sie es statt in den Ausschuss doch einfach zurück an die EU-Kommission!«– Robin Jünger
Die Linke hält die KI-Verordnung für einen Anfang, aber nicht für ausreichend. Sie fordert ein Verbot nachträglicher biometrischer Fernidentifizierung, echte Transparenz über Algorithmen und Trainingsdaten sowie Vergütung für alle, deren Werke ins KI-Training einfließen.
»Jeder, dessen Arbeit in ein KI-System eingeflossen ist, muss auch dafür vergütet werden.«– Sonja Lemke
Thema 2
Genfer Flüchtlingskonvention: Angriff und Verteidigung
Worum es geht
Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 verpflichtet Unterzeichnerstaaten, Verfolgte nicht in Gefahr zurückzuschicken. Die AfD beantragte eine Revision mit dem Ziel, Schutz vorrangig in Herkunftsregionen und kulturell ähnlichen Staaten zu gewähren. Alle anderen Fraktionen lehnten ab. In der Debatte wurden Zahlen genannt: Weltweit sind über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, rund 58 Prozent davon als Binnenvertriebene im eigenen Land, von den übrigen zwei Drittel in Nachbarländern. In Deutschland leben laut CDU-Rechnung 2 bis 3 Prozent aller Flüchtlinge weltweit.
Was heißt das für dich?
Die Konvention entscheidet darüber, ob Menschen, die vor Krieg oder Verfolgung fliehen, einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Schutz haben – oder nur auf freiwillige Großzügigkeit hoffen können. Für dich bedeutet das: Wenn du selbst oder Menschen in deinem Umfeld aus einem Verfolgerstaat stammen, hängt an dieser Frage die Rechtssicherheit. In der Debatte ging es außerdem um Grenzkontrollen, die weitergeführt werden sollen, und um die Asylverfahrensberatung, deren Kürzung die Grünen kritisierten. Auch die Höhe der humanitären Hilfe, die laut Grünen halbiert wurde, beeinflusst, ob Menschen überhaupt in ihrer Region bleiben können.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union lehnt den Antrag ab und verweist darauf, dass die Konvention Unterbringung in Herkunftsregionen bereits zulässt. Sie setzt stattdessen auf das Gemeinsame Europäische Asylsystem, Grenzkontrollen und Rückführungsabkommen und kritisiert die AfD für ihre Nähe zu Kriegsverursachern.
»Was hier als Sorge um die Flüchtenden dargestellt wird, hat vor allem eins zum Ziel: die Lasten abzudrücken, ohne eigene Verantwortung zu übernehmen.«– Elisabeth Winkelmeier-Becker
Die SPD verteidigt die Konvention als zivilisatorischen Fortschritt und Teil des Völkerrechts. Sie fordert stärkere Unterstützung der Aufnahmeländer durch humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit und will die Mittel im nächsten Haushalt aufstocken.
»Wer will, dass weniger Menschen fliehen, muss das Völkerrecht stärken und darf es nicht schwächen.«– Gabriela Heinrich
Die Grünen bezeichnen den Antrag als politischen Angriff auf ein zentrales Schutzversprechen und erinnern an die Entstehung der Konvention nach dem Holocaust. Sie fordern gleichzeitig von der Bundesregierung, die humanitäre Hilfe wieder aufzustocken und die Asylverfahrensberatung zu erhalten.
»Menschen fliehen, weil sie bombardiert werden, weil sie verfolgt werden, weil sie entrechtet werden.«– Max Lucks
Die AfD fordert eine Revision der Konvention, damit Flüchtlinge vorrangig in ihren Heimatregionen oder in kulturell ähnlichen Staaten untergebracht werden. Sie hält Deutschland für einen Einwanderungsmagneten und argumentiert, Hilfe vor Ort sei zehnmal günstiger.
»Es ist effektiver, Flüchtlinge direkt in der Krisenregion zu unterstützen als in Deutschland.«– Heinrich Koch
Die Linke verteidigt das individuelle Recht auf Asyl und warnt davor, es durch freiwillige Aufnahmekontingente zu ersetzen. Sie fordert legale Fluchtwege für Menschen aus dem Iran, einen Abschiebestopp dorthin und kritisiert deutsche Waffenexporte als Fluchtursache.
»Wer an Fluchtursachen mitwirkt, kann sich vor Flüchtenden nicht aus der Verantwortung stehlen.«– Clara Bünger
Thema 3
Buchhandlungspreis: Wie weit darf der Staat in Kultur eingreifen?
Worum es geht
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat drei von einer unabhängigen Jury nominierte Buchhandlungen von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen. Grundlage war das sogenannte Haber-Verfahren, eine Abfrage beim Verfassungsschutz zur Prüfung auf extremistische Bestrebungen bei Förderempfängern. Der Preis ist mit rund einer Million Euro Steuermitteln ausgestattet. Weimer sagte seine Termine auf der Leipziger Buchmesse ab. Die Opposition beantragte eine Aktuelle Stunde und fordert teils seinen Rücktritt.
Was heißt das für dich?
Es geht um die Frage, nach welchen Regeln der Staat Kultur fördert – und wer entscheidet, was förderwürdig ist. Wenn du in einer Kultureinrichtung arbeitest, einen Verlag betreibst oder Projektmittel beantragst, betrifft dich, ob eine Jury-Entscheidung politisch überstimmt werden kann und ob du erfährst, was dir vorgeworfen wird. Für unabhängige Buchhandlungen, die ohnehin wirtschaftlich unter Druck stehen, kann ein Preis existenziell sein. Und als Leserin oder Leser berührt dich, wie breit das Angebot in deiner Stadt bleibt.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union verteidigt das Vorgehen und verweist darauf, dass das Haber-Verfahren von Vorgängerregierungen hundertfach angewandt wurde. Kunstfreiheit begründe keinen Anspruch auf staatliche Förderung oder Auszeichnung. Steuergeld dürfe nicht an Extremisten fließen.
»Kein Preis, keine Förderung für Extremisten!«– Michael Frieser
Die SPD kritisiert das Verfahren deutlich. Sie hält es für problematisch, dass der Minister weder die Anfangsverdachtsmomente noch die Erkenntnisse benennen konnte, und warnt vor einem Weg von staatlich geförderter Kultur hin zur Staatskunst.
»Der beste Verfassungsschutz ist immer noch eine aktive Zivilgesellschaft und demokratische Kultur.«– Holger Mann
Die Grünen sehen ein grundsätzliches Problem im Amtsverständnis des Ministers und zählen mehrere Konflikte seiner Amtszeit auf. Sie fordern, dass die Grundlage der Entscheidung gegenüber Parlament, Öffentlichkeit und Betroffenen offengelegt wird.
»Sie können nicht nach Hörensagen Entscheidungen treffen, Herr Weimer.«– Katrin Göring-Eckardt
Die AfD begrüßt den Ausschluss der Buchhandlungen inhaltlich, kritisiert aber die Rolle des Verfassungsschutzes und geheime Verfahren. Sie fordert, den Buchhandlungspreis und staatliche Kulturförderung generell abzuschaffen.
»Weniger Staat, mehr Freiheit!«– Sven Wendorf
Die Linke wirft Weimer vor, in die Entscheidung einer unabhängigen Jury eingegriffen und die Betroffenen über die Gründe im Unklaren gelassen zu haben. Sie fordert seinen Rücktritt und lehnt staatliche Gesinnungsprüfungen in der Kulturförderung grundsätzlich ab.
»Herr Weimer, nehmen Sie Ihren Hut! Treten Sie zurück!«– Sören Pellmann
4Faktencheck
Behauptungen im Check
Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.
»Denn heute sprechen wir über 43 neue Planstellen allein im Bund – über 13 Millionen Euro Jahreskosten nur auf Bundesebene. Die Länder sollen jedes Jahr noch einmal 33 Millionen Euro drauflegen«
Jünger begründet die Ablehnung des Gesetzes zur Durchführung der EU-KI-Verordnung mit dem angeblich entstehenden Bürokratie- und Kostenaufwand.
So haben wir geprüft
Die genannten Größenordnungen stehen so im Gesetzentwurf der Bundesregierung. Dort heißt es, der jährliche Erfüllungsaufwand der Verwaltung erhöhe sich um rund 48.997.000 Euro, der einmalige Umstellungsaufwand betrage rund 4.076.000 Euro; davon entfallen 15.898.000 Euro jährlich auf den Bund und 33.099.000 Euro jährlich auf die Länder einschließlich Kommunen. Die Zahl der Länder ist damit exakt getroffen: rund 33 Millionen Euro pro Jahr, dauerhaft. Bei der Bundesebene greift die Aussage sogar zu niedrig – „über 13 Millionen“ ist zwar formal richtig, der amtliche Wert liegt mit rund 15,9 Millionen Euro jährlich aber höher. Die 43 neuen Planstellen sind ebenfalls plausibel belegt: Der Entwurf weist den Stellenbedarf für die Bundesnetzagentur als Fachaufgaben plus Querschnittsbereich aus (allein 9,8 Planstellen für den Querschnittsbereich), Auswertungen des Entwurfs beziffern die Summe auf rund 43 Stellen – sie entstehen praktisch vollständig bei der Bundesnetzagentur, nicht verteilt über „den Bund“ insgesamt.
Zwei Einordnungen, die in der Aussage fehlen, aber für das Verständnis wichtig sind: Erstens handelt es sich um Kosten der staatlichen Aufsicht, nicht um zusätzliche Pflichten für Unternehmen oder Bürgerinnen und Bürger – der Entwurf stellt ausdrücklich fest, dass er für Wirtschaft und Bürger keine neuen Verpflichtungen schafft, weil diese unmittelbar aus der EU-Verordnung 2024/1689 folgen. Zweitens ist die Durchführungsgesetzgebung europarechtlich verpflichtend; die Frage ist also nicht, ob Aufsichtskosten entstehen, sondern wie sie organisiert werden.
Quellen
- Gesetzentwurf der Bundesregierung „Gesetz zur Durchführung der Verordnung über künstliche Intelligenz“, BR-Drs. 97/26 (13.02.2026), Abschnitt E Erfüllungsaufwand · Bundesrat / Deutscher Bundestag (Dokumentenserver)Primärquelle · abgerufen am 24.09.2026
- Referentenentwurf/Regierungsentwurf KI-MIG (Stand 10.02.2026), Angaben zu Planstellen und Sachkosten · Bundesministerium für Digitales und StaatsmodernisierungPrimärquelle · abgerufen am 24.09.2026
- heute im bundestag (hib): „KI-Verordnung: Bundesregierung legt Umsetzungsgesetz vor“ · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 24.09.2026
- BT-Drs. 21/4594 (09.03.2026), Gesetzentwurf KI-MIG · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 24.09.2026
- Textarchiv „Umsetzung von EU-Vorgaben im Bereich der Künstlichen Intelligenz“ (Debatte 20.03.2026) · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 24.09.2026
- Analyse zum KI-MIG (Angabe „rund 43 neue Planstellen“) · Rechtsanwalt Ferner · abgerufen am 24.09.2026
5Debattenkultur
Wie miteinander geredet wurde
Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).
In der KI-Debatte blieben Wildberger und Durz überwiegend beim Thema, wobei Durz mit längeren Fußball-Exkursen abschweifte und Marvin Schulz mit Vegetarismus-Prognosen einstieg. In der Kulturdebatte wurde die Union deutlich schärfer und warf der Opposition wiederholt Doppelmoral und Heuchelei vor.
Schätzl und Mieves lieferten in der KI-Debatte konkrete Vorschläge zu Talentgewinnung, Kapital und DSGVO. Carolin Wagner und Ralf Stegner wurden dagegen sehr scharf gegenüber der AfD, Stegner mit Anspielungen auf Ariernachweise und Haustiere auf Steuerzahlerkosten.
Lenhard und Brantner arbeiteten die Lücken des Gesetzentwurfs konkret ab, etwa fehlender KI-Beirat und Transparenzregister. Gesenhues verließ in der Naturschutz-Debatte kurzzeitig die parlamentarische Form mit einer Formulierung, für die er sich beim Präsidium entschuldigte.
Zum KI-Gesetz brachte die Fraktion konkrete Kostenrechnungen, weitete die Debatte aber auf digitalen Euro, Wahlprognosen und EU-Grundsatzkritik aus. In der NIPT-Debatte nutzte Martin Sichert die Redezeit für einen ausführlichen Angriff auf Feminismus und „Omas gegen Rechts“ statt auf den Antrag.
Sonja Lemke verband die KI-Verordnung mit Trainingsdaten, Data-Labeling in Kenia und Energieverbrauch – inhaltlich dicht, aber weit über das Durchführungsgesetz hinaus. Beutin zog in der Naturschutzdebatte eine Linie vom Verhalten der Union zum Ermächtigungsgesetz 1933.
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