Bundestakt

29. Januar 2026 · 56. Sitzung · 21. Wahlperiode

Regierungserklärung zur Weltlage und Mercosur-Streit

01 / 05

Merz erklärt die neue Weltordnung

Der Kanzler fordert in seiner Regierungserklärung eine europäische Machtpolitik: eigene Sicherheit, wettbewerbsfähige Wirtschaft, Geschlossenheit. Die Verteidigungsausgaben sollen auf bis zu 5 Prozent des BIP steigen.

02 / 05

Mercosur spaltet das Plenum

Acht grüne EU-Abgeordnete verzögerten das Handelsabkommen mit Südamerika. Die Grünen nennen es selbst einen Fehler. Union und SPD nutzen das stundenlang als Angriffsfläche.

03 / 05

KRITIS-Gesetz beschlossen

Nach dem Stromanschlag in Berlin verabschiedet der Bundestag erstmals bundesweite Schutzregeln für kritische Anlagen. Betroffen sind Anlagen, die mindestens 500 000 Menschen versorgen.

04 / 05

Irak-Mandat verlängert

Rund 300 Soldatinnen und Soldaten bleiben im Irak. Kosten: 109 Millionen Euro. AfD und Linke stimmten dagegen, der Rest des Hauses dafür.

05 / 05

Was als Nächstes kommt

Am 12. Februar trifft sich der Europäische Rat zur Wettbewerbsfähigkeit. Mercosur soll vorläufig angewendet werden, das EU-Indien-Abkommen steht vor dem Abschluss.

2Zahlen der Sitzung

So lief der Tag

Sitzungsdauer

13 Std. 22 Min.

Reden

141

Zwischenrufe

845

aus dem Protokoll gezählt

Abstimmungen

8

Redezeit je Fraktion

Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~140 Wörter pro Minute)

1 Punkt = 1 Minute Redezeit

  • Union3 Std. 15 Min.31,7 %
  • SPD1 Std. 58 Min.19,2 %
  • Grüne1 Std. 27 Min.14,1 %
  • AfD2 Std. 17 Min.22,3 %
  • Linke1 Std. 6 Min.10,7 %
  • Sonstige12 Min.2,0 %

Wer ruft wem dazwischen?

Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.

Größter Strom: AfD → Union (132 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von Union (270) und AfD (217).

RUFT DAZWISCHENAM REDNERPULTUnion132SPD101Grüne211AfD362Linke39Union270SPD137Grüne140AfD217Linke78Sonstige3
  • Union ruft bei Reden von Union: 33
  • Union ruft bei Reden von SPD: 11
  • Union ruft bei Reden von Grüne: 43
  • Union ruft bei Reden von AfD: 29
  • Union ruft bei Reden von Linke: 15
  • Union ruft bei Reden von Sonstige: 1
  • SPD ruft bei Reden von Union: 10
  • SPD ruft bei Reden von SPD: 3
  • SPD ruft bei Reden von Grüne: 4
  • SPD ruft bei Reden von AfD: 82
  • SPD ruft bei Reden von Linke: 2
  • Grüne ruft bei Reden von Union: 83
  • Grüne ruft bei Reden von SPD: 23
  • Grüne ruft bei Reden von Grüne: 17
  • Grüne ruft bei Reden von AfD: 80
  • Grüne ruft bei Reden von Linke: 8
  • AfD ruft bei Reden von Union: 132
  • AfD ruft bei Reden von SPD: 95
  • AfD ruft bei Reden von Grüne: 76
  • AfD ruft bei Reden von AfD: 12
  • AfD ruft bei Reden von Linke: 45
  • AfD ruft bei Reden von Sonstige: 2
  • Linke ruft bei Reden von Union: 12
  • Linke ruft bei Reden von SPD: 5
  • Linke ruft bei Reden von AfD: 14
  • Linke ruft bei Reden von Linke: 8

Die Abstimmungen

1 / 8

Gesetz zur Stärkung der Resilienz kritischer Anlagen (KRITIS-Dachgesetz)

per Handzeichen

Angenommen
Union✓SPD✓Grüne✕AfD✓Linke✕

»Wir werden aber diese Attraktivität und dieses Selbstbewusstsein nur dann für uns nutzen können und wir werden unsere Vorstellungen nur dann auf der Welt, jedenfalls zum Teil, durchsetzen können, wenn wir auch selbst die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen, wenn wir selbst eine europäische Macht werden.«

Friedrich MerzCDU/CSU, Bundeskanzler

Kernsatz der Regierungserklärung zur außenpolitischen Lage. leitet daraus drei Aufgaben ab: eigene Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und europäische Geschlossenheit. Der Satz wurde später von (Die Linke) als Widerspruch zum zuvor erklärten Antiimperialismus kritisiert.

Bundestag, 29. Januar 2026 – Weltordnung im Umbruch, Handelsstreit im Plenum

Ein Sitzungstag, der sich fast vollständig um die Frage drehte, wie handlungsfähig Deutschland und Europa in einer Welt der Großmächte noch sind. Bundeskanzler (CDU) eröffnete mit einer zur außenpolitischen Lage, es folgten Debatten über Clankriminalität, kritische Infrastruktur, die transatlantischen Beziehungen und das Handelsabkommen Mercosur, das sich wie ein roter Faden durch den ganzen Tag zog.

Regierungserklärung zur außenpolitischen Lage

beschrieb eine „Welt der Großmächte“ und leitete daraus drei Aufgaben ab: eigene Sicherheit, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und europäische Geschlossenheit. Er verwies auf abgewendete US-Zolldrohungen und die Verteidigungsausgaben von bis zu 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. (AfD) warf ihm einen „Pleite-Tsunami“ und eine gescheiterte Energiepolitik vor. (Grüne) kritisierte, die Ukraine komme in der Rede nur in einem Satz vor. (CDU/CSU) hielt dagegen, ohne die USA gebe es in Europa derzeit keine Sicherheit. (Die Linke) warf allen Bundesregierungen vor, Völkerrechtsbrüche der USA jahrzehntelang schöngeredet zu haben.

Gesetzentwurf: Schutz kritischer Infrastruktur

Der Bundestag verabschiedete das KRITIS-Dachgesetz. Es verpflichtet Betreiber von Anlagen, die mindestens 500 000 Menschen versorgen, zu Risikoanalysen und Meldungen. Innenminister (CSU) sprach von hybrider Kriegsführung gegen Deutschland. (Grüne) kritisierte, zentrale Details würden in noch nicht vorliegende Rechtsverordnungen ausgelagert. Die AfD stimmte trotz scharfer Kritik zu, Die Linke lehnte ab.

Aktuelle Debatte: Mercosur und Freihandel

Acht grüne Europaabgeordnete hatten die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs ermöglicht und damit das Abkommen verzögert. (Grüne) nannte das offen einen Fehler, verband das aber mit Angriffen auf und dessen Nähe zur MAGA-Bewegung. (CDU/CSU) sprach vom „dritten historischen Fehler“ der Grünen beim Freihandel.

Auslandseinsatz: Bundeswehr im Irak

Das Mandat für rund 300 Soldatinnen und Soldaten wurde verlängert. (CDU/CSU) verwies auf die EU-Entscheidung, die iranischen als Terrororganisation zu listen. AfD und Die Linke stimmten dagegen.

3Top-Themen

Worum es wirklich ging

Thema 1

Europas Rolle in einer Welt der Großmächte

Worum es geht

Bundeskanzler (CDU) beschrieb in seiner Regierungserklärung eine sich neu ordnende Weltlage: Großmächte setzen Interessen offen durch, die USA unter Donald Trump stellen mit Zolldrohungen und Ansprüchen auf Grönland selbst die Souveränität von NATO-Partnern infrage. formulierte drei Aufgaben: Europa müsse seine Sicherheit selbst in die Hand nehmen, wirtschaftlich wettbewerbsfähig werden und geschlossen auftreten. Er verwies darauf, dass die nationalen Verteidigungsausgaben auf bis zu 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen sollen und dass ein EU-Sondergipfel am 12. Februar sich ausschließlich mit Wettbewerbsfähigkeit befassen wird. Gleichzeitig betonte er, das Transatlantische Bündnis bleibe ein Wert an sich.

Was heißt das für dich?

Verteidigungsausgaben von bis zu 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bedeuten dauerhaft hohe Summen im Bundeshaushalt, die an anderer Stelle fehlen oder über Schulden finanziert werden. Zölle im Handel mit den USA verteuern Produkte direkt für dich als Verbraucherin oder Verbraucher und treffen Arbeitsplätze in exportorientierten Branchen wie dem Maschinenbau oder der Autoindustrie. Wenn Europa technologisch unabhängiger wird, betrifft das auch die Software und Cloud-Dienste, die du im Alltag und im Job nutzt. Und wenn die Wachstumslücke gegenüber den USA und China bleibt, drückt das langfristig auf Löhne, Renten und öffentliche Investitionen.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Europa müsse die Sprache der Machtpolitik lernen und eine eigene Macht werden, ohne das Transatlantische Bündnis aufzugeben. Die Fraktion verteidigt den Kurs des Kanzlers als besonnen und realpolitisch und sieht in Wirtschaftswachstum die Voraussetzung für geopolitische Handlungsfähigkeit.

»Als Demokratien sind wir Partner und Verbündete und nicht Untergebene.«–
SPD

Die Fraktion unterstützt den Kurs des Kanzlers und fordert eine strategische Autonomie der Wertegemeinschaft. Sie setzt auf Investitionen im Inland, ein handlungsfähigeres Europa und neue Allianzen mit Kanada, Brasilien und asiatischen Staaten.

»Wir können uns nicht bei jeder Frage leisten, auf den Letzten zu warten.«–
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Fraktion wirft der Regierung vor, die Ukraine in der Regierungserklärung mit nur einem Satz abzuhandeln und gegenüber Trump zu wenig Klartext zu reden. Sie fordert Sanktionen gegen die russische Schattenflotte und weitreichendere Waffensysteme für die Ukraine.

»Leider sind die USA nicht mehr der Garant unseres Schutzes.«–
AfD

Die Fraktion fordert eine Definition eigener nationaler Interessen, lehnt weitere Ukraine-Hilfen ab und verlangt die Rückabwicklung der Energiewende sowie den Wiedereinstieg in die Kernkraft. Sie kritisiert, der Kanzler agiere als Außenkanzler statt Probleme im Inland zu lösen.

»Auch wir müssen endlich unsere eigenen nationalen, deutschen Interessen definieren und selbstbewusst vertreten.«–
Die Linke

Die Fraktion verlangt, Völkerrechtsbrüche konsequent und unabhängig vom Verursacher zu benennen, und kritisiert das Schweigen der Bundesregierung zum US-Vorgehen in Venezuela. Sie fordert Abrüstung, Diplomatie und eine Stärkung internationaler Organisationen statt europäischer Machtpolitik.

»Entweder gilt das Völkerrecht für alle, oder es gilt eben nicht.«–

Thema 2

Mercosur, Freihandel und ein Fehler der Grünen

Worum es geht

Das Handelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten wurde über rund 25 Jahre verhandelt. In der Woche vor der Sitzung ermöglichte eine Abstimmung im Europäischen Parlament die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs, wodurch das Inkrafttreten verzögert wird. Acht der zwölf deutschen grünen Abgeordneten stimmten dabei gemeinsam mit Abgeordneten der extremen Rechten und Linken. Die Grünen bezeichneten das Abstimmungsverhalten im Bundestag selbst als Fehler und fordern nun die vorläufige Anwendung des Abkommens. Das Thema zog sich durch nahezu alle Debatten des Tages.

Was heißt das für dich?

Das Abkommen würde laut Angaben aus der Debatte rund 90 Prozent der Zölle abschaffen und europäische Unternehmen um etwa 4 Milliarden Euro jährlich entlasten. Wenn du in Maschinenbau, Autoindustrie, Chemie oder bei einem exportierenden Mittelständler arbeitest, hängt dein Arbeitsplatz indirekt an solchen Handelsbeziehungen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher können günstigere Importe Preise senken, gleichzeitig warnen Kritiker vor Pestiziden und niedrigeren Standards bei Lebensmitteln. Landwirtinnen und Landwirte fürchten Konkurrenz durch billigeres Rindfleisch, auch wenn die Importquoten begrenzt sind.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Fraktion sieht im Abkommen eine historische Chance für Export und Landwirtschaft und greift die Grünen scharf für deren Abstimmungsverhalten an. Sie fordert die sofortige vorläufige Anwendung und den schnellen Abschluss des EU-Indien-Abkommens.

»Wer sein Land liebt, ist am Ende für Mercosur.«–
SPD

Die Fraktion bedauert die Verzögerung, betont dass ihre Europaabgeordneten zugestimmt haben, und fordert die vorläufige Inkraftsetzung. Sie wirbt für Handelsabkommen als Antwort auf Protektionismus und Machtpolitik.

»Europa hätte in der Tat Geschlossenheit zeigen müssen. Es hat Zerrissenheit gezeigt.«–
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Fraktion räumt den Fehler offen ein und fordert nun selbst die vorläufige Anwendung des Abkommens. Sie verweist darauf, dass auch Abgeordnete aus EVP und sozialdemokratischer Fraktion gleich gestimmt haben, und wirbt für schlankere, schnellere Handelsabkommen nach dem Vorbild des Indien-Abkommens.

»Die Abstimmung der Grünen zum Mercosur-Abkommen im Europäischen Parlament war ein Fehler.«–
AfD

Die Fraktion bekennt sich grundsätzlich zum Freihandel, lehnt Mercosur in der jetzigen Form aber ab, weil die Landwirtschaft nicht ausgeklammert sei. Sie fordert, sensible Agrargüter wie Fleisch, Zucker und Ethanol herauszuverhandeln.

»Es geht nicht um Freihandel oder Landwirtschaft, es geht um Freihandel mit Landwirtschaft.«–
Die Linke

Die Fraktion lehnt das Abkommen vollständig ab und warnt vor Entwaldung, Pestizideinsatz und Druck auf heimische Landwirte. Sie fordert, die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abzuwarten.

»Das Mercosur-Abkommen ist ein Giftabkommen.«–

Thema 3

Schutz kritischer Infrastruktur nach dem Berliner Stromanschlag

Worum es geht

Am 3. Januar 2026 führte ein Brandanschlag in Berlin dazu, dass 45 000 Haushalte und über 2 000 Gewerbebetriebe ohne Strom waren. Krankenhäuser mussten auf Notstrom umstellen, der Nahverkehr kam zum Erliegen. Der Bundestag verabschiedete daraufhin das KRITIS-Dachgesetz, das erstmals bundesweit einheitliche Regeln für den Schutz kritischer Anlagen schafft. Betroffen sind grundsätzlich Anlagen, deren Ausfall mindestens 500 000 Menschen treffen würde, wobei die Länder über eine Öffnungsklausel auch kleinere Anlagen als kritisch einstufen können. Das Gesetz setzt zugleich eine EU-Richtlinie um, deren Umsetzungsfrist bereits im Oktober 2024 abgelaufen war.

Was heißt das für dich?

Wenn der Strom ausfällt, funktionieren Heizung, Aufzug, Kühlschrank, Internet und Kartenzahlung nicht mehr. Das Gesetz soll dafür sorgen, dass Betreiber von Strom-, Wasser- und Verkehrsinfrastruktur Risikoanalysen erstellen und Notfallpläne vorhalten müssen. Für dich bedeutet das im besten Fall kürzere Ausfälle und bessere Vorsorge in deiner Stadt. Gleichzeitig sollen weniger Daten über kritische Anlagen öffentlich einsehbar sein, was Transparenz bei Bauverfahren einschränkt. Die Kosten der Schutzmaßnahmen tragen zunächst die Betreiber, was sich langfristig auf Strom- oder Wasserpreise auswirken kann.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Fraktion bezeichnet das Gesetz als Meilenstein und Ausdruck einer innenpolitischen Zeitenwende. Sie fordert zugleich, Transparenzpflichten ressortübergreifend zu überprüfen, damit sensible Infrastrukturdaten nicht öffentlich zugänglich bleiben.

»Sicherheit hat Vorrang vor überzogener Transparenz.«–
SPD

Die Fraktion verteidigt den Regelschwellenwert von 500 000 betroffenen Menschen und die Öffnungsklausel für die Länder. Sie hat Bußgelder angehoben und eine frühe Evaluierung des Gesetzes durchgesetzt.

»Nicht alles, was technisch zu veröffentlichen geht, sollte auch öffentlich zugänglich sein.«–
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Fraktion begrüßt das Gesetz grundsätzlich, kritisiert aber, dass zentrale Details in noch nicht vorliegende Rechtsverordnungen ausgelagert werden und die beiden EU-Richtlinien nicht kohärent umgesetzt seien. Sie fordert zusätzlich eine Stärkung des BSI und eine Gesamtstrategie gegen hybride Bedrohungen.

»Für Cyber-Bullshit-Bingo aber stehen wir nicht zur Verfügung.«–
AfD

Die Fraktion kritisiert das Gesetz als bürokratisch und als Entmachtung des Parlaments zugunsten von Rechtsverordnungen, stimmt aber dennoch zu. Sie bemängelt, dass der Sektor Staat und Verwaltung weitgehend ausgeklammert bleibt und die Finanzierung offen ist.

»Wir geben dem unvollkommenen Gesetz eine Chance, Herr Minister.«–
Die Linke

Die Fraktion lehnt das Gesetz ab, weil der Schwellenwert von 500 000 Menschen willkürlich gesetzt sei und Bundestag, Verteidigungsministerium und Auswärtiges Amt ausgenommen seien. Sie fordert Redundanzen in Leitungsnetzen statt neuer Meldepflichten und kritisiert die Zuschreibung des Berliner Anschlags an den Linksextremismus als vorschnell.

»Sicherheit entsteht nicht durch Formulare. Sicherheit entsteht durch robuste Systeme.«–

4Faktencheck

Behauptungen im Check

Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.

1 / 10
Friedrich MerzUnion
Belegt
»Meine Damen und Herren, 59 Bundeswehrsoldaten haben im Verlaufe des fast 20-jährigen Einsatzes in Afghanistan ihr Leben verloren. Weit über 100 sind bei Kampfhandlungen und Anschlägen zum Teil schwer verletzt worden.«

verteidigt in seiner Regierungserklärung den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gegen Herabwürdigung aus den USA.

So haben wir geprüft

Die Zahl 59 ist die amtliche Bilanz des Einsatzes. Die Wehrbeauftragte des Bundestages hält in ihrem Jahresbericht 2021 fest: „Insgesamt ließen 59 Soldaten ihr Leben in Afghanistan. Viele weitere wurden seelisch und/oder körperlich verwundet – und spüren das bis heute." Das Verteidigungsministerium nennt dieselbe Zahl und ordnet sie ein: Rund 93.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten dienten in den NATO-Missionen ISAF und Resolute Support; es war der bislang intensivste Einsatz der Bundeswehr mit vielen Verwundeten und 59 Toten. Wichtig für das Verständnis: spricht korrekt davon, dass die Soldaten „ihr Leben verloren" haben – in den 59 Fällen sind auch Unfälle, Krankheiten und andere Todesursachen enthalten; durch Fremdeinwirkung fielen 35 der 59 Soldaten. Wer aus den 59 schließen würde, alle seien im Gefecht getötet worden, läge also falsch – die Formulierung des Kanzlers tut das aber nicht.

Auch die zweite Zahl hält der Prüfung stand, sie ist sogar eher vorsichtig gewählt. Bereits im März 2018, gut drei Jahre vor Einsatzende, teilte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage hin mit: Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Jahr 2002 wurden 123 Soldaten und zwei Soldatinnen der Bundeswehr während Kampfhandlungen verwundet; weitere 179 Soldaten und eine Soldatin wurden bei Verkehrsunfällen, Dienstunfällen, beim Sport und anderen Gelegenheiten verletzt. „Weit über 100" Verwundete bei Kampfhandlungen und Anschlägen ist damit durch eine amtliche Angabe gedeckt. Ergänzend gehört zum Gesamtbild, dass neben den Soldaten weitere Deutsche starben: Auch drei Bundespolizisten und vier Mitarbeiter deutscher Hilfs- und Entwicklungsorganisationen verloren ihr Leben.

Einordnung: Hinter den beiden Zahlen steckt eine methodische Unterscheidung, die in Debatten oft verschwimmt: „gestorben im Einsatz" (59) ist nicht dasselbe wie „gefallen durch Feindeinwirkung" (35). Beide Zahlen sind amtlich, sie messen nur Unterschiedliches. Bei den Verletzten gilt dasselbe – die Bundesregierung führt Kampfverletzungen und Unfall- oder Sportverletzungen getrennt. bezieht sich auf die Kampfverletzten, und das ist die engere, nicht die aufgeblähte Kategorie.

Quellen

5Debattenkultur

Wie miteinander geredet wurde

Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).

CDU/CSU
Themenfokus7/10
Konfrontation7/10

In Sachdebatten wie KRITIS und Irak-Mandat blieb die Fraktion eng am Thema. In der Mercosur-Debatte nutzten mehrere Rednerinnen und Redner einen erheblichen Teil ihrer Zeit für Angriffe auf die Grünen, auch nachdem diese den Fehler bereits eingeräumt hatten.

SPD
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

Die Fraktion argumentierte überwiegend sachbezogen, etwa beim KRITIS-Dachgesetz und beim Bankengesetz. Gegenüber der AfD wurde der Ton deutlich schärfer, etwa als und den Ukraine-Antrag als Heuchelei und Niedertracht bezeichneten.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Themenfokus6/10
Konfrontation7/10

Inhaltlich starke Beiträge gab es zur Ukraine, zum KRITIS-Gesetz und zur Finanzkriminalität. In der Mercosur-Debatte verband das Eingeständnis des eigenen Fehlers mit ausgedehnten Angriffen auf (CDU) und überzog dabei die Redezeit deutlich.

AfD
Themenfokus4/10
Konfrontation9/10

Mehrere Reden entfernten sich vom Tagesordnungspunkt, etwa Chrupallas Ausführungen zu Teilzeit in der außenpolitischen Debatte. bezeichnete die Justiz als willfährig und nannte namentlich Abgeordnete anderer Fraktionen Scharlatane und Hochstapler, was die Präsidentin rügte.

Die Linke
Themenfokus5/10
Konfrontation7/10

Fachlich fokussiert bei Finanzkriminalität und Lieferdiensten. In der Debatte zu § 188 StGB sprach überwiegend über Teilzeit, Bürgergeld und Saisonarbeit, worauf die Präsidentin dreimal auf das eigentliche Thema hinweisen musste.

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