Bundestakt

15. Oktober 2026 · 102. Sitzung · 21. Wahlperiode

Notfallreform, BAföG-Novelle und Migrationsdebatte

01 / 05

Notfallreform beschlossen

Nach Jahren des Streits beschließt der Bundestag die Reform der Notfallversorgung: 112 und 116 117 werden vernetzt, Integrierte Notfallzentren kommen. 98 Prozent sollen ein Zentrum in 30 Autominuten erreichen.

02 / 05

BAföG steigt – aber langsam

Die Wohnkostenpauschale steigt von 380 auf 440 Euro, der Grundbedarf bis 2029 auf 563 Euro. Opposition kritisiert: zu wenig, zu spät. Der Antrag soll künftig komplett digital laufen.

03 / 05

AfD-Antrag zur Migrationsbilanz scheitert

Die AfD wollte Kosten und Nutzen von Zuwanderung berechnen lassen. Alle anderen Fraktionen lehnten ab – mit Verweis auf Menschenwürde und bereits laufende Forschung des IAB seit 2025.

04 / 05

Russland im Fokus

In der Aktuellen Stunde zu Sabotage und Spionage nennen Koalition und Grüne Russland als Hauptakteur. Der versuchte Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig vom 4. August steht im Zentrum.

05 / 05

Reserve soll wachsen

Verteidigungsminister Pistorius bringt das Reservestärkungsgesetz ein: bis 2033 mindestens 200 000 Reservisten, die doppelte Freiwilligkeit fällt weg. Arbeitgeber müssen künftig freistellen.

2Zahlen der Sitzung

So lief der Tag

Sitzungsdauer

15 Std. 35 Min.

Reden

151

Zwischenrufe

789

aus dem Protokoll gezählt

Abstimmungen

10

Redezeit je Fraktion

Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~140 Wörter pro Minute)

1 Punkt = 1 Minute Redezeit

  • Union3 Std. 9 Min.32,1 %
  • SPD1 Std. 48 Min.18,4 %
  • Grüne1 Std. 24 Min.14,3 %
  • AfD2 Std. 17 Min.23,3 %
  • Linke59 Min.10,0 %
  • Sonstige11 Min.1,9 %

Wer ruft wem dazwischen?

Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.

Größter Strom: AfD → Union (132 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von AfD (257) und Union (256).

RUFT DAZWISCHENAM REDNERPULTUnion87SPD109Grüne208AfD281Linke103Union256SPD129Grüne101AfD257Linke42Sonstige3
  • Union ruft bei Reden von Union: 19
  • Union ruft bei Reden von SPD: 6
  • Union ruft bei Reden von Grüne: 12
  • Union ruft bei Reden von AfD: 34
  • Union ruft bei Reden von Linke: 16
  • SPD ruft bei Reden von Union: 11
  • SPD ruft bei Reden von SPD: 16
  • SPD ruft bei Reden von Grüne: 8
  • SPD ruft bei Reden von AfD: 72
  • SPD ruft bei Reden von Linke: 2
  • Grüne ruft bei Reden von Union: 55
  • Grüne ruft bei Reden von SPD: 20
  • Grüne ruft bei Reden von Grüne: 33
  • Grüne ruft bei Reden von AfD: 97
  • Grüne ruft bei Reden von Linke: 2
  • Grüne ruft bei Reden von Sonstige: 1
  • AfD ruft bei Reden von Union: 132
  • AfD ruft bei Reden von SPD: 74
  • AfD ruft bei Reden von Grüne: 45
  • AfD ruft bei Reden von AfD: 10
  • AfD ruft bei Reden von Linke: 19
  • AfD ruft bei Reden von Sonstige: 1
  • Linke ruft bei Reden von Union: 39
  • Linke ruft bei Reden von SPD: 13
  • Linke ruft bei Reden von Grüne: 3
  • Linke ruft bei Reden von AfD: 44
  • Linke ruft bei Reden von Linke: 3
  • Linke ruft bei Reden von Sonstige: 1

Die Abstimmungen

1 / 10

Gesetz zur Reform der Notfallversorgung

per Handzeichen

Angenommen
Union✓SPD✓Grüne✓AfD○

»Die wirtschaftliche Bewertung politischer Entscheidungen ist das eine, die finanzielle Bewertung von Menschen ist etwas völlig anderes.«

Dr. Hülya DüberUnion

In der Debatte über den AfD-Antrag zur Migrationsbilanz zog die Grenze zwischen einer legitimen Haushaltsdebatte und der Bewertung von Menschen nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen.

Bundestag, 15. Oktober 2026 – Gesundheitsreform, Bildungsfinanzierung und ein Streit über Menschenwürde

Ein langer Sitzungstag mit einem roten Faden: Wer bekommt vom Staat was – und wer entscheidet darüber? Von der Notfallversorgung über das BAföG bis zur Pflegeversicherung verhandelte das Parlament Verteilungsfragen. Dazwischen eine Migrationsdebatte, die alle Fraktionen außer der Antragstellerin als Grenzüberschreitung werteten.

Gesetzentwurf: Reform der Notfallversorgung

Nach mehreren gescheiterten Anläufen beschloss der Bundestag die Notfallreform. Dr. (CDU/CSU) nannte sie einen "Quantensprung": Die Notrufnummern 112 und 116 117 werden digital vernetzt, Integrierte Notfallzentren entstehen flächendeckend. Dr. (SPD) dankte ausdrücklich dem Ampel-Vorgänger (SPD). Dr. (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) kündigte Zustimmung an, kritisierte aber das Zusammenspiel mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz. (Die Linke) bemängelte fehlende Arbeitsbedingungen für Rettungskräfte. Die AfD enthielt sich, weil das Gesetz fachfremde Änderungen enthalte.

Antrag: Migrationsbilanz

Die AfD forderte eine Kosten-Nutzen-Rechnung der Zuwanderung nach dänischem Vorbild. (CDU/CSU) warf ihr vor, keinen einzigen positiven Aspekt zu nennen. (SPD) erklärte, sie habe "die Schnauze voll" von solchen Debatten. (Die Linke) zog eine historische Linie zu "Ballastexistenzen". Dr. (CDU/CSU) hielt fest: "Über den Wert eines Menschen führen wir hier allerdings keine Bilanz." Der Antrag wurde abgelehnt.

Gesetzentwurf: 30. BAföG-Änderung

Ministerin (CSU) brachte die Novelle ein: Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro, Bedarfssätze bis 2029 auf 563 Euro, Antrag künftig digital. (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) rechnete vor, der Tankrabatt habe rund 4 Milliarden Euro gekostet. (Die Linke) sprach von einer "Armuts- und Schuldenfalle".

Aktuelle Stunde: Sabotage und Spionage

(CDU/CSU) und (SPD) nannten Russland als Hauptakteur hybrider Angriffe. Dr. (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) forderte Konsequenzen aus dem Fall des ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning.

3Top-Themen

Worum es wirklich ging

Thema 1

Notfallreform: Wer kommt künftig wohin?

Worum es geht

Deutschlands Notaufnahmen sind überfüllt. Nach Schätzungen von Notfallmedizinern ist rund ein Drittel der Patienten dort kein echter Notfall. Die Reform vernetzt die Notrufnummern 112 und 116 117 digital und schafft Integrierte Notfallzentren (INZ) an Kliniken, wo an einem gemeinsamen Tresen entschieden wird, wie es weitergeht. Die Standorte legen die Länder nach bundeseinheitlichen Kriterien fest; 98 Prozent der Bevölkerung sollen ein INZ innerhalb von 30 Autominuten erreichen. Erstmals wird die Finanzierung des Rettungswesens gesetzlich im SGB V abgesichert.

Was heißt das für dich?

Wenn du nachts nicht weißt, ob dein Zustand ein Notfall ist, musst du künftig nicht mehr raten, welche Nummer die richtige ist. Nach einer bundesweit einheitlichen Ersteinschätzung wirst du dorthin gelotst, wo dir tatsächlich geholfen wird – in die Praxis, zur Notdienstpraxis oder in die Notaufnahme. Im Notfallzentrum und beim aufsuchenden Notdienst kannst du Medikamente bis Packungsgröße N1 direkt mitbekommen, du musst also am nächsten Morgen nicht sofort zur Apotheke rennen. Wer auf dem Land oder auf einer Insel lebt, profitiert von der gestärkten Luftrettung. Die Reform soll laut Koalition 1,2 Milliarden Euro pro Jahr einsparen.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union sieht die Reform als überfälligen Durchbruch nach mehreren gescheiterten Anläufen. Sie betont die digitale Vernetzung, die flächendeckenden Integrierten Notfallzentren und die erstmalige gesetzliche Absicherung der Rettungsdienstfinanzierung. Zugleich verteidigt sie den zweiten Teil des Gesetzes mit Beitragsstabilisierungsmaßnahmen.

»Wir organisieren die Notfallversorgung endlich vom Patienten aus und nicht länger von den Zuständigkeiten der einzelnen Institutionen.«–
SPD

Die SPD bezeichnet die Reform als echte Strukturreform und verweist auf die Vorarbeit der Ampel-Koalition. Besonders wichtig sind ihr die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen, einheitliche Regeln zur Medikamentenabgabe und eine auskömmliche Finanzierung des Rettungswesens.

»Kein Hubschrauber bleibt am Boden, weil das Kerosin zu teuer ist.«– Dr.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen stimmen zu und nennen die Reform einen großen Fortschritt, kritisieren aber drei Punkte: das Zusammenspiel mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz, die Fehlanreize bei der Finanzierung der Notaufnahmen und die fehlende Verankerung notfallpalliativer Versorgung.

»Trotzdem ist dieses Gesetz ein großer Fortschritt für das Land. Deshalb werden wir zustimmen, und wir tragen diese Entscheidung mit.«– Dr.
AfD

Die AfD begrüßt einzelne Elemente wie Ersthelfer-Apps und die Vergütung der Behandlung am Einsatzort, lehnt das Gesetz aber ab, weil es aus ihrer Sicht als Vehikel für weitergehende Änderungen im Gesundheitswesen genutzt werde. Sie fordert eine einzige Notrufnummer 112 und kritisiert die Deckelung der Vergütung.

»Diese Vorhaltung ist keine Verschwendung. Sie ist unser aller Lebensversicherung.«–
Die Linke

Die Linke erkennt die Anerkennung der Notfallrettung als eigenständige Leistung im SGB V als Fortschritt an, kritisiert aber fehlende bundeseinheitliche Standards, fehlende Sanktionen bei Nichteinhaltung von Eintreffzeiten und vor allem die Arbeitsbedingungen der Rettungskräfte.

»Von besseren Arbeitsbedingungen auch kein Wort, und das ist eine echte Schande.«–

Thema 2

BAföG: Mehr Geld, aber erst ab 2027

Worum es geht

Das BAföG wird zum 30. Mal geändert. Die Wohnkostenpauschale steigt von 380 auf 440 Euro, der Grundbedarf in zwei Schritten bis 2029 von 475 auf 563 Euro. Die Einkommensfreibeträge der Eltern werden ab 2028 jährlich automatisch angehoben. Der Antrag soll grundsätzlich digital über die Plattform BAföG Digital laufen, inklusive eines KI-Chatbots. Der Leistungsnachweis ab dem fünften Fachsemester entfällt.

Was heißt das für dich?

Wenn du studierst oder bald anfängst: Die Wohnpauschale kommt erst zum Sommersemester 2027, der volle Grundbedarf erst 2029. Wer jetzt startet, ist bis dahin möglicherweise mit dem Bachelor fertig. Wer bei den Eltern wohnt – jeder Vierte –, bekommt keinen Wohnzuschlag. Dafür wird der Antrag einfacher, und mehr Familien aus der Mitte rutschen durch die steigenden Freibeträge in die Förderung. Das Darlehen ist weiterhin auf 10 010 Euro Rückzahlung gedeckelt.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union verteidigt die Novelle als angemessen angesichts der Haushaltslage und hebt die Digitalisierung und den Bürokratieabbau hervor. Sie verweist zudem auf das Programm Junges Wohnen, dessen Mittel verdoppelt werden sollen.

»Wer studieren will und das Zeug dazu hat, der soll es auch können, egal was die Eltern verdienen.«–
SPD

Die SPD beschreibt die Reform als Paradigmenwechsel, weil Freibeträge und Bedarfssätze künftig regelmäßig angepasst werden. Sie verknüpft das BAföG mit einem Dreiklang aus Wohnkostenpauschale, Förderprogramm Junges Wohnen und verbessertem Mieterschutz.

»Das BAföG ist eine Investition in die klugen Köpfe unseres Landes, in die Fachkräfte von morgen, in unseren Wissenschaftsstandort.«– Dr.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen kritisieren die Verzögerung und die Höhe der Leistungen. Sie fordern regional gestaffelte Wohnkostenpauschalen, eine sofortige Anhebung des Grundbedarfs auf 563 Euro sowie eine elternunabhängige Basisförderung.

»Sie haben kein Geldproblem, Sie haben ein Problem mit Ihren Prioritäten.«–
AfD

Die AfD kritisiert fehlende Leistungskomponenten und mangelnde Erfolgsmessung. Sie fordert eine Evaluierung des BAföG, Zielgrößen sowie eine stärkere Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung und Studium.

»Das BAföG fragt nach dem Einkommen der Eltern. Es belohnt aber eben nicht Leistung und Studienerfolg.«– Dr.
Die Linke

Die Linke sieht im BAföG ein verkümmertes Instrument. Sie fordert einen Vollzuschuss ohne Verschuldung, eine regional gestaffelte Wohnpauschale und einen Satz oberhalb der Armutsgrenze.

»Sie haben daraus eine Armuts- und Schuldenfalle gemacht.«–

Thema 3

Hybride Angriffe: Russland als Hauptakteur benannt

Worum es geht

In einer Aktuellen Stunde debattierte der Bundestag über Sabotage, Spionage und Desinformation. Im Zentrum stand der versuchte Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle am 4. August 2026, der laut Bundesregierung russischer Urheberschaft zuzuordnen ist und nur deshalb scheiterte, weil der Zünder nicht funktionierte. Hinzu kommen rund 750 Drohnenvorfälle und 112 Straftaten mit Spionagebezug allein in diesem Jahr. Die Koalition verweist auf das KRITIS-Dachgesetz, die Reform der Nachrichtendienste und das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum.

Was heißt das für dich?

Hybride Angriffe treffen Infrastruktur, von der dein Alltag abhängt: Strom, Bahn, Krankenhäuser. Beim Brandanschlag in Berlin-Lichterfelde im Januar saßen rund 45 000 Haushalte im Dunkeln und in der Kälte. Die geschätzten Kosten durch Cyberangriffe, Sabotage und Datendiebstahl liegen laut Debatte bei über 280 Milliarden Euro jährlich – Kosten, die am Ende über Preise und Steuern bei dir landen. Neue Gesetze bedeuten zugleich mehr Befugnisse für Behörden, was Datenschützer kritisch sehen.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union fordert klare Kommunikation, nationales Selbstbewusstsein und robuste Maßnahmen. Sie verweist auf Bundespolizeigesetz, KRITIS-Dachgesetz, Nachrichtendienstreform und Drohnenabwehrzentrum als bereits eingeleitete Schritte.

»Wir wollen diese Bedrohungen nicht; sie werden uns jedoch aufgezwungen.«–
SPD

Die SPD bezeichnet die Sicherheitslage als so ernst wie nie und spricht von einem Informationskrieg. Sie betont, dass die deutschen Dienste im Unterschied zu Diensten in Unrechtsstaaten richterlicher und parlamentarischer Kontrolle unterliegen.

»Noch nie war die Sicherheitslage in diesem Land so ernst wie gerade.«–
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen fordern strukturelle Konsequenzen aus dem Fall des früheren BND-Präsidenten August Hanning. Nebentätigkeiten und Geschäftspraktiken hoher Beamter im Ruhestand müssten gesetzlich geregelt werden.

»Strukturellen Problemen, Herr Dobrindt, muss man mit strukturellen Veränderungen begegnen.«– Dr.
AfD

Die AfD wirft der Regierung falsche Prioritäten vor und fordert ein eigenständiges BND-Gesetz sowie operative Fähigkeiten für den Auslandsnachrichtendienst. Sie betont linksextremistische Sabotage und kritisiert, bei Nord Stream werde zu wenig aufgeklärt.

»Ein Auslandsnachrichtendienst darf kein zahnloser Papiertiger sein, der nur fremde Berichte abheftet.«–
Die Linke

Die Linke nimmt die Bedrohungen ernst, warnt aber vor neuen Überwachungsbefugnissen als Allheilmittel. Sie fordert Prävention, digitale Souveränität, Open-Source-Lösungen und lehnt Hackbacks ab.

»Grundrechte sind kein Sicherheitsrisiko, sie sind das Fundament unserer Demokratie.«–

4Faktencheck

Behauptungen im Check

Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.

1 / 10
Hans TheissUnion
Irreführend
»98 Prozent der Bevölkerung werden innerhalb von 30 Autominuten einen Standort mit Integriertem Notfallzentrum erreichen können.«

Vorstellung der Eckpunkte der Notfallreform durch den Berichterstatter der Unionsfraktion.

So haben wir geprüft

Die genannten Zahlen existieren – aber sie gehören zu zwei verschiedenen Dingen. Der gesetzlich verankerte Maßstab für Integrierte Notfallzentren (INZ) liegt nicht bei 98, sondern bei 95 Prozent: Als Kriterium für die Standortfestlegung nennt der Gesetzentwurf "die Erreichbarkeit innerhalb von 30 Fahrzeitminuten für mindestens 95 Prozent der zu versorgenden Menschen" in einer Planungsregion. Das bestätigt auch die Berichterstattung über das laufende Verfahren: Im Gesetzentwurf heißt es, dass INZ-Standorte künftig innerhalb von 30 Pkw-Fahrminuten für mindestens 95 Prozent der Bevölkerung erreichbar sein müssen – der Bundesrat forderte sogar eine Lockerung auf "nach Möglichkeit 30, maximal aber 40 Minuten", also eher eine Abschwächung als eine Übererfüllung.

Die 98 Prozent stammen aus einem anderen Zusammenhang: Der GKV-Spitzenverband stellte 2023 fest, dass die bundesweite Erreichbarkeit von Krankenhäusern, die mindestens eine Basisnotfallstufe vorhalten, sehr gut sei – 98 Prozent der Bevölkerung erreichten innerhalb von 30 Pkw-Fahrzeitminuten ein solches Notfallkrankenhaus. Das beschreibt den heutigen Bestand aller Notfallkrankenhäuser, nicht das künftige, deutlich kleinere INZ-Netz. Eine ältere Prognose desselben Verbands kam sogar auf 97 Prozent der Versicherten innerhalb von 30 Pkw-Fahrzeitminuten. Da INZ nur an ausgewählten Standorten entstehen und die Mindestanforderung der Basisnotfallstufe nur eine von mehreren Voraussetzungen ist, liegt die INZ-Erreichbarkeit rechnerisch unter dem Bestandswert – Fachverbände warnen ausdrücklich, dass die 95-Prozent-Vorgabe in vielen ländlichen, strukturschwachen Gebieten schon heute wegen der niedrigen Krankenhausdichte nicht gewährleistet sei.

Was stimmt: Die 30-Minuten-Fahrzeit als Planungsmaßstab und die Größenordnung einer flächendeckenden Erreichbarkeit. Was nicht stimmt: Die 98 Prozent als Zusage für INZ-Standorte. Belegbar ist ein Zielwert von 95 Prozent; die 98 Prozent beziehen sich auf den heutigen, größeren Bestand an Notfallkrankenhäusern.

Einschränkung: Die hier belegten 95 Prozent beziehen sich auf den Regierungsentwurf und die Ausschussberatungen. Ob die am 15.10.2026 in 2./3. Lesung beschlossene Endfassung diesen Wert unverändert enthält, konnte über die verfügbaren Quellen nicht abschließend geprüft werden. Ein Beleg für 98 Prozent als INZ-Zielwert findet sich in keiner der Fassungen.

Quellen

5Debattenkultur

Wie miteinander geredet wurde

Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).

CDU/CSU
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

In der Notfallreform und bei UNMISS blieb die Union konsequent bei der Sache und argumentierte fachlich. Bei der Migrationsdebatte und in der Aktuellen Stunde wurde sie deutlich schärfer, etwa als der AfD vorwarf, die Debatte nur für Social-Media-Schnipsel zu nutzen.

SPD
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

Bei Notfallreform, BAföG und Pflege argumentierte die SPD sachorientiert und nannte konkrete Zahlen. In der Migrations- und Sicherheitsdebatte wurde sie emotional und konfrontativ, etwa als erklärte, sie habe die Schnauze voll, oder als der AfD Nähe zu Brandstiftern vorwarf.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Themenfokus7/10
Konfrontation7/10

Bei Notfallreform, BAföG und UNMISS blieben die Grünen eng am Thema und legten eigene Änderungsanträge vor. nutzte die Migrationsdebatte dagegen für einen Rundumschlag über Klima, Mieten und Wahlverhalten und erhielt eine Rüge der Präsidentin für den Begriff millionenfache Deportation.

AfD
Themenfokus4/10
Konfrontation8/10

Zur Notfallreform und zum Reservegesetz lieferte die Fraktion fachliche Beiträge mit konkreten Änderungsanträgen. In anderen Debatten drifteten Reden weit ab: sprach beim Thema Mutterschutz über Energiewende und Ukraine, kündigte an, Verantwortliche sollten sich warm anziehen.

Die Linke
Themenfokus7/10
Konfrontation6/10

stützte ihre Kritik an der Notfallreform auf eine eigene Umfrage unter 8 000 Rettungskräften. verweigerte in der Migrationsdebatte bewusst die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Antrag und sprach stattdessen über Verantwortung und Mitgefühl.

6Weiterlesen

Bleib am Thema dran

Gesundheit & PflegeBildung & ForschungInnere SicherheitMigration & AsylDigitales & KIAußenpolitik & EUNicole GohlkeDorothee BärBeitragssatzstabilisierungsgesetz30. BAföG-ÄnderungsgesetzDr. Hans TheissDr. Janosch DahmenDr. Konstantin von NotzReform der Notfallversorgung (Notfallreform)Dr. Hülya DüberDeutscher Bundestag

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