Bundestakt

11. Juni 2026 · 83. Sitzung · 21. Wahlperiode

Regierungserklärung zum EU-Gipfel und Heizungsgesetz

01 / 05

Merz wirbt für seinen zweiten Weg

Der Kanzler verteidigt vor dem EU-Gipfel Reformkurs, Ukraine-Hilfe und GEAS-Start. Weidel nennt die Regierungserklärung den "Abgesang eines Gescheiterten". Die Opposition wirft ihm gebrochene Versprechen vor.

02 / 05

Heizungsgesetz wird ersetzt

Ministerin Reiche bringt das Gebäudemodernisierungsgesetz ein: Öl- und Gasheizungen werden wieder erlaubt, dafür steigt ab 2029 eine Biobrennstoffquote schrittweise auf 60 Prozent bis 2040.

03 / 05

Streit um 18.000 Euro für Mieter

Grüne rechnen vor, dass Mieterinnen und Mieter in 20 Jahren bis zu 18.000 Euro Mehrkosten tragen. Union und SPD halten dagegen: Netzentgelte, CO2-Preis und Biokosten werden hälftig geteilt.

04 / 05

BAföG spaltet die Koalition

Die SPD verspricht die Erhöhung noch fürs Wintersemester, die Union verweist auf den Finanzierungsvorbehalt. Grünen- und Linken-Anträge scheitern, die Reform bleibt offen.

05 / 05

Zwei Mandate verlängert

Bundeswehr bleibt bis 2027 in Bosnien und Herzegowina sowie im Kosovo. Beide Mandate gehen mit breiter Mehrheit durch, die AfD stimmt dagegen.

2Zahlen der Sitzung

So lief der Tag

Sitzungsdauer

16 Std. 33 Min.

Reden

143

Zwischenrufe

972

aus dem Protokoll gezählt

Abstimmungen

4

Redezeit je Fraktion

Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)

Union
4 Std. 26 Min.
SPD
2 Std. 30 Min.
Grüne
1 Std. 42 Min.
AfD
3 Std. 5 Min.
Linke
1 Std. 12 Min.
Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen
10 Min.
Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe
4 Min.
Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
3 Min.

Wer ruft dazwischen?

Zwischenrufe nach verursachender Fraktion, soweit im Protokoll zugeordnet

Union
93
SPD
121
Grüne
239
AfD
464
Linke
55

Die Abstimmungen

1 / 4

Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der EU-geführten Operation EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina

namentliche Abstimmung

Angenommen
UnionSPDGrüneAfD

»Denn die Wärmewende gelingt nicht gegen die Eigentümer, die Wärmewende gelingt nur mit den Eigentümern.«

Katherina ReicheUnion

Die Bundeswirtschaftsministerin begründete damit die Abkehr vom Gebäudeenergiegesetz der Ampel und die Einführung des Gebäudemodernisierungsgesetzes mit Technologieoffenheit statt fester Erneuerbaren-Quote.

Bundestag, 11. Juni 2026 – Europäischer Rat, Wärmewende und Bildungsversprechen

Der Sitzungstag begann mit einer Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Europäischen Rat und spannte den Bogen über die Abschaffung des Heizungsgesetzes bis zu zwei Auslandsmandaten der Bundeswehr. Roter Faden war die Frage, wie viel Veränderung dieses Land verträgt – und wer die Kosten trägt.

Regierungserklärung zum Europäischen Rat

Merz nannte fünf Themen für Brüssel: Handelspolitik, Wettbewerbsfähigkeit, den Mehrjährigen Finanzrahmen, Krisen in Ukraine und Golfregion sowie die GEAS-Reform, die am 12. Juni in Kraft tritt. Er schlug eine assoziierte Mitgliedschaft der Ukraine in der EU vor und lehnte neue europäische Schulden ab. Alice Weidel (AfD) sprach vom "Abgesang eines Gescheiterten", Britta Haßelmann (Grüne) hielt Merz vor, das Wort Reform sei zum Synonym für Kürzungen verkommen. Jens Spahn (CDU/CSU) rechnete vor, ohne Reformen stiegen die Sozialbeiträge bis Ende des Jahrzehnts auf über 47 Prozent.

Gesetzentwurf: Gebäudemodernisierungsgesetz

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ersetzt die 65-Prozent-Vorgabe durch Technologieoffenheit und eine Biotreppe: steigende Quoten klimafreundlicher Brennstoffe ab 2029. Bauministerin Verena Hubertz verwies auf die hälftige Teilung von CO2-Kosten, Netzentgelten und Biobrennstoffkosten zwischen Vermietenden und Mietenden. Katharina Dröge (Grüne) nannte das Gesetz eine "Kampfansage an die Realität" und bezifferte die Mehrkosten für Mieter auf 18.000 Euro in 20 Jahren.

Anträge zu BAföG und Familienförderung

Grüne und Linke forderten ein existenzsicherndes BAföG und mehr Geld für Kinder und Familien. Wiebke Esdar (SPD) und Lina Seitzl (SPD) bekräftigten die Reformzusage, Joachim Ebmeyer (CDU/CSU) verwies auf den Finanzierungsvorbehalt und Bürokratieabbau. Alle Oppositionsanträge wurden abgelehnt.

Bundeswehrmandate Bosnien und Kosovo

Der Bundestag verlängerte EUFOR Althea und KFOR jeweils um ein Jahr. Redner aller demokratischen Fraktionen würdigten den scheidenden Hohen Repräsentanten Christian Schmidt. Die AfD lehnte beide Mandate ab, Die Linke stimmte gegen .

3Top-Themen

Worum es wirklich ging

Thema 1

Heizungsgesetz wird zum Gebäudemodernisierungsgesetz

Worum es geht

Die Bundesregierung ersetzt das Gebäudeenergiegesetz der Ampel durch ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz. Die starre Vorgabe, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien laufen müssen, entfällt. Stattdessen dürfen wieder Öl- und Gasheizungen eingebaut werden, die ab 2029 aber schrittweise mit Biogas oder Bioöl betrieben werden müssen – bis zu 60 Prozent im Jahr 2040. Diese sogenannte Biotreppe soll den Klimaschutz im Gebäudebestand sichern. 2030 ist eine Evaluation vorgesehen.

Was heißt das für dich?

Wenn du in einer Mietwohnung lebst, entscheidest du nicht, welche Heizung eingebaut wird – zahlen musst du aber mit. Die Grünen rechnen vor, dass auf Mieterinnen und Mieter in 20 Jahren bis zu 18.000 Euro zusätzliche Kosten zukommen können, wenn Vermieter erneut auf Gas statt Wärmepumpe setzen. Neu ist, dass CO2-Kosten, Netzentgelte und die Mehrkosten der Biobrennstoffe hälftig zwischen Vermietenden und Mietenden geteilt werden. Wer ein eigenes Haus besitzt, bekommt mehr Wahlfreiheit bei der Technik, trägt aber das Risiko steigender Brennstoffpreise. Gewerbemieter wie kleine Läden oder Friseursalons sind von der Kostenteilung ausgenommen.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union feiert das Gesetz als Ende des Habeck'schen Heizungsgesetzes und als Rückkehr zu Entscheidungsfreiheit. Sie betont, dass Bürger jährlich um rund 5 Milliarden Euro und die Wirtschaft um 2 Milliarden Euro entlastet werden. Klimaschutz brauche Akzeptanz und gelinge nur mit den Bürgern.

»Wir sagen Ja zum Klimaschutz. Wir sagen aber Nein zu Habecks Heizungsgesetz; denn es hat nur für Chaos, Unsicherheit und Bevormundung gesorgt.«Stephan Stracke
SPD

Die SPD räumt selbstkritisch ein, dass das alte Gesetz nicht genug Akzeptanz fand und zu viele Haushalte ohne Option ließ. Sie hält am Ziel der Klimaneutralität 2045 fest und betont den Mieterschutz als zentrale Errungenschaft. Beim Kostenanteil ab 2040 sieht sie noch Nachbesserungsbedarf.

»Mieter haben keinen Einfluss auf die Heizungswahl des Vermieters; also sollten sie auch nicht stärker zur Kasse gebeten werden.«Hakan Demir
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen halten das Gesetz für gescheitert, bevor es beschlossen ist. Sie kritisieren, dass mitten in einer Ölkrise wieder auf fossile Heizungen gesetzt wird, und werfen der Regierung vor, die Klimaziele faktisch abzuschaffen. Sie fordern, das Verfahren zu stoppen.

»Dieses Gesetz sollte im Deutschen Bundestag nicht beschlossen werden. Es ist Unsinn, und Sie müssen das stoppen!«Katharina Dröge
AfD

Die AfD nennt das Gesetz Habecks Heizungshammer durch die Hintertür. Sie bezweifelt, dass genug Biogas und Bioöl verfügbar sein werden, und sieht eine Kostenfalle für Millionen Haushalte. Sie fordert die vollständige Abschaffung des Heizungsgesetzes und der CO2-Steuer.

»Ihre Biotreppe ist nichts anderes als eine Kostenfalle für Millionen von Menschen.«Marc Bernhard
Die Linke

Die Linke kritisiert das Gesetz als Angriff auf Mieterinnen und Mieter, auf kommende Generationen und auf das Klima. Sie verweist auf die vernichtende Kritik von Normenkontrollrat, Bundesrat und DGB und hält den Entwurf für verfassungswidrig. Sie kündigt an, alle rechtlichen und parlamentarischen Mittel zu nutzen.

»Es ist ein roter Teppich für die Gaslobby durch die Vordertür.«Violetta Bock

Thema 2

BAföG-Reform zwischen Versprechen und Haushaltsvorbehalt

Worum es geht

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag eine BAföG-Reform vereinbart – allerdings unter Finanzierungsvorbehalt. In den Wochen vor der Sitzung war ein öffentlicher Streit entbrannt: Forschungsministerin Bär hatte Studierenden nahegelegt, mehr zu arbeiten, die SPD widersprach umgehend. Grüne und Linke legten Anträge für ein existenzsicherndes BAföG vor. Alle Oppositionsanträge wurden abgelehnt. Der Streit über Höhe und Zeitpunkt der Reform ist damit nicht beendet.

Was heißt das für dich?

Wenn du studierst oder ein Studium planst, hängt viel davon ab, ob die Wohnkostenpauschale von aktuell 380 Euro steigt – WG-Zimmer in Unistädten kosten oft 600 bis 800 Euro. Zwei von drei Studierenden jobben bereits neben dem Studium, jeder dritte lebt laut Debattenbeiträgen in Armut. Die SPD verspricht die Erhöhung noch für dieses Wintersemester, die Union verweist auf die Haushaltslage. Bis zu 70 Prozent der Anspruchsberechtigten stellen laut Union gar keinen Antrag, weil sie ihren Anspruch nicht kennen oder an der Bürokratie scheitern. Ein digitaler, automatisierter Antrag könnte dir also mehr bringen als jede Debatte über Sätze.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union verweist auf den Finanzierungsvorbehalt im Koalitionsvertrag und die angespannte Haushaltslage. Sie setzt den Schwerpunkt auf Bürokratieabbau, Digitalisierung und mehr Wohnheimplätze statt höherer Pauschalen. Ein Grundrecht auf BAföG in Höhe des Existenzminimums gebe es laut Bundesverfassungsgericht nicht.

»Die Frage ist nicht, wer am meisten verspricht, sondern wie wir jungen Menschen wirksam, dauerhaft und verantwortungsvoll helfen können.«Joachim Ebmeyer
SPD

Die SPD bekräftigt, die Reform komme und werde Grundförderung, Wohnkostenpauschale und Elternfreibetrag anheben. Sie will das BAföG schrittweise an das Grundsicherungsniveau koppeln, um es vor politischer Willkür zu schützen. Kritik an Studierenden weist sie zurück.

»Wir wollen das BAföG erhöhen, und wir werden das BAföG erhöhen.«Wiebke Esdar
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen nennen den Umgang der Koalition mit dem BAföG ein Trauerspiel in drei Akten und kritisieren die Kürzung von 250 Millionen Euro im Haushalt. Sie fordern ein existenzsicherndes BAföG mit regional angepasster Wohnkostenpauschale und automatischer Auszahlung.

»Beenden Sie endlich dieses Trauerspiel, und stimmen Sie für ein BAföG, das zum Leben reicht!«Ayse Asar
AfD

Die AfD lehnt die Ausweitung des Empfängerkreises und den Vollzuschuss ab und will Leistungsnachweise erhalten. Sie fordert, das BAföG auf deutsche Studierende zu konzentrieren, und kündigt einen eigenen Gesetzentwurf an.

»BAföG ist eine Aufstiegsleiter und nicht als soziale Hängematte gedacht, keine Rundumversorgung.«Christian Zaum
Die Linke

Die Linke fordert das BAföG als vollständigen Zuschuss ohne Darlehensanteil und Sätze, die tatsächlich die Miete decken. Sie wirft der Koalition vor, Pflegebedürftige gegen Studierende auszuspielen. Angst vor Verschuldung halte viele Arbeiterkinder vom Studium ab.

»Studieren ist längst kein Privileg mehr – es ist Prekarität.«Nicole Gohlke

Thema 3

Bundeswehrmandate für Bosnien und Kosovo verlängert

Worum es geht

Der Bundestag hat die Beteiligung deutscher Soldatinnen und Soldaten an der EU-Mission EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina sowie an der NATO-Mission KFOR im Kosovo um jeweils ein Jahr verlängert. Beide Einsätze bestehen seit über zwei Jahrzehnten, KFOR seit 1999 – es ist der längste ununterbrochene Auslandseinsatz der Bundeswehr. Anlass für Debatte war der angekündigte Rückzug des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, sowie die dritte Parlamentswahl im Kosovo binnen 16 Monaten. Die Kosten für EUFOR Althea steigen auf 16,1 Millionen Euro, für KFOR auf rund 35 Millionen Euro.

Was heißt das für dich?

Für dich als Steuerzahlerin oder Steuerzahler geht es um überschaubare Summen – zusammen rund 50 Millionen Euro im Jahr. Der eigentliche Einsatz liegt woanders: Rund 300 deutsche Soldatinnen und Soldaten sind im Kosovo, weitere in Bosnien, viele davon in kleinen Beobachtungsposten mitten in Dörfern. Befürworter argumentieren, dass Instabilität auf dem Westbalkan schnell zu Fluchtbewegungen und Sicherheitsproblemen in Europa führt. Wer aus einer Familie mit Wurzeln in der Region kommt, erlebt die Debatte besonders unmittelbar – mehrere Rednerinnen berichteten von eigenen Kriegserfahrungen.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union sieht beide Missionen als unverzichtbare Stabilitätsanker vor der europäischen Haustür. Sie würdigt die Arbeit des Hohen Repräsentanten Christian Schmidt und warnt vor separatistischen Bestrebungen der Republika Srpska. Ein stabiler Westbalkan liege im deutschen Sicherheitsinteresse.

»Sicherheit und Stabilität sind eben keine abstrakten Begriffe; sie haben konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag.«Ellen Demuth
SPD

Die SPD betont, die Missionen schafften Vertrauen und banden die Region sicherheitspolitisch enger an Europa. Sie verweist auf die fragile politische Lage und die ungeklärte Zukunft des US-Engagements. Ein Rückzug wäre das falsche Signal.

»Die Mission schafft Vertrauen und Zuversicht bei den Menschen vor Ort.«Jasmina Hostert
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen unterstützen beide Mandate und heben die Arbeit in den Verbindungs- und Beobachtungsteams hervor. Sie regen ein drittes deutsch betriebenes LOT-Haus in Bosnien an und fordern die Aufnahme des Kosovo in den Europarat.

»Deutschland steht fest an der Seite aller Menschen in Bosnien und Herzegowina.«Boris Mijatović
AfD

Die AfD lehnt beide Mandate ab und spricht von einer Entsendungsroutine ohne Exitstrategie. Sie fordert, die Bundeswehr auf Landes- und Bündnisverteidigung zu konzentrieren und die Mittel im Inland einzusetzen.

»Verlängerung des Mandats – wie oft denn noch?«Jörg Zirwes
Die Linke

Die Linke lehnt beide Einsätze ab. Sie kritisiert bei EUFOR Althea eine militärisch abgesicherte Fremdbestimmung und fordert stattdessen zivile Sicherheitsstrukturen, Entwicklungsinvestitionen und einen multilateralen Friedensprozess unter Einbeziehung von OSZE und Vereinten Nationen.

»Wer Frieden dauerhaft sichern will, muss in Verständigung investieren statt in die Verstetigung militärischer Einsätze.«Cansu Özdemir

4Faktencheck

Behauptungen im Check

Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.

1 / 9
Friedrich MerzUnion
Belegt
»Im letzten Jahr sind in Deutschland über 3 500 neue junge Unternehmen, Start-ups, gegründet worden – 30 Prozent mehr als im Vorjahr.«

Merz belegt mit Gründungszahlen, dass es positive wirtschaftliche Entwicklungen in Deutschland gebe.

So haben wir geprüft

Die Zahlen stimmen. Für 2025 – das aus Sicht der Rede "letzte Jahr" – weist der Report "Next Generation" von Startup-Verband und startupdetector aus: 2025 war ein Rekordjahr für Startup-Neugründungen in Deutschland: Mit 3.568 neu gegründeten Startups wurde ein neuer Höchststand erreicht – ein Plus von 29 Prozent gegenüber 2024 und sogar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021. "Über 3 500" und "30 Prozent" sind damit korrekt gerundet; die exakte Steigerung liegt bei 29 Prozent, die Abweichung ist marginal.

Wichtig für die Einordnung ist, was gezählt wird: Als Start-ups gelten in dieser Erhebung Unternehmen mit einem maximalen Alter von zehn Jahren, die entweder ein innovatives Produkt vertreiben und/oder denen eine Skalierungsfähigkeit zugerechnet wird. Datengrundlage sind Handelsregisterdaten. Es geht also um ein eng definiertes Segment, nicht um Gründungen insgesamt – zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland rund 130 100 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen, das waren 7,6 % mehr als im Vorjahr. Die 3 568 Start-ups sind davon ein kleiner, besonders dynamischer Ausschnitt.

Ein Treiber des Anstiegs ist laut Erhebung nicht primär die Wirtschaftspolitik, sondern die KI-Konjunktur: 27 % aller gegründeten Startups nutzten KI als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Die Zuschreibung als Beleg für eine positive Gesamtentwicklung der deutschen Wirtschaft ist eine Interpretation, die über die reine Zahl hinausgeht – die Zahl selbst ist aber korrekt wiedergegeben.

Quellen

5Debattenkultur

Wie miteinander geredet wurde

Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).

CDU/CSU
Themenfokus7/10
Konfrontation7/10

In den Fachdebatten zu Gebäudemodernisierung, Energie und Bundeswehrmandaten blieb die Fraktion nah am Gegenstand. In der Aktuellen Stunde und bei der AfD-Debatte wichen Redner wie Philipp Amthor stark ins Persönliche aus, etwa mit Formulierungen wie 'dünnbrettbohrender Schwachkopf'.

SPD
Themenfokus7/10
Konfrontation6/10

Die SPD argumentierte in Sachdebatten wie GEG, BAföG und Mandaten überwiegend inhaltlich und räumte eigene Fehler beim alten Heizungsgesetz ein. Ralf Stegner führte in der Aktuellen Stunde jedoch mit Begriffen wie 'Vaterlandsverrat' scharf polemisch.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Themenfokus8/10
Konfrontation7/10

Die Fraktion blieb inhaltlich präzise, etwa mit konkreten Kostenrechnungen zum Gebäudemodernisierungsgesetz und zahlreichen Zwischenfragen. Der Ton war scharf, etwa Haßelmanns Formulierung, die Leute fühlten sich 'verarscht', was von der Union als staatspolitisch verantwortungslos zurückgewiesen wurde.

AfD
Themenfokus4/10
Konfrontation9/10

Reden wichen häufig vom verhandelten Gegenstand ab: In der Debatte über Bildungschancen sprach Birgit Bessin über Migration, Kalifat und Sexualpädagogik statt über die Anträge. Persönliche Angriffe waren durchgängig, etwa Weidels Aussage über den Vizekanzler 'nichts gelernt, nie gearbeitet, nur bei der Antifa gewesen'.

Die Linke
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

Die Linke argumentierte konsequent entlang sozialer Verteilungsfragen, etwa mit konkreten Zahlen zu Rüstungsausgaben, Energiepreisen und BAföG. Die Abgrenzung war deutlich, etwa Bocks Rücktrittsforderung an Ministerin Reiche, blieb aber überwiegend sachbezogen.

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