23. September 2026 · 95. Sitzung · 21. Wahlperiode
Pflege- und Gesundheitsreformen, Streit um Berliner Linke
Linnemann muss 8 Milliarden sparen
Der neue Gesundheitsminister nennt in seiner ersten Regierungsbefragung Zahlen: 74 Milliarden Euro Pflegeausgaben im Jahr, 8 Milliarden Euro Einsparung für das nächste Jahr. Rentenkürzungen für pflegende Angehörige lehnt er ab.
Pistorius: Bedrohung ist akut
Drohne über Litauen, Angriff auf einen Grenzübergang, Anschlagsversuch in Leipzig: Der Verteidigungsminister sieht Russland eskalieren und meldet rund 25 000 Neueinstellungen bei der Bundeswehr für 2025.
Aktuelle Stunde eskaliert nach Berlin
Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin streiten fünf Fraktionen über Antisemitismus und Clankontakte. Die Union fordert eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz, Gregor Gysi kontert mit Gegenvorwürfen.
Fünf Jahre für K.-o.-Tropfen
Weil der Bundesgerichtshof K.-o.-Tropfen nicht als gefährliches Werkzeug einstuft, ändert die Koalition das Strafgesetzbuch: Mindeststrafe künftig fünf statt drei Jahre. Hier war das Haus fast einig.
Ab Januar 2027: d-you im Handy
Digitalminister Wildberger bringt die digitale Brieftasche ins Parlament: Ausweis und später Führerschein aufs Smartphone, freiwillig. Opposition zweifelt an Datenschutz, Zeitplan und Einbindung der Kommunen.
2Zahlen der Sitzung
So lief der Tag
Sitzungsdauer
6 Std. 23 Min.
Reden
190
Zwischenrufe
258
aus dem Protokoll gezählt
Abstimmungen
0
Redezeit je Fraktion
Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)
1 Punkt = 1 Minute Redezeit
- Union1 Std. 40 Min.23,3 %
- SPD1 Std. 1 Min.14,2 %
- Grüne1 Std. 7 Min.15,6 %
- AfD1 Std. 20 Min.18,6 %
- Linke33 Min.7,7 %
- Sonstige1 Std. 29 Min.20,7 %
Wer ruft wem dazwischen?
Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.
Größter Strom: Linke → Union (40 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von Union (77) und SPD (50).
- Union ruft bei Reden von Union: 8
- Union ruft bei Reden von SPD: 3
- Union ruft bei Reden von Grüne: 15
- Union ruft bei Reden von AfD: 6
- Union ruft bei Reden von Linke: 9
- Union ruft bei Reden von Sonstige: 2
- SPD ruft bei Reden von Union: 2
- SPD ruft bei Reden von SPD: 4
- SPD ruft bei Reden von Grüne: 1
- SPD ruft bei Reden von AfD: 7
- SPD ruft bei Reden von Linke: 6
- SPD ruft bei Reden von Sonstige: 4
- Grüne ruft bei Reden von Union: 5
- Grüne ruft bei Reden von SPD: 11
- Grüne ruft bei Reden von Grüne: 2
- Grüne ruft bei Reden von AfD: 3
- Grüne ruft bei Reden von Linke: 1
- Grüne ruft bei Reden von Sonstige: 7
- AfD ruft bei Reden von Union: 22
- AfD ruft bei Reden von SPD: 26
- AfD ruft bei Reden von Grüne: 15
- AfD ruft bei Reden von AfD: 6
- AfD ruft bei Reden von Linke: 17
- AfD ruft bei Reden von Sonstige: 4
- Linke ruft bei Reden von Union: 40
- Linke ruft bei Reden von SPD: 6
- Linke ruft bei Reden von AfD: 25
- Linke ruft bei Reden von Sonstige: 1
»Ich möchte nicht, dass ein Gesetz durch den Bundestag geht, das Rentenkürzungen bei den pflegenden Angehörigen vorsieht.«
Der neue Gesundheitsminister antwortete in der Regierungsbefragung auf Fragen zum Pflegeneuordnungsgesetz, das im System rund 10 Prozent der Ausgaben einsparen soll. Die Gegenfinanzierung war zu diesem Zeitpunkt noch offen.
Bundestag, 23. September 2026 – Reformdruck in Gesundheit und Verteidigung, Streit über die Berliner Linke
Ein Sitzungstag zwischen Geschäftsordnungsstreit, zwei Regierungsberichten und drei ersten Lesungen. Roter Faden: Wer zahlt, wer schützt, wer entscheidet.
Geschäftsordnungsdebatte: Artikel 3 des Grundgesetzes
Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) verlangte, den Bundesrats-Gesetzentwurf zur Ergänzung von Artikel 3 um das Merkmal der sexuellen Identität aufzusetzen. Catarina dos Santos-Wintz (CDU/CSU) verwies auf ein laufendes Ausschussverfahren zu einem wortgleichen Entwurf, Dirk Wiese (SPD) sprach von politischer Taktiererei, Ina Latendorf (Die Linke) unterstützte den Antrag. Wiese und Bernd Baumann (AfD) lieferten sich persönliche Vorwürfe.
Regierungsbefragung: Verteidigung und Gesundheit
Boris Pistorius nannte Drohnenflug über Litauen, Angriff auf einen polnisch-ukrainischen Grenzübergang und den Anschlagsversuch in Leipzig als neue Eskalationsstufen und meldete rund 25 000 Neueinstellungen für 2025. Gesundheitsminister Carsten Linnemann verteidigte das Beitragssatzstabilisierungsgesetz und kündigte Notfallreform, Primärversorgung im November und das Pflegeneuordnungsgesetz für den 30. September an – bei 8 Milliarden Euro Einsparbedarf. Rentenkürzungen für pflegende Angehörige schloss er aus, die verlängerten Kinderkrankentage lehnte er ab.
Aktuelle Stunde: Berliner Linke nach der Wahl
Die von der AfD beantragte Stunde verband Antisemitismus, Organisierte Kriminalität und die Regierungsbildung in Berlin. Alexander Throm und Siegfried Walch (CDU/CSU) forderten die Abberufung von Ferat Koçak aus dem Innenausschuss und eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Sebastian Fiedler (SPD) beschrieb Unterwanderungsmechanismen, Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) verlangte Konsequenzen. Gregor Gysi (Die Linke) räumte einen Fehler Koçaks ein und warf Union und AfD Instrumentalisierung vor.
Erste Lesungen: K.-o.-Tropfen, d-you, Wohnungsmarkt
Staatssekretär Frank Schwabe begründete die Einordnung von K.-o.-Tropfen als gefährliches Mittel mit fünf Jahren Mindeststrafe. Digitalminister Karsten Wildberger stellte die digitale Brieftasche d-you vor. Der AfD-Entwurf zum Tarif auf Rädern und zwei Anträge der Linken zum Immobilienmarkt stießen bei den übrigen Fraktionen auf Ablehnung.
3Top-Themen
Worum es wirklich ging
Thema 1
Pflege und Krankenversicherung: Sparen ohne Kürzen?
Worum es geht
Erstmals stand Carsten Linnemann als neuer Bundesgesundheitsminister in der Regierungsbefragung. Die gesetzliche Krankenversicherung gibt nach seinen Angaben täglich mehr als 1 Milliarde Euro aus, im ersten Halbjahr stiegen die Ausgaben um über 7 Prozent. In der Pflegeversicherung liegen die Jahresausgaben bei rund 74 Milliarden Euro, für das kommende Jahr sollen 8 Milliarden Euro eingespart werden; ein Darlehen von 3,2 Milliarden Euro läuft bereits und wird nicht reichen. Das Pflegeneuordnungsgesetz soll am 30. September ins Kabinett, Notfallreform und Primärversorgung sollen bis Jahresende beziehungsweise im November folgen. Eine Kommission soll die Pflege für die 2030er-Jahre neu aufstellen.
Was heißt das für dich?
Wenn der Schätzerkreis im Oktober zusammenkommt, entscheidet sich, ob dein Krankenkassenbeitrag 2027 stabil bleibt – Linnemann nennt das sein Ziel, garantieren kann er es nicht. Wenn du Angehörige pflegst, geht es um deine Rentenpunkte: Der Minister will Kürzungen verhindern, die Gegenfinanzierung war in der Sitzung noch offen. Wartest du auf einen Psychotherapieplatz oder einen Facharzttermin, betreffen dich Budgetierung, Bedarfsplanung und die geplante Termingarantie unmittelbar. Eltern kranker Kinder müssen ab dem nächsten Jahr wieder mit 10 statt 15 Kinderkrankentagen pro Elternteil rechnen. Und wer auf dem Land wohnt, merkt die Krankenhaus- und Notfallreform daran, wie weit die nächste Notaufnahme künftig entfernt ist.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Fraktion trägt die Reformen als Strukturwandel mit: Notfallreform, Primärversorgung und Digitalisierung sollen verkrustete Strukturen auflösen und gleichzeitig die Versorgung verbessern. Sie fordert, jetzt nicht stehen zu bleiben, sondern die Pflegeversicherung auch für die 2030er-Jahre zu sichern.
»Es ist, wie gesagt, ganz wichtig, dass wir jetzt nicht stoppen; denn wir müssen auch auf die nächsten Generationen schauen.«– Emmi Zeulner
Die SPD stellt sich hinter die Rücknahme der geplanten Einsparungen bei den Rentenversicherungsbeiträgen für pflegende Angehörige und verweist auf zahlreiche besorgte Zuschriften. Sie fragt nach der Zahlungsfähigkeit der Pflegeversicherung und drängt auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Termingarantie für gesetzlich Versicherte.
»Als SPD unterstützen wir die von uns ohnehin geforderte Rücknahme der geplanten Einsparungen bei den Rentenversicherungsbeiträgen für pflegende Angehörige.«– Claudia Moll
Die Grünen greifen das Beitragssatzstabilisierungsgesetz als Kürzungsgesetz an, besonders bei Psychotherapie, Kinderärzten und Rettungsdienst. Sie fordern einen Risikostrukturausgleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung, eine Reform der Bedarfsplanung und die Verlängerung der erhöhten Kinderkrankentage.
»Herr Minister, mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz haben Sie auch die Axt an die zukünftige psychische Versorgung gelegt.«– Kirsten Kappert-Gonther
Die AfD macht die Budgetierung für lange Wartezeiten verantwortlich und fordert deren Abschaffung statt einer Angleichung bei den Privatversicherten. Sie warnt vor Klinikschließungen, längeren Fahrzeiten im Notfall und kritisiert fehlende Datengrundlagen bei Pflegebürokratie und Rettungsdienst.
»Wenn Sie den Menschen in den Mittelpunkt stellen wollen und wenn Sie wirklich wollen, dass die Menschen schnell Hilfe bekommen, dann muss die Budgetierung abgeschafft werden.«– Martin Sichert
Die Linke nennt das Gesetz ein brutales Spargesetz und kritisiert die Kürzung des Bundeszuschusses für den Gesundheitsfonds. Sie verlangt eine Zusicherung stabiler Beiträge und fordert Konsequenzen daraus, dass Krankenkassen Beitragsgelder in riskanten Investments verloren haben.
»Mit dem GKV-Spargesetz ist die psychotherapeutische Versorgung faktisch erst einmal kaputtgespart.«– Evelyn Schötz
Thema 2
Bundeswehr im Aufwuchs, Bedrohung durch Russland
Worum es geht
Verteidigungsminister Boris Pistorius beschrieb eine zugespitzte Lage: eine sprengstoffbeladene Drohne über Litauen, ein russischer Angriff auf den polnisch-ukrainischen Grenzübergang und der Anschlagsversuch in Leipzig Ende August. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen 2027 auf 6,25 Milliarden Euro steigen, rund die Hälfte der Investitionen fließt nach seinen Angaben in Zukunftstechnologien. Die in Litauen dauerhaft stationierte Brigade ist zu etwas über 80 Prozent mit Freiwilligen besetzt, ein mittlerer dreistelliger Betrag an Soldatinnen und Soldaten muss versetzt werden. Für Unterkünfte sind zunächst über 8 000 mobile Betten geplant, ab 2027 soll G-CAP Inland 54 000 Betten für Wehrdienstleistende schaffen. Für Weltraumfähigkeiten kündigte Pistorius 35 Milliarden Euro in den nächsten Jahren an.
Was heißt das für dich?
Wenn du 18 geworden bist, hast du einen Erfassungsbogen im Briefkasten gehabt – 450 000 wurden versendet, 20 Prozent der Rücksender wollen angesprochen werden. Wer über den Neuen Wehrdienst nachdenkt, sollte wissen: Die Abbruchquote liegt im Schnitt bei knapp 25 Prozent, und Standortwechsel bis Litauen sind möglich. Wenn du in der Nähe einer reaktivierten Kaserne wohnst, wirst du Bautätigkeit und neue Nachbarschaft merken. Und wenn du in der Industrie arbeitest, entscheidet die Frage nach europäischer Rüstungskooperation nach dem Scheitern von FCAS über Aufträge und Arbeitsplätze.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Unionsfraktion verteidigt Sondervermögen, Bereichsausnahme und Rekordhaushalt, verlangt aber eine effiziente Mittelverwendung und Preiskontrolle gegenüber der Industrie. Sie fragt nach Attraktivität des Dienstes, Bindung junger Menschen und Abbau von Verwaltungsüberhang im Ministerium.
»Damit entstehen viele Möglichkeiten, geht aber dann auch viel Verantwortung einher.«– Thomas Erndl
Die SPD-Fraktion fragt nach Infrastruktur für den personellen Aufwuchs, nach der Umsetzung der Weltraumsicherheitsstrategie und nach dem Umgang mit sexualisiertem Fehlverhalten in der Truppe. Sie verlangt, dass die Dunkelfeldstudie nicht bei der Lagefeststellung stehen bleibt.
»Jeder Fall von sexualisiertem Fehlverhalten in der Bundeswehr ist einer zu viel und darf keinen Platz haben.«– Sabine Dittmar
Die Grünen fordern mehr europäische Souveränität und Interoperabilität in der Rüstung und eine Antwort, wie es nach dem Scheitern von FCAS weitergeht. Zugleich mahnen sie bessere Bedingungen für Soldatinnen und Soldaten an, etwa bei Einsatzperspektiven und der Zulage für Minentaucher.
»Die Antwort auf all das ist ja mehr europäische Stärke, Souveränität und Zusammenarbeit.«– Agnieszka Brugger
Die AfD kritisiert die dauerhafte Stationierung einer kompletten Brigade in Litauen als politisches Symbol und verweist auf Belastungen für Soldatenfamilien. Sie fordert außerdem rechtliche Grundlagen für die Feldjäger, Drohnenabwehr und den Verzicht auf chinesische Elektronik in der Truppe.
»Es liegt nahe, dass diese Brigade eher ein politisches Symbol, vielleicht ein politisches Denkmal für Sie persönlich sein soll.«– Jan Ralf Nolte
Die Linke nimmt die Beschaffungskosten ins Visier und fragt nach Preisaufschlägen bei Rüstungsvorhaben. Am Beispiel eines Flughafenlöschfahrzeugs verlangt sie eine Erklärung, warum die Bundeswehr trotz Großbestellung deutlich mehr zahlt als zivile Betreiber.
»Wenn zivile Flughafenbetreiber dieses kaufen, dann zahlen sie dafür 900 000 Euro pro Stück weniger, und das, obwohl die Bundeswehr mit 35 Stück einen Großkauf getätigt hat.«– Ulrich Thoden
Thema 3
Antisemitismus, Clans und die Berliner Linke
Worum es geht
Nach der Berliner Wahl setzte die AfD eine Aktuelle Stunde zu Antisemitismus, Extremismus und Organisierter Kriminalität an. Im Zentrum standen Vorgänge um den Linken-Abgeordneten Ferat Koçak, darunter Nachrichten an den Sohn des Clanchefs Issa Rammo und die Anwesenheit eines PFLP-Aktivisten auf einer Wahlparty. Redner mehrerer Fraktionen verwiesen auf Warnungen des Zentralrats der Juden und auf innerparteiliche Kritik etwa von Petra Pau. Die Union forderte die Abberufung Koçaks aus dem Innenausschuss und eine Prüfung der Beobachtung der Berliner Linken durch den Verfassungsschutz. Die Linke wies die Vorwürfe zurück und verwies auf Clan-Kontakte von CDU-Politikern.
Was heißt das für dich?
Wenn du in Berlin wohnst, hängt an dieser Debatte, mit wem SPD und Grüne über eine Landesregierung reden – und damit die Politik bei Mieten, Polizei und Wohnungsbau. Wenn du jüdisch bist, ging es sehr konkret um Sicherheit: Ein Redner berichtete von einem Brandsatz auf die Wuppertaler Synagoge und von Rufen bei der Mahnwache. Wenn du in Neukölln lebst, war Schutzgelderpressung gegen Läden und Restaurants Thema. Und wenn du dich für politische Bildung interessierst: Die Grünen warnten, Kürzungen in diesem Bereich seien ein Riesenfehler.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union sieht ein strukturelles Problem der Berliner Linken aus Antisemitismus, Terrorverharmlosung und Nähe zur Organisierten Kriminalität. Sie fordert die Abberufung Koçaks aus dem Innenausschuss, die Offenlegung aller Kontakte und eine erneute Beobachtung durch den Verfassungsschutz sowie eine Absage von SPD und Grünen an Koalitionsgespräche.
»Sie, die Linkspartei, wenn Sie tatsächlich regieren würden, sind ein Sicherheitsrisiko für unser Land, und nicht nur für Berlin.«– Alexander Throm
Die SPD erklärt Organisierte Kriminalität als Streben nach Zugang, Einfluss und Macht und sieht bei der Berliner Linken strukturelle Verwundbarkeit. Sie verurteilt Antisemitismus unabhängig von der Herkunft, weist der AfD Relativierung des Nationalsozialismus vor und wünscht sich keine Regierungsverantwortung für die Berliner Linke.
»Demokratische Parteien dürfen diesen Akteuren keinen Resonanzraum bieten.«– Sebastian Fiedler
Die Grünen verlangen Konsequenzen in der Linkspartei, lehnen jede Kooperation mit Organisierter Kriminalität ab und wollen dennoch über eine Berliner Regierung sprechen. Gleichzeitig bezeichnen sie die AfD als unglaubwürdige Anklägerin und fordern mehr politische und historische Bildung.
»Wer Israelhass und Antisemitismus relativiert, akzeptiert oder sogar politisch integriert, vergiftet die politische Kultur in unserem Land.«– Irene Mihalic
Die AfD wirft der Linken vor, Antisemitismus systematisch zur Wählermobilisierung einzusetzen, und verknüpft das mit Forderungen nach Abschiebungen und einem Stopp von Einbürgerungen. Sie fordert, eine Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin zu verhindern, und greift dabei auch CDU, SPD und Grüne an.
»Die Linke wurde nicht trotz ihres Antisemitismus gewählt, sondern wegen.«– Beatrix von Storch
Die Linke räumt einen Fehler ihres Abgeordneten ein und kündigt eine interne Untersuchung an, weist aber den Vorwurf eines strukturellen Antisemitismus zurück. Sie verweist auf Clan-Kontakte von Unionspolitikern, verteidigt ihre Berliner Wohnungs- und Sicherheitspolitik und lehnt eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz ab.
»Hören Sie auf, den Antisemitismus zu missbrauchen, um gegen Die Linke zu hetzen!«– Gregor Gysi
4Faktencheck
Behauptungen im Check
Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.
»Schon 2025 haben wir rund 25 000 neue Soldatinnen und Soldaten eingestellt, so viele wie nie zuvor seit Aussetzung der Wehrpflicht, meine Damen und Herren.«
Der Verteidigungsminister begründet in seinem Eingangsbericht zur Regierungsbefragung, dass die Bundeswehr personell erfolgreich aufwächst.
So haben wir geprüft
Beide Teile der Aussage – die Zahl und der historische Vergleich – decken sich mit den amtlichen Angaben. Im Jahr 2025 stellte die Bundeswehr rund 25.000 Soldatinnen und Soldaten ein; das entspricht einem Zuwachs von rund 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist nach eigener Darstellung das beste Einstellungsergebnis als Freiwilligenarmee seit Aussetzung der Wehrpflicht. In absoluten Zahlen wurden rund 4.700 Soldatinnen und Soldaten mehr eingestellt als 2024. Die Wehrpflicht wurde 2011 ausgesetzt – der Vergleichszeitraum umfasst also rund 14 Jahre.
Zwei Einordnungen gehören dazu: Erstens sagt die Einstellungszahl wenig über das tatsächliche Wachstum der Truppe. Der militärische Personalbestand stieg zum Jahresende 2025 auf rund 184.200 Soldatinnen und Soldaten – ein Plus von rund 3.000 gegenüber dem Vorjahr. Unterm Strich blieb von 25.000 Einstellungen also nur etwa ein Achtel als Nettozuwachs übrig, weil gleichzeitig viele Dienstzeiten enden oder abgebrochen werden: Die Abbruchquote liegt laut Jahresbericht des Wehrbeauftragten weiter bei rund 20 Prozent. Zweitens besteht ein großer Teil der Neueinstellungen aus kurzdienendem Personal – bis zum 30. November 2025 waren es rund 11.500 Freiwilligen Wehrdienst Leistende (plus 22 Prozent) sowie rund 5.800 Soldatinnen und Soldaten auf Zeit im Bereich der Mannschaftsdienstgrade (plus 31 Prozent), also überwiegend Menschen mit sehr kurzer oder kurzer Verpflichtungsdauer.
Einschränkend gilt außerdem: Die Zahl stammt aus dem Geschäftsbereich des Ministers selbst (BMVg/Bundeswehr). Eine unabhängige Statistik zu Einstellungszahlen einzelner Jahre seit 2011 liegt nicht in vergleichbarer Form vor; der Bestandswert von 184.194 aktiven Soldatinnen und Soldaten wird jedoch auch vom Wehrbeauftragten des Bundestages, einer vom Ministerium unabhängigen Instanz, bestätigt.
Quellen
- Personalbilanz 2025: Bundeswehr wuchs deutlich (20.01.2026) · Bundeswehr (Bundesministerium der Verteidigung)Primärquelle · abgerufen am 25.09.2026
- Rede von Bundesminister Pistorius eingangs der Befragung der Bundesregierung am 23.09.2026 (Wortlaut) · BundesregierungPrimärquelle · abgerufen am 25.09.2026
- Wehrbericht 2025: Wehrbeauftragter zweifelt Pistorius-Ziel an (03.03.2026) · t-online · abgerufen am 25.09.2026
- 2025: Neueinstellungen von Soldatinnen und Soldaten auf Rekordniveau (23.12.2025) · Bundeswehr (BMVg)Primärquelle · abgerufen am 25.09.2026
- Jahresbericht 2025 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages (Drucksache 21/4200), Debatte am 26.03.2026 · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 25.09.2026
- Wehrbericht: Bundeswehr kämpft mit hoher Abbruchquote bei Rekruten (03.03.2026) · Reuters/onvista · abgerufen am 25.09.2026
5Debattenkultur
Wie miteinander geredet wurde
Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).
In Regierungsbefragung und den ersten Lesungen blieb die Fraktion konsequent beim Gegenstand, etwa bei Beschaffungseffizienz und Notfallreform. In der Aktuellen Stunde wurde sie scharf und persönlich, als Ottilie Klein die Mandatsniederlegung von Ferat Koçak forderte und Siegfried Walch dessen Abberufung aus dem Innenausschuss verlangte.
Die Fragen von Claudia Moll und Sabine Dittmar sowie Carmen Wegges Rede zu K.-o.-Tropfen blieben nah an der Sache. In der Geschäftsordnungsdebatte verließ Dirk Wiese das Thema und lieferte sich mit Bernd Baumann einen Schlagabtausch über Reichskriegsflagge und NS-Bezüge.
Die Fraktion arbeitete in der Regierungsbefragung mit konkreten Nachfragen zu Kinderkrankentagen, Psychotherapie und FCAS. In der Aktuellen Stunde kritisierte sie Linke und AfD gleichermaßen scharf, blieb aber bei Argumenten und Zitaten statt bei persönlichen Angriffen.
Bernd Baumann wurde von der Präsidentin ermahnt, zur Geschäftsordnung und nicht zur Wahlnachlese zu reden, Gereon Bollmann lenkte die K.-o.-Tropfen-Debatte auf Migrationsstatistiken. Rhetorisch dominierten Zuschreibungen wie Partei der Inländerfeinde, Islamo-Sozialismus und der Satz, man sei nicht rechtsextrem, sondern habe extrem recht.
Stella Merendino und Evelyn Schötz fragten präzise zu Kassenfinanzen und Psychotherapie, Isabelle Vandre argumentierte am Antrag. Gregor Gysi verließ in der Aktuellen Stunde das Thema zugunsten von Berliner Mieten- und Koalitionspolitik und nannte eine andere Fraktion eine kriminelle Vereinigung.
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