25. Juni 2026 · 86. Sitzung · 21. Wahlperiode
Aktive Cyberabwehr und Baugesetzbuch-Novelle
Deutschland will zurückschlagen
Innenminister Dobrindt bringt das Gesetz zur aktiven Cyberabwehr ins Parlament: BKA, Bundespolizei und BSI sollen Angreifer-Server stören und zerstören dürfen. Grüne und Linke warnen vor Hackbacks.
Wohnen bekommt Vorfahrt
Bauministerin Hubertz legt das große Baugesetzbuch-Upgrade vor: Wohnungsbau wird überragendes öffentliches Interesse, Bauleitverfahren sollen künftig maximal zwei Jahre dauern statt bis zu 15.
Organspende spaltet quer
In einer Vereinbarten Debatte ohne Fraktionszwang ringen Abgeordnete um die Widerspruchsregelung. 8 000 Menschen warten auf ein Organ, 985 spendeten 2025. Karl Lauterbach: Debatte dreht sich im Kreis.
Letztes UNIFIL-Mandat
Der Bundestag verlängert die Libanon-Mission zum letzten Mal. Nach 20 Jahren endet der Einsatz Ende 2026, danach folgt ein geordneter Abzug von Soldaten und Material.
Was als Nächstes kommt
Cybersicherheitsgesetz und Baugesetzbuch gehen in die Ausschüsse. Die Einkommensteuerreform soll zum 1. Januar 2027 greifen – finanziert werden muss sie noch.
2Zahlen der Sitzung
So lief der Tag
Sitzungsdauer
14 Std. 45 Min.
Reden
152
Zwischenrufe
740
aus dem Protokoll gezählt
Abstimmungen
1
Redezeit je Fraktion
Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)
Wer ruft dazwischen?
Zwischenrufe nach verursachender Fraktion, soweit im Protokoll zugeordnet
Die Abstimmungen
Fortsetzung der deutschen Beteiligung an der UN-Mission UNIFIL im Libanon (letztmalige Verlängerung)
per Handzeichen
»Wer uns zukünftig im Cyberraum angreift, der muss wissen: Wir schlagen zurück und sind in der Lage, die Angreifer in ihrer Infrastruktur zu stören und zu zerstören.«
Dobrindt eröffnete die erste Lesung des Gesetzes zur Stärkung der Cybersicherheit und begründete den Wechsel von reiner Aufklärung zur aktiven Cyberabwehr. Der Satz wurde zum Kernpunkt der Kontroverse: Grüne und Linke sahen darin die Ankündigung von Hackbacks.
Bundestag, 25. Juni 2026 – Cyberabwehr, Bauturbo und eine Gewissensfrage
Ein langer Sitzungstag mit einem roten Faden: Der Staat will handlungsfähiger werden – im Cyberraum, auf dem Wohnungsmarkt, bei Steuern und Verwaltung. Dazwischen eine Debatte, die Fraktionsgrenzen aufhob, und mehrere Anträge der AfD, die die Debatten in Richtung Migration drehten.
Gesetzentwurf: Stärkung der Cybersicherheit
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU/CSU) kündigte den Wechsel "von der Aufklärung hin zur Abwehr" an. BSI, BKA und Bundespolizei sollen Datenverkehre umleiten, IT-Systeme abschalten und abgeflossene Daten löschen dürfen. Daniel Baldy (SPD) verglich das mit einer guten Abwehrreihe, warnte aber vor "Kompetenzwirrwarr". Marcel Emmerich (Bündnis 90/Die Grünen) fragte, wer im Ernstfall führt, wenn BKA und Bundespolizei "gleichzeitig auf demselben fremden Server landen". Donata Vogtschmidt (Die Linke) nannte das Vorhaben schlicht Hackbacks. Die AfD war gespalten: Steffen Janich forderte Vergeltungsangriffe, Robin Jünger kritisierte fehlende Richtervorbehalte.
Gesetzentwurf: Modernisierung des Städtebaurechts
Bauministerin Verena Hubertz (SPD) stellte das Baugesetzbuch-Upgrade vor: überragendes öffentliches Interesse für Wohnungsbau, bundeseinheitliche Fristen, digitale Verfahren, Instrumente gegen Schrottimmobilien. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) betonte, dass in Berlin Bebauungspläne bis zu zehn Jahre dauern. Kassem Taher Saleh (Bündnis 90/Die Grünen) hielt entgegen: 700 000 Wohnungen seien genehmigt, aber wegen Baukosten nicht gebaut. Katalin Gennburg (Die Linke) forderte einen bundesweiten Mietendeckel.
Vereinbarte Debatte: Organspende
Ohne Fraktionslinien warben Gitta Connemann (CDU/CSU), Sabine Dittmar (SPD), Armin Grau (Bündnis 90/Die Grünen) und Karl Lauterbach (SPD) für die Widerspruchsregelung. Gegen sie sprachen unter anderem Michael Brand (CDU/CSU), Helge Lindh (SPD), Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen) und Ates Gürpinar (Die Linke) – mit dem Argument, Schweigen sei keine Zustimmung.
Antrag: Einwanderung in das Sozialsystem
Gerrit Huy und René Springer (AfD) forderten strenge Zugangshürden zum Bürgergeld. Alle anderen Fraktionen lehnten ab. Kai Whittaker (CDU/CSU) hielt der AfD vor, Menschen "auf eine einfache Kostenstelle" zu reduzieren. Der Präsident erteilte Jan Feser (AfD) eine .
3Top-Themen
Worum es wirklich ging
Thema 1
Aktive Cyberabwehr: Staat soll zurückschlagen dürfen
Worum es geht
Die Bundesregierung will BSI, BKA und Bundespolizei erlauben, bei Cyberangriffen aktiv einzugreifen: Datenverkehr umleiten, Server abschalten, in fremde IT-Systeme eindringen und dort Daten löschen oder verändern. Bisher konnte der Staat vor allem beobachten, aufklären und Provider bitten, Server abzuschalten. Der Branchenverband Bitkom bezifferte die Schäden durch Cyberangriffe 2025 auf rund 200 Milliarden Euro. Umstritten ist, ob es sich um Verteidigung oder um sogenannte Hackbacks handelt und wer im Ernstfall das Kommando hat.
Was heißt das für dich?
Wenn ein Krankenhaus, die Bahn oder deine Stadtwerke gehackt werden, betrifft das direkt deinen Alltag: keine Termine, keine Züge, im Ernstfall kein Strom. Das Gesetz soll solche Angriffe früher stoppen. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn dein Router oder Rechner von Kriminellen gekapert wurde, könnte er selbst zum Ziel staatlicher Eingriffe werden. Und Sicherheitslücken, die der Staat für solche Zugriffe offen hält, können auch von Kriminellen genutzt werden.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Fraktion sieht in der aktiven Cyberabwehr eine neue Säule der Sicherheitsarchitektur. Prävention allein reiche gegen staatlich gesteuerte Angriffe nicht aus. BSI, BKA und Bundespolizei sollen rechtssichere Befugnisse zum Eingreifen erhalten.
»Das ist kein Hackback, meine Damen und Herren. Das ist eine angemessene Antwort auf hybride Bedrohungen.«– Alexander Dobrindt
Die SPD trägt das Gesetz mit, mahnt aber klare Zuständigkeiten an. Befugnisse allein schaffen keine Cybersicherheit; es fehle vor allem an Koordination zwischen den vielen beteiligten Behörden. Zudem müsse in kritische Infrastruktur investiert werden.
»Es geht hier nicht um Harakiri, es geht hier nicht um Hackbacks.«– Daniel Baldy
Die Fraktion hält mehr Cybersicherheit für nötig, kritisiert aber unklare Zuständigkeiten, fehlende Regeln zum Schwachstellenmanagement und verfassungsrechtliche Zweifel an der Bundeszuständigkeit für Gefahrenabwehr.
»Bevor neue Knöpfe verteilt werden, muss eindeutig geregelt sein, wer sie überhaupt drücken darf.«– Marcel Emmerich
Die Fraktion trat mit gegensätzlichen Positionen auf: Ein Redner forderte darüber hinausgehende Vergeltungsangriffe auf sogenannte Schurkenstaaten, zwei andere kritisierten fehlende Richtervorbehalte, fehlende Haftungsregeln und fehlende Evaluation. Zustimmen will die Fraktion in der jetzigen Form nicht.
»Aber eine reale Gefahr ist kein Freibrief für grenzenlose Befugnisse.«– Robin Jünger
Die Linke lehnt die Regelung als verdeckte Hackback-Befugnis ab und verlangt, den Gesetzentwurf davon zu befreien. Sie verweist auf ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste zu völkerrechtlichen Fragen und zur Gefahr einer Eskalationsspirale.
»Die Logik von Hackbacks ist das genaue Gegenteil von Deeskalation; denn sie ersetzt die Frage „Wie schützen wir uns?“ durch die Frage „Wie schlagen wir zurück?“.«– Donata Vogtschmidt
Thema 2
Baugesetzbuch-Novelle: Wohnungsbau soll Vorfahrt bekommen
Worum es geht
Das Baugesetzbuch regelt, wo und wie gebaut werden darf. Die Bundesregierung will Verfahren beschleunigen: Bauleitverfahren sollen künftig maximal zwei Jahre dauern, komplett digital laufen, Umweltprüfungen werden zusammengelegt, die Öffentlichkeitsbeteiligung wird gestrafft. Wohnungsbau soll in angespannten Märkten als überragendes öffentliches Interesse gelten. Kommunen erhalten neue Instrumente gegen verwahrloste Schrottimmobilien. 2025 wurden 206 600 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Wert seit 2012.
Was heißt das für dich?
Wenn du eine Wohnung suchst, entscheidet dieses Gesetz mit darüber, ob in den nächsten Jahren mehr gebaut wird. Kürzere Verfahren können Baukosten senken, weil Zeit Geld kostet. Wohnst du in einem Milieuschutzgebiet, könnten Umbauten wie ein Außenaufzug einfacher werden – gleichzeitig streiten die Fraktionen darüber, ob das Vorkaufsrecht der Kommunen gegen Spekulation stark genug bleibt. Und wenn in deinem Viertel gebaut wird, hast du künftig möglicherweise nur noch eine Runde Beteiligung statt zwei.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union will Bauvorschriften strukturell entschlacken und Verfahrenshemmnisse beseitigen, unter anderem durch eine Präklusionsregelung für späte Einwendungen. Zudem sollen selbstnutzende Eigentümer in Milieuschutzgebieten freigestellt werden.
»Nehmt den Spaten in die Hand! Werft den Bagger an! Jetzt geht’s los, es wird gebaut in unserem Land.«– Dr. Jan-Marco Luczak
Die SPD nennt das Vorhaben ein Upgrade nach dem Bauturbo: schnellere, digitale Verfahren, Vorrang für Wohnungsbau, Instrumente gegen Schrottimmobilien und Regelungen zur Klimaanpassung in Städten.
»Was vorher im Extremfall auch mal 15 Jahre dauern konnte, machen wir jetzt in zwei Jahren.«– Verena Hubertz
Die Fraktion kritisiert fehlende Sozialquoten, abgesenkte Umweltstandards und geschwächte Beteiligungsrechte. Sie fordert stärkeres Bauen im Bestand, Aufstockungen und Umnutzung statt reinem Neubau.
»In einer Vierzimmerbaugenehmigung kann niemand wohnen.«– Kassem Taher Saleh
Die Fraktion sieht kein Genehmigungs-, sondern ein Rentabilitätsproblem und nennt Baukosten, Klimaauflagen und Migration als Ursachen der Wohnungsnot. Sie fordert Abschaffung der Grunderwerbsteuer und Senkung energetischer Anforderungen.
»Es gibt über 800 000 Wohnungen, die genehmigt sind, auf die aber kein Baukran wartet.«– Marc Bernhard
Die Linke lehnt die Strategie ab, der Wohnungskrise hinterherzubauen. Sie fordert einen bundesweiten Mietendeckel, ein starkes Vorkaufsrecht mit Abwendungsvereinbarungen und verbindliche Bürgerbeteiligung.
»Regulieren Sie endlich die Mieten!«– Katalin Gennburg
Thema 3
Organspende: Widerspruchsregelung oder Zustimmung?
Worum es geht
In Deutschland darf ein Organ nach dem Tod nur entnommen werden, wenn die Person zugestimmt hat oder Angehörige den mutmaßlichen Willen bejahen. 2025 spendeten 985 Menschen Organe, über 8 000 standen auf der Warteliste. Rund 85 Prozent der Bevölkerung stehen der Organspende positiv gegenüber, aber nur etwa 45 Prozent haben ihren Willen dokumentiert. Bei einer Widerspruchsregelung würde jede Person als Spender gelten, die nicht ausdrücklich widersprochen hat. Alle Nachbarländer Deutschlands haben diese Regelung. Die Debatte wurde ohne Fraktionslinien geführt.
Was heißt das für dich?
Es geht um deinen Körper und um die Frage, ob Schweigen als Ja gilt. Bei einer Widerspruchsregelung müsstest du aktiv Nein sagen und das dokumentieren, wenn du nicht spenden willst. Umgekehrt kann eine Organspende dein Leben retten, wenn du selbst einmal eine Niere, Leber oder Lunge brauchst – die Wartezeit auf eine Niere beträgt derzeit acht bis neun Jahre. Und: Wenn du keine Entscheidung dokumentierst, müssen im Ernstfall deine Angehörigen in tiefer Trauer für dich entscheiden.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Fraktion war geteilt. Befürworter argumentierten, alle bisherigen Maßnahmen hätten nicht gereicht und ein neuer Weg sei ethisch geboten. Gegner sahen die Widerspruchsregelung als unverhältnismäßigen Eingriff in die Selbstbestimmung und forderten stattdessen bessere Aufklärung und einfachere Registrierung.
»Schweigen kann nicht als Zustimmung ausgelegt werden. Schweigen ist nie Zustimmung, nirgendwo,«– Michael Brand
Auch hier gab es beide Lager. Befürworter verwiesen auf 8 200 Menschen auf der Warteliste und die Solidarität innerhalb von Eurotransplant. Gegner betonten das Recht auf Nichtentscheidung, insbesondere für Menschen mit Sprach- oder kognitiven Barrieren.
»Die Widerspruchslösung kann die Spenderzahlen in Deutschland verdoppeln.«– Dr. Karl Lauterbach
Die Fraktion war ebenfalls gespalten. Für die Widerspruchslösung wurde mit Freiheit in Verantwortung argumentiert, dagegen mit fehlender Evidenz für höhere Spendenzahlen und der Gefahr sozialer Unwucht bei vulnerablen Gruppen.
»Nur Ja heißt Ja. Und deshalb werbe ich heute für die aktive Zustimmung zur Organspende.«– Swantje Henrike Michaelsen
Alle Rednerinnen und Redner der Fraktion lehnten die Widerspruchsregelung ab. Sie verwiesen auf die körperliche Unversehrtheit, auf Zweifel am Hirntodkriterium und darauf, dass ein Verzicht auf Widerspruch keine Zustimmung sei.
»Es gibt kein Recht auf die Organe anderer Menschen. Es gibt keine Pflicht zur Barmherzigkeit. Es gibt ein Recht auf Nichtentscheidung.«– Nicole Höchst
Zwei Rednerinnen befürworteten die Widerspruchsregelung mit Blick auf Strukturen in Kliniken und Pflege, ein Redner lehnte sie ab, weil dann vor allem Organe von Menschen genutzt würden, die zu Lebzeiten nicht erreicht wurden.
»Parlament und Regierung dürfen sich nicht der Entscheidungsbefähigung der Bevölkerung verweigern, um dann die Organe derjenigen zu benutzen, die nicht zu einer aktiven Entscheidung befähigt wurden.«– Ates Gürpinar
4Faktencheck
Behauptungen im Check
Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.
»Laut dem Microsoft Digital Defense Report für das Jahr 2025 lag Deutschland als Ziel von Cyberangriffen weltweit auf Platz vier. In der Europäischen Union ist Deutschland gar das am meisten von Cyberattacken betroffene Land.«
Erste Lesung des Gesetzentwurfs zur Stärkung der Cybersicherheit; Janich begründet den Handlungsbedarf mit der Bedrohungslage.
So haben wir geprüft
Beide Teile der Aussage lassen sich mit dem genannten Bericht selbst belegen. Microsoft bestätigt in seinem Digital Defense Report 2025, dass die USA, Großbritannien, Israel und Deutschland die führenden Ziele von Cyberangriffen waren – Deutschland liegt damit auf Platz vier. Konkret entfielen zwischen Januar und Juni 2025 24,8 Prozent aller beobachteten Angriffe auf die USA, gefolgt von Großbritannien (5,6 Prozent), Israel (3,5 Prozent) und Deutschland (3,3 Prozent). Auch der zweite Satz trifft zu: Kein EU-Land steht so sehr im Fokus krimineller Hacker wie Deutschland; 3,3 Prozent aller weltweiten Cyberangriffe richteten sich im ersten Halbjahr 2025 gegen Ziele in Deutschland. Die auf Deutschland folgenden Länder der Liste – Ukraine (2,8 Prozent), Kanada und Japan (je 2,6), Indien (2,3), die VAE (2,0) sowie Australien und Taiwan (je 1,8) – sind sämtlich keine EU-Mitglieder, die Platzierung innerhalb der EU ist also konsistent.
Zwei Präzisierungen, die die Bewertung nicht ändern, aber für die Einordnung wichtig sind: Erstens bezieht sich das Länderranking auf das erste Halbjahr 2025, nicht auf das gesamte Jahr; der Berichtszeitraum des Reports insgesamt reicht von Juli 2024 bis Juni 2025. Zweitens handelt es sich nicht um eine amtliche Gesamterhebung, sondern um Telemetriedaten eines einzelnen Konzerns: Die Daten geben wieder, wie häufig Kunden in den jeweiligen Ländern von böswilligen Aktivitäten betroffen sind. Die Zahlen bilden also Microsofts Sichtfeld ab und sind von der Verbreitung seiner Produkte im jeweiligen Land mitgeprägt – ein absoluter Angriffszähler sind sie nicht. Für die Bedrohungslage in Deutschland liefert das BSI die amtliche Referenz: Dessen Lagebericht für denselben Zeitraum beschreibt eine anhaltend angespannte Lage mit durchschnittlich 119 neuen Sicherheitslücken pro Tag – mehr als je zuvor, bei gleichzeitiger Stabilisierung im Cybercrime-Bereich durch internationale Strafverfolgung.
Quellen
- Microsoft Digital Defense Report 2025 · Microsoft CorporationPrimärquelle · abgerufen am 29.08.2026
- 2025 Microsoft Digital Defense Report (MDDR) – Security Insider · Microsoft CorporationPrimärquelle · abgerufen am 29.08.2026
- Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2025 · Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)Primärquelle · abgerufen am 29.08.2026
- Deutschland ist meistangegriffenes EU-Ziel im Cyberraum · connect professional / dpa · abgerufen am 29.08.2026
- Deutschland Ziel von 3,3 Prozent aller Cyberangriffe · ChannelPartner · abgerufen am 29.08.2026
- AI Attacks Surge as Microsoft Process 100 Trillion Signals Daily · Infosecurity Magazine · abgerufen am 29.08.2026
5Debattenkultur
Wie miteinander geredet wurde
Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).
Bei Cybersicherheit, Baurecht und UNIFIL blieben die Redner nah am Gegenstand; in der Organspende-Debatte argumentierten sie differenziert und ohne Fraktionslinie. In der Sozialstaatsdebatte und in der Aktuellen Stunde griffen Röttgen, Whittaker und Klein die AfD scharf und grundsätzlich an.
Baldy, Rottwilm und Limbacher argumentierten fachlich zu Cyberabwehr und Baugesetzbuch, Lindh lieferte in der Organspende-Debatte eine ausführliche historische Einordnung. Gegenüber der AfD wurde der Ton sehr konfrontativ, etwa bei Peick, Nasr und Heiligenstadt.
Emmerich und Dillschneider stellten konkrete Rechtsfragen zum Cybersicherheitsgesetz, Beck legte ein durchgerechnetes Steuerkonzept vor. Dzienus nutzte seine Redezeit in der Sozialstaatsdebatte überwiegend für einen scharfen Generalangriff auf die AfD samt Ruf nach einem Verbotsverfahren.
Mehrere Reden wichen deutlich vom Thema ab: Jünger sprach beim Cybersicherheitsgesetz über den Parteitag der Linken, Zimmer bei der Einkommensteuer über den Linken-Parteitag und wurde dafür vom Präsidium unterbrochen. Feser erhielt eine Rüge für die Unterstellung, Geld werde an "Berufsvergewaltiger" verteilt.
Gennburg und Achelwilm arbeiteten inhaltlich detailliert zu Baurecht und Steuern. Mehrere Reden endeten jedoch mit dem Kampagnenruf "Wir sind widersetzen" und Aufrufen zum Protest gegen den AfD-Parteitag; Köktürk wurde vom Präsidium für die Formulierung "Therapiestunde" zurechtgewiesen.
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