27. Februar 2026 · 60. Sitzung · 21. Wahlperiode
GEAS-Umsetzung, Gewaltschutz und Apothekenreform
Härtere Asylregeln im Bundestag
Die Koalition verteidigt das GEAS-Anpassungsgesetz: Sekundärmigrationszentren, Asylverfahrenshaft, gekürzte Leistungen bei fehlender Mitwirkung. Grüne und Linke sprechen von der größten Asylrechtsverschärfung seit 1993.
Streit um Minderjährige in Haft
Im Entwurf steht, dass Minderjährige in Ausnahmefällen inhaftiert werden dürfen, wenn es ihrem Wohl dient. Linke und Grüne nennen das unvertretbar, SPD und Union sprechen von einer reinen Schutzvorschrift.
Fußfessel gegen Gewalttäter
Justizministerin Hubig bringt die elektronische Aufenthaltsüberwachung ins Gewaltschutzgesetz. Vorbild ist Spanien: Dort wurde seit fast 20 Jahren keine so geschützte Person mehr getötet.
Apotheken, Heizkosten, Rohstoffe
Erste Lesung der Apothekenreform mit mehr Impfungen und ohne Nullretaxation. Beim Heizen verteidigt die Koalition ihre neuen Eckpunkte, die Linke warnt vor steigenden Kosten für Mieterinnen und Mieter.
Aktuelle Stunde zu sexueller Gewalt
Zum Schluss ging es um Machtmissbrauch und den Fall Epstein. Mehrere Rednerinnen forderten, Betroffenen zuzuhören und deutsche Bezüge konsequent strafrechtlich aufzuklären.
2Zahlen der Sitzung
So lief der Tag
Sitzungsdauer
7 Std. 9 Min.
Reden
85
Zwischenrufe
479
aus dem Protokoll gezählt
Abstimmungen
0
Redezeit je Fraktion
Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)
1 Punkt = 1 Minute Redezeit
- Union2 Std. 15 Min.30,8 %
- SPD1 Std. 31 Min.20,8 %
- Grüne59 Min.13,5 %
- AfD1 Std. 38 Min.22,4 %
- Linke42 Min.9,6 %
- Sonstige13 Min.3,0 %
Wer ruft wem dazwischen?
Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.
Größter Strom: Grüne → AfD (55 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von AfD (153) und Union (121).
- Union ruft bei Reden von Union: 9
- Union ruft bei Reden von SPD: 9
- Union ruft bei Reden von Grüne: 15
- Union ruft bei Reden von AfD: 12
- Union ruft bei Reden von Linke: 10
- SPD ruft bei Reden von Union: 7
- SPD ruft bei Reden von SPD: 3
- SPD ruft bei Reden von AfD: 33
- SPD ruft bei Reden von Linke: 3
- Grüne ruft bei Reden von Union: 50
- Grüne ruft bei Reden von SPD: 31
- Grüne ruft bei Reden von Grüne: 8
- Grüne ruft bei Reden von AfD: 55
- Grüne ruft bei Reden von Linke: 4
- Grüne ruft bei Reden von Sonstige: 2
- AfD ruft bei Reden von Union: 21
- AfD ruft bei Reden von SPD: 44
- AfD ruft bei Reden von Grüne: 36
- AfD ruft bei Reden von AfD: 15
- AfD ruft bei Reden von Linke: 17
- AfD ruft bei Reden von Sonstige: 4
- Linke ruft bei Reden von Union: 34
- Linke ruft bei Reden von SPD: 16
- Linke ruft bei Reden von Grüne: 1
- Linke ruft bei Reden von AfD: 38
- Linke ruft bei Reden von Linke: 1
- Linke ruft bei Reden von Sonstige: 1
»Ordnung ohne Humanität ist kalt und hässlich; Humanität ohne Ordnung ist naiv.«
Fiedler verteidigte die deutsche Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems zugleich gegen die AfD und gegen Grüne und Linke. Mit dem Satz warb er am Ende seiner Rede um Zustimmung zum Gesetzentwurf.
Bundestag, 27. Februar 2026 – Asylverschärfung, Gewaltschutz und Versorgungsfragen
Der Sitzungsfreitag spannte einen weiten Bogen: von der nationalen Umsetzung des europäischen Asylrechts über neue Instrumente gegen häusliche Gewalt bis hin zu Apotheken, Heizkosten, Rohstoffen und politischer Onlinewerbung. Roter Faden war die Frage, wie viel Härte und wie viel Fürsorge staatliches Handeln verträgt.
Gesetzentwurf: Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems
Günter Krings (CDU/CSU) nannte das bisherige Dublin-System in der Praxis dysfunktional und verwies darauf, dass im ersten Halbjahr 2025 von rund 20 600 Übernahmeersuchen nur gut 3 000 Überstellungen gelangen. Innenminister Alexander Dobrindt sprach von einem neuen Migrationspakt aus Außengrenzschutz, funktionsfähigem und Solidarität. Sonja Eichwede und Hakan Demir (SPD) hoben Verbesserungen für Kinder, den Arbeitsmarktzugang nach drei Monaten und ein Menschenrechts-Monitoring hervor. Lukas Benner (Grüne) und Clara Bünger (Linke) kritisierten Sekundärmigrationszentren, Ausgangssperren und die Haftregelung für Minderjährige. Die AfD lehnte den Entwurf als unzureichend ab.
Gesetzentwurf: Elektronische Fußfessel im Gewaltschutz
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) begründete die elektronische Aufenthaltsüberwachung mit Erfahrungen aus Spanien und verwies auf 7 754 registrierte Verstöße gegen Gewaltschutzanordnungen im Jahr 2024. Helge Limburg (Grüne) und Kathrin Gebel (Linke) forderten das gesamte spanische Modell statt einer Einzelmaßnahme. Hessens Staatsminister Christian Heinz berichtete von über 30 Anwendungsfällen ohne Übergriff.
Erste Lesung: Apothekenreform
Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte Zuschüsse für Teilnotdienste, Zweigapotheken, zusätzliche Impfungen und das Ende der Nullretaxation an. Das Packungsfixum soll per Verordnung steigen. Paula Piechotta (Grüne) warnte vor einer pauschalen Milliarde zulasten der Beitragszahlenden, die Linke forderte 9,50 Euro sofort.
Anträge: Heizkosten und Rohstoffpolitik
Die Linke verlangte ein Recht auf bezahlbares Heizen, die Abschaffung der Modernisierungsumlage und die Entlastung von Mietenden beim CO2-Preis; Union und SPD verteidigten ihre Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz. Einen AfD-Antrag zur Rohstoffpolitik lehnten alle anderen Fraktionen als veraltet ab.
Aktuelle Stunde: Gewalt gegen Frauen und der Fall Epstein
Auf Antrag der Grünen ging es um Machtmissbrauch, Netzwerke und Betroffene. Mehrere Rednerinnen und Redner forderten Aufklärung deutscher Bezüge, Täterarbeit und verlässliche Hilfen.
3Top-Themen
Worum es wirklich ging
Thema 1
GEAS: Deutschlands schärfste Asylreform seit 1993
Worum es geht
Der Bundestag beriet abschließend die nationale Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS), auf das sich die EU nach jahrelangem Streit geeinigt hatte. Kernpunkte sind Grenzverfahren mit Registrierung und Sicherheitsprüfung an den EU-Außengrenzen, ein funktionsfähigeres Dublin-System und ein Solidaritätsmechanismus zwischen den Mitgliedstaaten. In Deutschland sollen sogenannte Sekundärmigrationszentren entstehen, in denen bereits andernorts registrierte Antragstellende bis zur Ausreise untergebracht werden; hinzu kommen Asylverfahrenshaft und Leistungskürzungen bei fehlender Mitwirkung. Verbessert werden sollen die Gesundheitsversorgung aller Kinder, der Arbeitsmarktzugang nach drei Monaten und ein unabhängiges Menschenrechts-Monitoring. Umstritten blieb vor allem die Regelung, nach der Minderjährige in Ausnahmefällen in Haft genommen werden können.
Was heißt das für dich?
Wenn du in einer Kommune lebst, die Geflüchtete aufnimmt, ändert sich die Organisation: Verfahren sollen schneller laufen, Zuständigkeiten früher geklärt werden. Für Schutzsuchende bedeutet das Gesetz kürzere Fristen, strengere Mitwirkungspflichten und mögliche Unterbringung in zentralen Einrichtungen. Wer als Asylsuchender hier ankommt, darf künftig schon nach drei Monaten arbeiten, verliert aber teilweise den Zugang zu freiwilligen Integrationskursen. Und wenn du regelmäßig Grenzen innerhalb Europas überquerst: Die Koalition knüpft das Ende der Binnengrenzkontrollen daran, dass das neue System funktioniert.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union sieht in GEAS die Durchsetzung bisher ignorierter Zuständigkeitsregeln. Sie will Sekundärmigration unterbinden, Überstellungen praktisch durchsetzbar machen und Leistungen bei fehlender Mitwirkung kürzen. Sekundärmigrationszentren sollen Dublin-Prüfungen binnen zwei Monaten ermöglichen.
»Wer europäische Regeln missachtet, kann daraus eben keinen Vorteil ziehen.«– Günter Krings
Die SPD betont europäische Gemeinsamkeit und Solidarität statt nationaler Alleingänge und verweist auf die Vorarbeit von Nancy Faeser. Im parlamentarischen Verfahren setzte sie Verbesserungen für Kinder, den früheren Arbeitsmarktzugang und ein Menschenrechts-Monitoring durch.
»Wenn es nur ein SPD-Gesetzentwurf gewesen wäre, wenn es eine absolute Mehrheit der SPD gäbe, würde dieses Gesetz anders aussehen; das kann ich hier zugeben.«– Hakan Demir
Die Grünen akzeptieren die EU-Einigung, kritisieren aber die Umsetzung als bewusst maximal hart. Sie warnen vor faktischem Wegsperren in Sekundärmigrationszentren, vor Bewegungseinschränkungen ohne Richtervorbehalt und vor der Grundlage für Asylverfahren in Drittstaaten.
»Es ist die größte Asylrechtsverschärfung seit 1993.«– Lukas Benner
Die AfD lehnt das Gesetz ab, weil es ihr nicht weit genug geht. Sie fordert Grenzverfahren für alle Ankommenden, exterritoriale Verfahren und einen weitgehenden Zuwanderungsstopp. Den Spielraum der EU-Vorgaben sieht sie durchaus ausgeschöpft, die Richtung aber als falsch an.
»Das GEAS ist too little, too late.«– Maximilian Krah
Die Linke sieht das individuelle Asylrecht ausgehöhlt und spricht von Haft, Lagern und Entrechtung. Sie kritisiert fehlenden Schutz an den Außengrenzen, den geplanten Leistungsausschluss für Dublin-Fälle und die Einstufung von Staaten wie der Türkei als sicher.
»Haft kann nie, wirklich nie dem Wohl eines Kindes dienen.«– Clara Bünger
Thema 2
Elektronische Fußfessel gegen häusliche Gewalt
Worum es geht
Die Bundesregierung brachte einen Gesetzentwurf ein, der erstmals bundeseinheitlich die elektronische Aufenthaltsüberwachung im Gewaltschutzgesetz verankert. Familiengerichte sollen in Hochrisikofällen anordnen können, dass Täter eine GPS-Fußfessel tragen; nähern sie sich dem Opfer, schlägt eine Überwachungszentrale Alarm, auf Wunsch wird die betroffene Person direkt gewarnt. Zusätzlich sollen Täter zu sozialen Trainings- und Antigewaltprogrammen verpflichtet und der Strafrahmen für Verstöße gegen Schutzanordnungen erhöht werden. 2024 wurden 7 754 Verstöße gegen Gewaltschutzanordnungen registriert, rund 266 000 Fälle häuslicher Gewalt erfasst. Die Linke forderte parallel eine Gesamtstrategie statt Einzelmaßnahmen.
Was heißt das für dich?
Wenn du von Partnerschaftsgewalt bedroht bist, soll ein Kontaktverbot künftig nicht mehr nur auf dem Papier stehen: Die Polizei erfährt von einer Annäherung, bevor du selbst anrufen musst. Für Betroffene kann das bedeuten, in der eigenen Wohnung bleiben zu können, statt ins Frauenhaus zu ziehen. Gleichzeitig bleibt das Hilfesystem entscheidend – Frauenhausplätze, Beratung und Wohnungssuche sind Ländersache und bleiben Mangelware. Und wenn du jemanden kennst, der betroffen ist: Die Anzeigequote liegt nach den genannten Dunkelfeldzahlen weiter extrem niedrig.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union betont, dass nicht das Recht, sondern seine Durchsetzung das Problem sei, und will Schutz vor der Tat statt danach. Sie kündigt zusätzlich eine Verschärfung beim Tatbestand der Nachstellung und strafschärfende Merkmale an.
»Schutz muss wirken, bevor die Tat geschieht, nicht danach.«– Günter Krings
Justizministerin Hubig und die SPD-Fraktion sehen in der Fußfessel ein wirksames Instrument für Hochrisikofälle und verweisen auf Spanien. Ergänzend setzen sie auf verpflichtende Täterarbeit, neue Straftatbestände und eine Kampagne zur Erhöhung der Anzeigebereitschaft.
»Die elektronische Fußfessel wird in Hochrisikofällen verhindern, dass sich der Täter seinem Opfer unbemerkt nähert.«– Stefanie Hubig
Die Grünen unterstützen den Entwurf, warnen aber davor, das spanische Modell auf die Fußfessel zu verkürzen. Sie fordern Dunkelfeldstudien, flächendeckende Anlaufstellen, geschultes Personal und endlich die Berücksichtigung von Partnerschaftsgewalt im Sorge- und Umgangsrecht.
»Dieser Gesetzentwurf ist ein guter Anfang.«– Helge Limburg
Die AfD zeigt sich dem Instrument grundsätzlich offen, bezweifelt aber die personellen Kapazitäten für eine zuverlässige Überwachung. Zugleich verknüpfte sie die Debatte mit Migrations- und Abtreibungsthemen.
»Der vorliegende Entwurf des Gesetzes zur Einführung der elektronischen Aufenthaltsüberwachung kann Leben von Betroffenen retten.«– Martina Kempf
Die Linke hält die Fußfessel für die meisten Betroffenen für wirkungslos, weil Gewalt oft im gemeinsamen Haushalt eskaliert. Sie kritisiert die Zuständigkeit der Familiengerichte und fordert Risikoanalysen, spezialisierte Gerichte sowie Hilfe bei Wohnungs- und Arbeitssuche.
»Nicht die Fußfessel ist wirksam, sondern das ganze spanische Modell.«– Kathrin Gebel
Thema 3
Heizen, Mieten und das neue Gebäudemodernisierungsgesetz
Worum es geht
Die Linke brachte einen Antrag mit dem Titel „Für das Recht auf Heizen“ ein und nutzte ihn als Gegenentwurf zu den Eckpunkten, auf die sich die Koalition in dieser Woche für ein Gebäudemodernisierungsgesetz verständigt hatte. Die Koalition will das bisherige Heizungsgesetz ersetzen, die 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien streichen und auf Technologieoffenheit, Förderung bis 2029 und eine stufenweise Beimischung CO2-neutraler Energien ab 2029 setzen. Die Linke fordert dagegen volle Erneuerbarenquoten bei Ein- und Zweifamilienhäusern, die Abschaffung der Modernisierungsumlage und die vollständige Übernahme des CO2-Preises durch Vermietende. Union und SPD werfen ihr Planwirtschaft und fehlende Finanzierung vor.
Was heißt das für dich?
Wenn dir eine Wohnung gehört, bekommst du mehr Wahlfreiheit bei der Heizung: Gas- und Ölheizungen bleiben einbaubar, ab 2029 aber mit wachsendem Anteil CO2-neutraler Energien, was den Brennstoff verteuern kann. Wenn du zur Miete wohnst, entscheidest du über die Heizung gar nicht mit, trägst über Nebenkosten und Modernisierungsumlage aber die Folgen. Die Linke will dich davon entlasten, die Koalition setzt auf Wirtschaftlichkeitsprüfung und Förderung. Für Handwerk und Heizungsbranche hängen an der Entscheidung Aufträge und Arbeitsplätze.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union lehnt starre Quoten und die Abschaffung der Modernisierungsumlage ab, weil das Investitionen ausbremse. Sie wirbt für Technologievielfalt, Übergangsregeln, Förderung bis 2029 und Akzeptanz statt Ordnungsrecht.
»Wir setzen auf Verlässlichkeit statt ideologischer Zuspitzung«– Christian Moser
Die SPD begründet den Neuanlauf mit der Verunsicherung durch das alte Heizungsgesetz und betont soziale Gerechtigkeit und Umsetzbarkeit. Sie verweist auf Mieterschutz, Wirtschaftlichkeitsanforderungen, vereinfachte kommunale Wärmeplanung und eine Evaluierung 2030.
»Ja, wir gehen einen anderen Weg, doch halten wir an den Klimazielen fest.«– Angelika Glöckner
Die Grünen werfen der Union vor, den Konflikt um die Wärmepumpe selbst geschürt zu haben, und kritisieren die Streichung von Beratungsangeboten. Sie warnen vor neuer Abhängigkeit von teuren grünen Gasen und fordern Planungssicherheit und Mieterschutz.
»Klimaschutz hat Verfassungsrang und muss vor den Profiten der fossilen Lobby stehen.«– Julia Verlinden
Die AfD führt hohe Heizkosten auf Steuern, Abgaben und die CO2-Bepreisung zurück und fordert deren Senkung. Sie lehnt den Linke-Antrag als Enteignungsprogramm ab und wirbt für Kernkraft, Pipeline-Gas und Technologieoffenheit.
»Deutschland braucht keine Gängelung, keine Verstaatlichung und keine Planwirtschaft.«– Andreas Bleck
Die Linke will Wärme als öffentliche Daseinsvorsorge behandeln, Kommunen beim Betrieb von Wärmenetzen unterstützen und Förderprogramme sozial staffeln. Mieterinnen und Mieter sollen von CO2-Kosten befreit und vor Umlagen geschützt werden.
»Schon heute können sich über 5 Millionen Menschen in Deutschland das Heizen nicht mehr leisten.«– Violetta Bock
4Faktencheck
Behauptungen im Check
Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.
»Allein im ersten Halbjahr 2025 hat Deutschland in rund 20 600 Fällen ein Dublin-Übernahmeersuchen an andere EU-Staaten gestellt. Tatsächlich überstellt wurden nur etwas mehr als 3 000 Personen.«
Krings begründet mit der Dysfunktionalität des Dublin-Systems die Notwendigkeit der GEAS-Umsetzung.
So haben wir geprüft
Beide genannten Zahlen decken sich mit der amtlichen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Danach kam es im ersten Halbjahr 2025 zu insgesamt 20.574 Übernahmeersuchen von Deutschland an die Mitgliedstaaten; die Zahl der Zustimmungen lag bei 14.294 und die der erfolgten Überstellungen bei 3.109. "Rund 20 600" und "etwas mehr als 3 000" geben das korrekt wieder. Ein Dublin-Übernahmeersuchen ist die Aufforderung an einen anderen Staat, eine asylsuchende Person zurückzunehmen, weil dieser Staat nach den Dublin-Regeln für das Asylverfahren zuständig ist.
Zwei Präzisierungen sind fachlich wichtig, ändern an der Bewertung aber nichts: Erstens gehen die Ersuchen nicht nur an EU-Staaten, sondern an alle Dublin-Staaten – also auch an die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein; deren Anteil ist allerdings gering. Zweitens sind die 3.109 Überstellungen nicht einfach das Ergebnis der 20.574 Ersuchen desselben Zeitraums, weil Verfahren über Quartalsgrenzen hinweg laufen. Fachlich wird die Überstellungsquote deshalb an den Zustimmungen gemessen – sie lag im ersten Halbjahr 2025 bei 21,8 Prozent und damit höher als zuvor; ohne Italien, das seit Ende 2022 keine Überstellungen akzeptiert, hätte sie bei 31,7 Prozent gelegen.
Auch der breitere Datenstand stützt das Bild einer großen Lücke zwischen Ersuchen und Vollzug: 2025 stellte Deutschland insgesamt rund 35.900 Übernahmeersuchen, überstellt wurden 5.377 Personen – vor allem nach Frankreich (1.024), Spanien (878) und Kroatien (572). Zum Zeitpunkt der Rede im Februar 2026 lagen diese Jahreszahlen bereits vor; der Rückgriff auf das erste Halbjahr 2025 ist also nicht der aktuellste verfügbare Wert, verzerrt das Verhältnis aber nicht zugunsten der Argumentation.
Quellen
- heute im bundestag: „Überstellungen im Dublin-Rahmen“ · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 05.10.2026
- Drucksache 21/1668 – Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Dublin-Verfahren im ersten Halbjahr 2025“ (16.09.2025) · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 05.10.2026
- Drucksache 21/1182 – Kleine Anfrage (11.08.2025) · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 05.10.2026
- „Dublin-Verordnung: Zahlen und Rechtslage“ · Mediendienst Integration · abgerufen am 05.10.2026
- „Aktuelle Zahlen“ (monatliche Dublin-Statistik) · Bundesamt für Migration und FlüchtlingePrimärquelle · abgerufen am 05.10.2026
- „Dublinüberstellungen 1. Halbjahr 2025“ · Niedersächsischer Flüchtlingsrat · abgerufen am 05.10.2026
5Debattenkultur
Wie miteinander geredet wurde
Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).
Die Rednerinnen und Redner blieben überwiegend eng an Gesetzentwürfen und Verfahren, etwa Krings zu Dublin-Fristen oder Seif zur Haftregelung. Scharf wurde es gegenüber der AfD, als Throm eine Zwischenfrage als „hetzerisch“ zurückwies und Volkmann die Beschäftigung von Familienmitgliedern thematisierte.
Fiedler und Demir arbeiteten detailliert am GEAS-Kompromiss, Hubig und Wegge sachlich am Gewaltschutz. Deutlich polemisch wurde Stegner in der Rohstoffdebatte mit Bildern wie dem Schachspiel mit einer Taube und dem „visuellen Tinnitus“.
Benner, Polat und Khan argumentierten überwiegend entlang konkreter Paragrafen, Zahlen und Betroffenenperspektiven. Zugespitzt wurde es bei Verlinden mit dem Masken-Vergleich und bei Roth, die den AfD-Antrag „brandgefährlich“ nannte.
Mehrfach wurde die Redezeit themenfremd genutzt: Kempf verband den Gewaltschutz mit Abtreibung, Brandner und Przygodda machten aus Gewaltschutz und Epstein-Debatte Migrationsreden. Dazu kamen pauschale Angriffe wie „Sie sind einwanderungsbesoffen“ und die Aufforderung „Sie sollten sich schämen“.
Bünger zitierte wörtlich aus dem Änderungsantrag und hielt die Debatte an § 70a Asylgesetz fest, Gebel und Bock blieben eng an Gewaltschutz und Heizkosten. Konfrontativ wurde der Vorwurf, die SPD lasse sich von rechts treiben, sowie Bocks Zuruf „Wer hat uns verraten?“.
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