Bundestakt

25. März 2026 · 67. Sitzung · 21. Wahlperiode

Gewalt gegen Frauen, digitale Gewaltschutzpläne

01 / 05

Merz zur Mehrwertsteuer: nichts ausgeschlossen

In der Regierungsbefragung wollte der Kanzler eine Mehrwertsteuererhöhung nicht ausschließen. Zugleich stellte er eine Senkung des ermäßigten Satzes für Lebensmittel als Option in den Raum.

02 / 05

Aktuelle Stunde zu digitaler Gewalt

Nach dem Fall Collien Fernandes debattierte der Bundestag über Deepfake-Pornos. Justizministerin Hubig kündigte ein fertiges digitales Gewaltschutzgesetz mit neuem Straftatbestand und Account-Sperren an.

03 / 05

Streit um IP-Speicherung

Union und SPD verlangen eine Speicherpflicht für IP-Adressen zur Täterermittlung. Grüne und Linke warnen vor Überwachung und fordern stattdessen Frauenhäuser, Schulungen und ein Gesamtkonzept nach spanischem Vorbild.

04 / 05

Öl, Gas, Iran: Preise als Dauerthema

Spritpreise, Heizkosten und der Irankrieg prägten die Fragestunde. Merz bremste bei der Übergewinnsteuer: Der Begriff Übergewinn sei steuerrechtlich nicht sauber definierbar.

05 / 05

AfD-Antrag zur Einbürgerung scheitert

Die AfD wollte die Einbürgerungsfrist von fünf auf acht Jahre verlängern und stellte das als CDU-Parteitagsbeschluss dar. Der Antrag wurde namentlich abgestimmt und abgelehnt.

2Zahlen der Sitzung

So lief der Tag

Sitzungsdauer

5 Std. 42 Min.

Reden

114

Zwischenrufe

186

aus dem Protokoll gezählt

Abstimmungen

2

Redezeit je Fraktion

Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)

Union
2 Std. 14 Min.
SPD
51 Min.
Grüne
40 Min.
AfD
59 Min.
Linke
32 Min.
Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz
6 Min.
fraktionslos
2 Min.

Wer ruft dazwischen?

Zwischenrufe nach verursachender Fraktion, soweit im Protokoll zugeordnet

Union
27
SPD
7
Grüne
44
AfD
53
Linke
55

Die Abstimmungen

1 / 2

AfD-Antrag zur Verlängerung der Einbürgerungsfrist von fünf auf acht Jahre

namentliche Abstimmung

Abgelehnt
Union✕SPD✕Grüne✕AfD✓Linke✕

»Ob ein Mann eine Frau schlägt oder ob er Deepfake-Pornos von einer Frau erstellt und im Netz verbreitet – beides ist Gewalt.«

Karin PrienUnion

Prien antwortete in der Aktuellen Stunde direkt auf die AfD-Rednerin Kerstin Przygodda, die digitale Gewalt gegen reale Gewalt ausgespielt hatte. Der Satz markiert die zentrale Kontroverse der Debatte.

Bundestag, 25. März 2026 – Gewaltschutz, Energiepreise und ein Kanzler unter Fragen

Der Sitzungstag begann mit dem Gedenken an den verstorbenen Abgeordneten Carsten Träger und wurde dann zu einem Tag zweier Großthemen: der Schutz von Frauen vor digitaler und analoger Gewalt sowie die Frage, wer die steigenden Energiepreise bezahlt. Dazwischen arbeitete das Plenum rechtspolitische Vorhaben ab.

Regierungsbefragung mit Bundeskanzler Merz

Friedrich Merz (CDU/CSU) skizzierte drei Leitlinien: eigene Interessen definieren, eine starke EU und Verteidigungsfähigkeit – "ich sage bewusst 'zu werden'; denn wir sind es nicht mehr". Heidi Reichinnek (Die Linke) drängte auf eine Absage an eine Mehrwertsteuererhöhung; Merz schloss nichts aus, nannte aber auch eine Senkung des ermäßigten Satzes für Lebensmittel als Option. Sebastian Roloff (SPD) und Janine Wissler (Die Linke) fragten nach Übergewinnsteuer und Pendlerpauschale; der Kanzler blieb skeptisch. Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) kritisierte die fossile Abhängigkeit, Dr. Paul Schmidt (AfD) forderte eine Rückkehr zur Kernkraft – technisch nicht mehr möglich, so Merz.

Aktuelle Stunde: Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Dr. Stefanie Hubig (SPD) stellte ein fertiges digitales Gewaltschutzgesetz vor: neuer Straftatbestand für bildbasierte sexualisierte Gewalt, Auskunftsansprüche, Account-Sperren. Karin Prien (CDU/CSU) verwies auf eine Dunkelfeldstudie, wonach 19 von 20 Taten nicht angezeigt werden. Katharina Dröge und Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) verlangten ein Gesamtkonzept, Kathrin Gebel (Die Linke) das spanische Modell – sie erhielt einen . Die AfD (Przygodda, Bollmann, Bessin) bestritt eine Strafbarkeitslücke und lenkte auf Migration.

Gesetzentwürfe: Berufsrecht und Onlineverfahren

Staatssekretärin Anette Kramme warb für einheitliche berufsgerichtliche Verfahren, das digitale Führungszeugnis und eine Fristverlängerung für Entschädigungen benachteiligter homosexueller Soldatinnen und Soldaten. Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Aaron Valent (Die Linke) forderten ein Ende des Konzerninkassos. Beide Entwürfe gingen in die Ausschüsse.

AfD-Antrag zur Einbürgerungsfrist

Dr. Gottfried Curio (AfD) wollte die Frist von fünf auf acht Jahre verlängern. David Gregosz, Siegfried Walch (CDU/CSU), Hakan Demir (SPD), Filiz Polat (Grüne) und Ferat Koçak (Die Linke) lehnten ab. Ebenfalls abgelehnt: der Linken-Antrag zum Unterhaltsvorschuss.

3Top-Themen

Worum es wirklich ging

Thema 1

Digitale Gewalt gegen Frauen: neues Gesetz, alter Streit um IP-Speicherung

Worum es geht

Auslöser der Aktuellen Stunde war der öffentlich gemachte Fall der Schauspielerin Collien Fernandes, von der über Jahre gefälschte Pornovideos im Netz kursierten. Mit KI-Werkzeugen lassen sich heute in Sekunden sogenannte Deepfakes erstellen – Bilder oder Videos, in denen echte Gesichter auf pornografische Darstellungen montiert werden. Justizministerin Hubig legte einen fertigen Entwurf für ein digitales Gewaltschutzgesetz vor: ein neuer Straftatbestand für bildbasierte sexualisierte Gewalt, leichterer Zugang zu Daten über Account-Inhaber, durchsetzbare Schadensersatzansprüche und gerichtliche Account-Sperren. Umstritten blieb, ob Anbieter künftig IP-Adressen speichern müssen, um Täter überhaupt identifizieren zu können.

Was heißt das für dich?

Wenn du Fotos von dir im Netz hast, können sie theoretisch von jedem in pornografische Fälschungen umgewandelt werden – bisher war die Rechtslage dazu lückenhaft. Künftig soll schon das Erstellen und Verbreiten solcher Inhalte strafbar sein, auch heimliche voyeuristische Aufnahmen und digitales Tracking per App oder GPS-Tracker. Du sollst leichter erfahren können, wer hinter einem Account steckt, und Sperren gerichtlich erzwingen können. Gleichzeitig entscheidet die Debatte darüber, wie lange deine eigene IP-Adresse bei deinem Provider gespeichert wird. Und wer bei digitaler Gewalt Hilfe sucht, ist auf Beratungsstellen angewiesen, deren Finanzierung derzeit unsicher ist.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union betont, digitale und analoge Gewalt seien gleichermaßen Gewalt, und verweist auf frühere eigene Vorstöße wie den bayerischen Gesetzentwurf zu einem Paragrafen 201b StGB. Sie macht die Speicherpflicht für IP-Adressen zur Bedingung wirksamer Strafverfolgung und drängt zugleich auf eine Verlängerung der CSA-Verordnung auf EU-Ebene.

»Ohne eine gesetzliche Verpflichtung zur Speicherung von IP-Adressen wird es uns nicht gelingen, hier zu einer wirksamen Strafverfolgung zu kommen.«– Karin Prien
SPD

Die SPD sieht ein strukturelles Gewaltproblem und will es straf- wie zivilrechtlich angehen: neuer Straftatbestand, Auskunftsansprüche, Account-Sperren, Fußfessel nach spanischem Vorbild, psychosoziale Prozessbegleitung. Sie unterstützt ausdrücklich die Speicherung von IP-Adressen zur Strafverfolgung und bekennt sich zur Opferhilfeorganisation HateAid.

»Digitale Gewalt darf kein Geschäftsmodell sein, und deshalb müssen wir natürlich auch die Plattformbetreiber mit in die Verantwortung nehmen.«– Stefanie Hubig
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen fordern bessere Gesetze und kündigten einen eigenen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt an, wollen aber vor allem einen Kulturwandel und ein Gesamtkonzept mit Prävention, Täterarbeit und finanzierten Beratungsangeboten. Kürzungen bei Opferhilfen wie HateAid lehnen sie ab; der IP-Speicherpflicht stehen sie kritisch gegenüber und verweisen auf das Quick-Freeze-Verfahren.

»Sexualisierte Gewalt gegen Frauen hat System.«– Katharina Dröge
AfD

Die AfD bestreitet eine Strafbarkeitslücke und verweist auf Paragraf 33 Kunsturhebergesetz und den Verleumdungsparagrafen. Sie wertet die Debatte als Vorwand für Klarnamenpflicht und Überwachung und stellt migrationsbedingte reale Gewalttaten in den Mittelpunkt.

»Wir halten also fest: Es gibt hier nichts zu tun gegen eine angebliche Strafbarkeitslücke, und der skandalisierte Vorgang ist derzeit nicht nachweisbar.«– Gereon Bollmann
Die Linke

Die Linke hält das Schließen von Gesetzeslücken bei Deepfakes für richtig, kritisiert aber Einzelmaßnahmen ohne Konzept: Ohne ausreichende Frauenhäuser, geschulte Polizei und Gerichte sowie Wohnungen und Jobs für Betroffene bleibe Strafrecht wirkungslos. Die Nutzung des Themas für eine IP-Speicherung lehnt sie als Überwachungsausbau ab und verweist auf ihren abgelehnten Antrag zum spanischen Modell.

»Verschärfungen im Strafrecht allein retten niemanden, wenn Frauenhäuser weiterhin überfüllt sind, wenn Gerichte Gewalt nicht erkennen, wenn die Polizei im Umgang mit Gewalt nicht geschult ist«– Kathrin Gebel

Thema 2

Energiepreise, Übergewinnsteuer und der Irankrieg

Worum es geht

Seit fast vier Wochen läuft laut Protokoll ein Krieg im Iran, der die Öl- und Gaspreise nach oben treibt. Für diese Woche kündigte der Kanzler ein erstes Maßnahmenpaket zu Preisfestsetzungsmechanismen und kartellrechtlicher Überprüfung an, das in zweiter und dritter Lesung beschlossen werden sollte. Diskutiert wurden zusätzlich eine höhere Pendlerpauschale, eine Spritpreisbremse und eine Übergewinnsteuer, die der Bundesfinanzminister prüfen lässt. Merz bremste: Ein Übergewinn sei steuerrechtlich kaum rechtssicher definierbar. Die Linke bezifferte die zusätzlichen Gewinne der Mineralölkonzerne auf 21 Millionen Euro pro Tag.

Was heißt das für dich?

An der Zapfsäule und bei der Heizkostenabrechnung landet der Krieg direkt in deinem Geldbeutel – ein Diesel-Preis von 2,25 Euro wurde in der Debatte genannt. Das beschlossene Paket wirkt nach Aussage des Kanzlers nicht kurzfristig senkend, sondern bremst allenfalls den Anstieg. Eine höhere Pendlerpauschale würde dir erst mit der nächsten Steuererklärung helfen. Ob Konzerngewinne abgeschöpft und die Einnahmen an Verbraucher weitergegeben werden, ist offen. Und auch eine Mehrwertsteuererhöhung steht als Möglichkeit im Raum, was Alltagseinkäufe teurer machen würde.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Der Kanzler setzt vorrangig auf ein Ende des Krieges als Preisbremse sowie auf Preisaufsicht und Kartellrecht. Steuerliche Entlastungen hält er für denkbar, eine Übergewinnsteuer aber für rechtlich kaum umsetzbar. Ziel sei die Entlastung von Arbeitnehmerhaushalten und Betrieben bei Steuern und Sozialabgaben.

»Das beste Mittel, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen, ist eine Beendigung des Krieges im Iran«– Friedrich Merz
SPD

Die SPD verweist auf die Unsicherheit der Menschen bei Öl- und Gaspreisen und stellt die Vorschläge des Bundesfinanzministers – höhere Pendlerpauschale und Übergewinnsteuer – zur Debatte. Sie fragt zudem nach kurzfristig wirksamen Maßnahmen wie einer Spritpreisbremse und nach diplomatischen Schritten zur Beendigung des Krieges.

»Aber klar ist auch, dass das keine kurzfristige Entlastung beim Spritpreis mit sich bringen wird, sondern eher die Entwicklung hemmt.«– Sebastian Roloff
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen sehen die Ursache in der fortbestehenden Abhängigkeit von Öl und Gas und kritisieren das neue Heizungsgesetz sowie den Wegfall der Vergütung für kleine Solaranlagen. Sie verlangen strukturelle Maßnahmen, damit künftige Generationen nicht erneut in der Kostenfalle landen.

»Was wollen Sie jetzt gegen diesen Kreislauf fossiler Abhängigkeit unternehmen?«– Lisa Badum
AfD

Die AfD wirft der Regierung Zweckentfremdung der Sondervermögen für Infrastruktur und Bundeswehr vor und wertet dies als Verfassungsbruch. Zugleich fordert sie eine Rückkehr zur Kernkraft und verweist auf Angebote von Firmen, abgeschaltete Kraftwerke binnen drei Jahren wieder in Betrieb zu nehmen.

»Warum stoppen Sie diese Vernichtung unseres Volksvermögens nicht einfach hier und jetzt, indem Sie den Betreibern die Rückkehr zur Kernkraft in Aussicht stellen?«– Paul Schmidt
Die Linke

Die Linke fordert, die Krisengewinne der Mineralölkonzerne per Übergewinnsteuer abzuschöpfen und die Menschen daraus gezielt zu entlasten. Sie verweist auf andere europäische Länder, in denen das gelungen sei, und kritisiert, dass die Regierung bisher nichts kurzfristig Wirksames vorlege.

»Es handelt sich um zusätzliche Gewinne in Höhe von 21 Millionen Euro – pro Tag! –, und das auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher«– Janine Wissler

Thema 3

Einbürgerung: Streit um die Fünf-Jahres-Frist

Worum es geht

Die AfD beantragte, die Einbürgerungsfrist von fünf auf acht Jahre zu verlängern, und berief sich dabei ausdrücklich auf einen Beschluss des CDU-Bundesparteitags. Über den Antrag wurde namentlich abgestimmt; er wurde abgelehnt. Die Koalition hatte zuvor die sogenannte Turboeinbürgerung nach drei Jahren gestrichen und eine zehnjährige Sperrfrist bei Betrug eingeführt. Nach den in der Debatte genannten Zahlen wurden 2024 rund 300 000 Menschen eingebürgert, mehr als jede vierte Einbürgerung betraf syrische Staatsangehörige.

Was heißt das für dich?

Wenn du einen Einbürgerungsantrag planst oder Menschen im Umfeld hast, die das tun, bleibt es bei fünf Jahren Aufenthalt als Regelfrist – die Verkürzung auf drei Jahre ist dagegen gestrichen. Wer beim Antrag täuscht, bekommt eine zehnjährige Sperrfrist. Für den Arbeitsmarkt heißt das laut Debatte: Fachkräfte, die eingebürgert werden, bleiben häufiger im Land, was etwa für Krankenhäuser und Pflege relevant ist. Außerdem angekündigt: schnellere Anerkennung medizinischer Qualifikationen aus dem Ausland und eine Work-and-Stay-Agentur.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union verteidigt den Koalitionskompromiss: Die Staatsbürgerschaft stehe am Ende eines Integrationsprozesses und werde nicht verschenkt. Sie verweist auf abgeschaffte Turboeinbürgerung, Grenzkontrollen, ausgesetzten Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte und die zehnjährige Sperrfrist bei Betrug, hält aber am Zugang für Integrierte fest.

»Warum sollten wir Personen, die diese Kriterien erfüllen, den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft nach fünf Jahren verwehren?«– David Gregosz
SPD

Die SPD bezeichnet Deutschland als Einwanderungsland und verteidigt die Fünf-Jahres-Frist als breit getragenen Kompromiss. Sie fordert ein Bleiberecht für Arbeitende und Auszubildende, Integrationskurse auch für Ukrainerinnen und Ukrainer sowie schnellere Anerkennung ausländischer Qualifikationen.

»Wer eingebürgert werden möchte, muss Demokratin, muss Demokrat sein.«– Hakan Demir
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen verteidigen die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts aus der Ampelzeit samt kürzeren Fristen und Mehrstaatigkeit als Beitrag zur Demokratie. Sie verweisen auf die hohe Erwerbsbeteiligung syrischer Staatsangehöriger in systemrelevanten Berufen und wenden sich gegen Abschiebedebatten.

»Herzlich willkommen, liebe Syrerinnen und Syrer, wenn Sie sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden!«– Filiz Polat
AfD

Die AfD will die Einbürgerungsfrist auf acht Jahre zurückdrehen und langfristig zum früheren Staatsangehörigkeitsrecht ohne regelhafte Doppelstaatlichkeit zurück. Ihren Antrag formulierte sie bewusst als Wortlaut eines CDU-Parteitagsbeschlusses, um die Union in der namentlichen Abstimmung vorzuführen.

»Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung stellen wir lediglich die exakte Forderung des CDU-Bundesparteitagsbeschlusses zum Rückgang der Einbürgerungsfrist von fünf auf wieder acht Jahre.«– Gottfried Curio
Die Linke

Die Linke rückt das Mitbestimmungsrecht in den Mittelpunkt und erzählt die Geschichte der eigenen Großmutter, der die Einbürgerung verwehrt blieb. Sie sieht den Antrag als Ablenkung von Verteilungsfragen wie Mieten, Preisen und Schulen.

»Egal ob wir Müller, Ali oder Ivanov heißen, wir sind die, die früh aufstehen.«– Ferat Koçak

4Faktencheck

Behauptungen im Check

Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.

1 / 10
Friedrich MerzUnion
Irreführend
»Und in einer dieser Fußnoten kommt zum Ausdruck, dass 95 Prozent der Mittel, die wir bereitstellen, für Investitionen zur Verfügung gestellt werden. Und wir halten auch die uns selbstgesetzte Investitionsquote von 10 Prozent aus dem laufenden Haushalt ein.«

Antwort des Kanzlers auf den AfD-Vorwurf, das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität werde zweckentfremdet.

So haben wir geprüft

Der zweite Teil der Aussage ist belegt, der erste Teil dreht die zentrale Zahl der zitierten Studien in ihrer Bedeutung um. Die 95-Prozent-Marke stammt aus einer Berechnung des ifo-Instituts vom 17. März 2026 – und sie besagt das Gegenteil: Laut ifo nahm der Bund 2025 rund 24,3 Milliarden Euro zusätzliche Schulden auf, während die Investitionen nur um etwa 1,3 Milliarden Euro stiegen; daraus leitet das Institut eine Zweckentfremdung von 95 Prozent ab. Auch das IW Köln kommt zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil der Mittel nicht zusätzlich eingesetzt wird. Eine Fußnote in diesen Studien, die belegt, dass 95 Prozent der Mittel „für Investitionen zur Verfügung gestellt werden", ist in den öffentlich zugänglichen Fassungen nicht auffindbar – dieser Teil der Aussage ist damit nicht belegbar. Zutreffend ist dagegen der zweite Teil: Nach § 4 Absatz 3 des SVIK-Gesetzes dürfen Mittel aus dem Sondervermögen nur fließen, wenn im Kernhaushalt eine bereinigte Investitionsquote von mindestens 10 Prozent veranschlagt ist, und das Bundesfinanzministerium weist diese Quote für den gesamten Finanzplanungszeitraum als eingehalten aus – auch Kritiker wie das IW bestätigen, dass die Vorgabe formal erfüllt wird. Einschränkend gilt: Die Quote bezieht sich auf Planzahlen, nicht auf Ist-Zahlen, und sie lag bereits vor dem Sondervermögen über 10 Prozent – die Investitionen im Kernhaushalt könnten also sinken, ohne dass die Regel verletzt wird. Bemerkenswert ist, dass das Bundesfinanzministerium erst im Monatsbericht April 2026, also nach der Sitzung, eine eigene 95-Prozent-Zahl vorlegte: Gemessen an der hypothetischen Investitionsplanung der Vorgängerregierung seien rund 95 Prozent der für 2025 bis 2028 geplanten SVIK-Mittel zusätzlich. Diese Zahl beruht aber auf einer anderen Methode als die der Institute und stützt die Zuschreibung an eine „Fußnote" der Studien nicht.

Was offenbleibt: Nicht überprüfbar ist, auf welche Fußnote welcher Studie sich die Aussage konkret bezieht. Sollte damit gemeint sein, dass die SVIK-Mittel haushaltstechnisch als Investitionsausgaben veranschlagt sind, wäre das zwar richtig, aber kein Gegenargument zum Vorwurf der fehlenden Zusätzlichkeit – denn genau darauf, nicht auf die Buchungsart, beziehen sich die 95 Prozent der Institute.

Quellen

5Debattenkultur

Wie miteinander geredet wurde

Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).

CDU/CSU
Themenfokus8/10
Konfrontation5/10

In der Aktuellen Stunde blieben Prien, Klöckner, Hierl, König und Kemmer eng am Gewaltschutz und grenzten sich sachlich von AfD und Grünen ab. Merz weitete in der Befragung die Frage nach Gewalt gegen Frauen allerdings auf Zuwanderung aus, was die Debatte verschob.

SPD
Themenfokus9/10
Konfrontation3/10

Hubig, Eichwede und Wegge blieben konsequent beim Gewaltschutzgesetz und benannten konkrete Vorhaben von K.-o.-Tropfen bis Sorgerecht. Schauws' Einladung zur fraktionsübergreifenden Zusammenarbeit wurde aufgenommen, Angriffe blieben die Ausnahme.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

Dröge und Schauws argumentierten dicht am Thema und legten einen eigenen Gesetzentwurf vor. Wageners Bemerkung an den Kanzler, er schäme sich als Mann für dessen fehlende Empathie, war ein scharfer persönlicher Vorwurf, den Merz als ehrenrührig zurückwies.

AfD
Themenfokus4/10
Konfrontation9/10

In der Aktuellen Stunde verschoben Przygodda, Bollmann und Bessin das Thema überwiegend auf Migration und Klarnamenpflicht; der Vorwurf "An Ihren Händen klebt Blut" war eine direkte Diffamierung anderer Abgeordneter. Curios Rede zur Einbürgerung bestand weitgehend aus Angriffen auf die Glaubwürdigkeit der Union.

Die Linke
Themenfokus7/10
Konfrontation7/10

Gebel forderte substanziell ein Gesamtkonzept nach spanischem Vorbild, verband dies aber mit der Formulierung, der Kanzler gebe rassistischen Dreck von sich, und erhielt einen Ordnungsruf. Koçak nutzte seine Redezeit zur Einbürgerung teils für eine Einladung zur eigenen Kiezversammlung.

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