Bundestakt

4. März 2026 · 61. Sitzung · 21. Wahlperiode

Regierungsbefragung, Iran-Krieg und Demokratieförderung

01 / 05

Krieg gegen Iran spaltet den Bundestag

Nach den US-israelischen Angriffen auf Iran streitet das Parlament über das Völkerrecht. Pistorius stellt klar: Die Bundeswehr beteiligt sich nicht. Ein Plan für die Zeit danach fehlt.

02 / 05

Prien verteidigt neue Förderregeln

Kommunalparlamente sollen künftig über Projekte von "Demokratie leben!" mitentscheiden. Linke und Grüne warnen: Wo AfD und CDU Mehrheiten haben, drohen Demokratieprojekte zu sterben.

03 / 05

Heizen, Tanken, Klimaziele

Umweltminister Schneider kündigt ein neues Klimaschutzprogramm für Ende März an. Grüne und Linke werfen der Koalition ein "Teuer-Heizen-Gesetz" vor, das Mieterinnen und Mieter belastet.

04 / 05

Haftung für Software und KI

Erstmals seit über 35 Jahren wird das Produkthaftungsrecht modernisiert: Software und KI gelten künftig als Produkt, Plattformen können mithaften, die Haftungsobergrenze fällt.

05 / 05

Streit um den Bundesrechnungshof

Die AfD will Karenzzeiten für Ex-Regierungsmitglieder an der Spitze des Rechnungshofs. Alle anderen Fraktionen sehen darin einen Angriff auf die Institution, kritisieren aber die Stellenkürzungen.

2Zahlen der Sitzung

So lief der Tag

Sitzungsdauer

5 Std. 41 Min.

Reden

170

Zwischenrufe

242

aus dem Protokoll gezählt

Abstimmungen

1

Redezeit je Fraktion

Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)

1 Punkt = 1 Minute Redezeit

  • Union2 Std. 5 Min.34,2 %
  • SPD1 Std. 13 Min.20,0 %
  • Grüne44 Min.12,1 %
  • AfD1 Std. 0 Min.16,4 %
  • Linke34 Min.9,3 %
  • Sonstige29 Min.7,9 %

Wer ruft wem dazwischen?

Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.

Größter Strom: Grüne → AfD (31 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von AfD (82) und Union (67).

RUFT DAZWISCHENAM REDNERPULTUnion16SPD33Grüne53AfD86Linke54Union67SPD44Grüne20AfD82Linke29
  • Union ruft bei Reden von Union: 3
  • Union ruft bei Reden von SPD: 2
  • Union ruft bei Reden von Grüne: 4
  • Union ruft bei Reden von AfD: 6
  • Union ruft bei Reden von Linke: 1
  • SPD ruft bei Reden von Union: 4
  • SPD ruft bei Reden von SPD: 6
  • SPD ruft bei Reden von Grüne: 1
  • SPD ruft bei Reden von AfD: 18
  • SPD ruft bei Reden von Linke: 4
  • Grüne ruft bei Reden von Union: 11
  • Grüne ruft bei Reden von SPD: 9
  • Grüne ruft bei Reden von Grüne: 2
  • Grüne ruft bei Reden von AfD: 31
  • AfD ruft bei Reden von Union: 24
  • AfD ruft bei Reden von SPD: 24
  • AfD ruft bei Reden von Grüne: 13
  • AfD ruft bei Reden von AfD: 2
  • AfD ruft bei Reden von Linke: 23
  • Linke ruft bei Reden von Union: 25
  • Linke ruft bei Reden von SPD: 3
  • Linke ruft bei Reden von AfD: 25
  • Linke ruft bei Reden von Linke: 1

Die Abstimmungen

Überweisung des AfD-Gesetzentwurfs zur Unabhängigkeit des Bundesrechnungshofs an die Ausschüsse

per Handzeichen · Drucksache 21/4454

Überwiesen

»Deutschland ist nicht Kriegspartei. Die deutsche Bundeswehr wird sich an diesem Krieg nicht beteiligen, meine Damen und Herren.«

Boris PistoriusBundesminister der Verteidigung

In der Debatte über die Angriffe der USA und Israels auf den Iran zog der Verteidigungsminister eine klare Linie für die deutsche Rolle – während andere Fraktionen über die völkerrechtliche Bewertung stritten.

Bundestag, 4. März 2026 – Krieg, Klimapolitik und der Streit um die Demokratieförderung

Ein Sitzungstag zwischen Weltpolitik und Detailarbeit: Am Vormittag standen Bildungsministerin Karin Prien und Umweltminister Carsten Schneider Rede und Antwort, am Nachmittag debattierte das Parlament über die Angriffe der USA und Israels auf den Iran, am Abend über Produkthaftung, den Bundesrechnungshof und die Zukunft des Programms "Demokratie leben!". Der rote Faden: Wie belastbar sind Regeln – völkerrechtliche, haftungsrechtliche, demokratische – wenn der Druck steigt?

Regierungsbefragung: Bildung, Klima, Atomkraft

Prien warb für Digitalpakt 2.0, Startchancen-Programm und eine Reform der Gesellschaftsdienste, für die im Sommer ein kommen soll. Schneider kündigte für Ende März ein neues Klimaschutzprogramm an, nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Programm der Vorgängerregierung für unzureichend erklärt hatte. Die AfD forderte eine Rückkehr zur Kernkraft; Schneider antwortete, die Frage sei "eindeutig mit Nein zu beantworten". Grüne und Linke attackierten die geplanten Änderungen am Gebäudeenergiegesetz als "Teuer-Heizen-Gesetz".

Vereinbarte Debatte: Angriffe auf den Iran

Norbert Röttgen (CDU/CSU) sprach von einer "Abwägung von Übeln". Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte klar: "Deutschland ist nicht Kriegspartei." Omid Nouripour (Grüne) schilderte die Hinrichtung seines Onkels und forderte ein Betätigungsverbot für die Revolutionsgarden. Ines Schwerdtner (Die Linke) und Adis Ahmetovic (SPD) nannten den Angriff völkerrechtswidrig, die AfD forderte Grenzschließungen und ein Ende der CO2-Bepreisung. Eine Abstimmung gab es nicht.

Gesetzentwurf: Produkthaftung im digitalen Zeitalter

Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) stellte die erste Modernisierung des Produkthaftungsgesetzes seit über 35 Jahren vor: Software und KI gelten künftig als Produkt, Plattformen und können haften, Geschädigte erhalten Beweiserleichterungen und einen Offenlegungsanspruch.

Gesetzentwurf und Antrag: Rechnungshof und "Demokratie leben!"

Die AfD forderte Karenzzeiten für Ex-Regierungsmitglieder an der Spitze des Bundesrechnungshofs – alle anderen Fraktionen sahen darin einen Angriff auf die Institution, kritisierten aber teils die pauschalen Stellenkürzungen. Der Antrag der Linken zur Demokratieförderung stieß bei Union und AfD auf scharfe Ablehnung, bei SPD und Grünen auf teilweise Zustimmung.

3Top-Themen

Worum es wirklich ging

Thema 1

Angriffe auf den Iran und die deutsche Rolle

Worum es geht

Am vorangegangenen Samstag haben die USA und Israel Großangriffe auf iranische Raketenstellungen, Nuklearanlagen und Führungsfiguren gestartet. Der Revolutionsführer Ali Khamenei kam dabei ums Leben. Der Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf mehrere Nachbarstaaten und blockierte laut Bundesregierung die Straße von Hormus. Der Bundestag debattierte die Lage in einer Vereinbarten Debatte, ohne darüber abzustimmen. Zentrale Streitfrage: Wie ist der Angriff völkerrechtlich zu bewerten, und welche Rolle soll Deutschland spielen?

Was heißt das für dich?

Die Folgen spürst du zuerst an der Zapfsäule: Mehrere Redner nannten Benzinpreise von bis zu 2,50 Euro je Liter Diesel als Folge der Ölpreisentwicklung. Auch Heizkosten und Transportkosten steigen laut Staatsministerin Güler, weil Lieferketten gestört sind. Wenn du gerade in der Region unterwegs bist, betrifft dich die Rückholaktion der Bundesregierung direkt – ein erster Sonderflug brachte über 200 Menschen zurück. Längerfristig geht es darum, ob internationale Regeln noch gelten, auf die sich auch Deutschland stützt.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union sieht die Schwächung des iranischen Regimes als Gewinn für die Menschen in Iran und für die Sicherheit der Region. Sie betont, es gebe kein einfaches Richtig oder Falsch, sondern eine Abwägung von Übeln. Nach dem Krieg sieht sie eine deutsche und europäische Verantwortung für eine neue Sicherheitsarchitektur.

»Es geht hier um eine Abwägung von Übeln.«– Norbert Röttgen
SPD

Die SPD bewertet den Angriff als nach überwiegender Expertenmeinung völkerrechtswidrig und lehnt jede deutsche Beteiligung ab. Zugleich verurteilt sie die iranischen Gegenschläge auf zivile Ziele als Kriegsverbrechen. Sie fordert eine humanitäre Waffenruhe und die Rückkehr zur Diplomatie.

»Eine deutsche Beteiligung an dem Angriffskrieg darf es nicht geben.«– Adis Ahmetovic
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen verurteilen das iranische Regime scharf und fordern ein Betätigungsverbot für die Revolutionsgarden sowie das Einfrieren von Regimevermögen in Deutschland. Zugleich kritisieren sie die Strategielosigkeit des US-Vorgehens und das Verhalten der Bundesregierung gegenüber dem Völkerrecht.

»Herr Innenminister, bitte verhängen Sie endlich ein Betätigungsverbot gegen die Revolutionsgarden.«– Omid Nouripour
AfD

Die AfD lehnt Regimewechsel durch externe Militärinterventionen ab und sieht Deutschland als Zuschauer ohne Einfluss. Sie fordert Grenzschließungen gegen eine mögliche Migrationswelle, ein Vorgehen gegen mutmaßliche Schläfer des Regimes und eine Abkehr von der bisherigen Energiepolitik.

Die Linke

Die Linke nennt den Angriff klar völkerrechtswidrig und warnt vor einem Flächenbrand. Sie verweist auf historische Erfahrungen mit Regimewechseln von außen und fordert, die demokratische Opposition im Iran zu stärken. Innenpolitisch verlangt sie eine Übergewinnsteuer und einen Energiepreisdeckel.

»Regimewechsel von außen bringen keine Freiheit; sie bringen einen Flächenbrand.«– Ines Schwerdtner

Thema 2

Demokratieförderung und das Programm "Demokratie leben!"

Worum es geht

Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" fördert Projekte gegen Extremismus, Rassismus und Antisemitismus. Ministerin Prien hat die Förderpraxis geändert: Bei den sogenannten Partnerschaften für Demokratie ist künftig grundsätzlich die Zustimmung kommunaler Parlamente erforderlich. Ab 2027 soll zudem eine überarbeitete Förderrichtlinie gelten. In der Regierungsbefragung und in der Abenddebatte über einen Antrag der Linken wurde darüber gestritten, ob diese Änderungen die Legitimation stärken oder Demokratieprojekte gefährden.

Was heißt das für dich?

Wenn in deiner Kommune ein Jugendforum, eine Beratungsstelle gegen Rassismus oder ein Schulprojekt aus diesem Programm finanziert wird, hängt dessen Fortbestand künftig stärker von den Mehrheiten im Gemeinderat ab. Abgeordnete nannten konkrete Fälle aus Salzwedel, Bitterfeld-Wolfen, Bautzen und Kahla, in denen Projekte bereits beendet oder blockiert wurden. Für Beschäftigte in diesen Projekten bedeutet das Unsicherheit über Stellen und Finanzierung. Für dich als Nutzerin oder Nutzer solcher Angebote kann das heißen: Die Anlaufstelle vor Ort verschwindet.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union verteidigt die Beteiligung kommunaler Parlamente als Gewinn an demokratischer Legitimation und Pluralität. Sie lehnt ein Demokratiefördergesetz ab, weil es Träger dauerhaft subventionieren würde, und hält an einer Extremismusklausel fest. Flexibilität bei Schwerpunkten sei wichtiger als gesetzliche Verstetigung.

»Keinen Millimeter den Extremisten, egal woher sie kommen!«– Konrad Körner
SPD

Die SPD befürwortet ein Demokratiefördergesetz, verweist aber darauf, dass dies mit dem Koalitionspartner nicht durchsetzbar war. Sie kritisiert die Rhetorik der Union gegenüber Projektträgern und mahnt einen intensiveren Dialog mit der Zivilgesellschaft bei der neuen Förderrichtlinie an.

»Demokratieförderung ist wie Zähneputzen. Wenn du langfristig damit aufhörst, wird es halt braun.«– Maja Wallstein
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen beklagen ein Klima des Misstrauens gegenüber Projektträgern und werfen der Bundesregierung Intransparenz bei parlamentarischen Anfragen vor. Sie fordern verlässliche Strukturen und Orte für demokratische Beteiligung.

»Wer diese Räume kaputtspart, hilft ihnen dabei.«– Misbah Khan
AfD

Die AfD bezweifelt die demokratische Legitimation des Programms und kritisiert eine aus ihrer Sicht einseitige Ausrichtung gegen Rechtsextremismus. Sie fordert, das gesamte Extremismusspektrum zu adressieren, und wirft dem Programm Missbrauch von Steuergeldern vor.

»Nicht überall, wo Demokratie draufsteht, ist auch Demokratie drin.«– Sebastian Maack
Die Linke

Die Linke sieht in den neuen Vorgaben eine Gefährdung der Demokratiearbeit, besonders in Ostdeutschland, wo rechte Mehrheiten Projekte blockieren könnten. Sie fordert ein Demokratiefördergesetz, Planungssicherheit für Träger und die Rücknahme der Extremismusklausel.

»Wo die extreme Rechte Mehrheiten hat, kann sie jetzt Demokratiearbeit verhindern.«– Mandy Eißing

Thema 3

Produkthaftung für Software und künstliche Intelligenz

Worum es geht

Das Produkthaftungsgesetz stammt im Kern aus dem Jahr 1990 und erfasst bislang vor allem körperliche Gegenstände. Mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung wird eine EU-Richtlinie umgesetzt: Software und KI-Systeme gelten künftig als Produkt. Der Kreis der Haftenden wird erweitert, etwa auf Importeure, Onlineplattformen und sogenannte Fulfillment-Dienstleister. Zudem gibt es Beweiserleichterungen und einen Offenlegungsanspruch für Geschädigte, und die bisherige Haftungsobergrenze entfällt.

Was heißt das für dich?

Wenn dein Saugroboter die Wohnung in Brand setzt oder beheizbare Einlegesohlen explodieren, stehst du künftig nicht mehr automatisch allein da – auch wenn der Hersteller in China sitzt. Du kannst dich dann unter Umständen an Importeure oder Plattformen wie Amazon halten. Du musst auch nicht mehr allein beweisen, was in einer komplexen Software schiefgelaufen ist; Gerichte können Hersteller zur Offenlegung verpflichten. Für kleine Unternehmen und Start-ups bedeutet die Ausweitung aber zusätzliche Haftungsrisiken.

Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
CDU/CSU

Die Union unterstützt die Modernisierung, will aber bei der Offenlegung von Beweismitteln den Schutz von Geschäftsgeheimnissen sicherstellen. Sie lehnt jede Regelung ab, die über die EU-Vorgaben hinausgeht.

»Wir verzichten bewusst auf jedes Gold-Plating.«– Konrad Körner
SPD

Die SPD stellt den Entwurf als konsequenten Verbraucherschutz dar, der Unternehmen nicht mit unkalkulierbaren Risiken überfordert. Sie betont den Wegfall der Haftungsobergrenze und die Einbeziehung von Updates und Sicherheitsaktualisierungen.

»Fortschritt darf kein Risiko für Menschen sein.«– Nadine Heselhaus
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Grünen begrüßen den Entwurf, sehen aber eine Lücke bei Direktlieferungen aus Drittstaaten: An den vorgeschriebenen Beauftragten im EU-Inland gebe es keine Anforderungen, er könne eine Briefkastenfirma sein. Sie fordern Nachbesserungen bei Beweiserleichterungen.

»Wir müssen dafür sorgen, dass jemand in solchen Fällen haftbar ist.«– Till Steffen
AfD

Die AfD kritisiert den Entwurf als bloße Umsetzung von EU-Vorgaben ohne eigenen Gestaltungswillen und warnt vor Innovationshemmnissen für Mittelstand und Start-ups. Zudem verlangt sie eine Debatte über die Sonderhaftungsregeln bei Corona-Impfstoffen.

»Die Beweislast bleibt faktisch beim Geschädigten.«– Ulrich von Zons
Die Linke

Die Linke bewertet die Reform als Fortschritt, kritisiert aber, dass die EU-Kommission die geplante KI-Haftungsrichtlinie gestrichen hat. Schäden durch halluzinierte oder diskriminierende KI-Inhalte blieben ungeregelt.

4Faktencheck

Behauptungen im Check

Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.

1 / 10
Karin PrienUnion
Nicht belegbar
»Laut der neuesten Umfrage sind für rund 71 Prozent der Bundesbürger gerechte Bildungschancen das absolute Topthema.«

Die Bildungsministerin begründet in ihrem Eingangsbericht zur Regierungsbefragung, warum sie Bildungsgerechtigkeit zum Schwerpunkt ihres Hauses macht.

So haben wir geprüft

Dass die Aussage so gefallen ist, ist dokumentiert: Der Deutsche Bundestag hält in seinem Textarchiv zur Regierungsbefragung fest, nach einer neuen Umfrage seien gerechte Bildungschancen für rund 71 Prozent der Bürger das „absolute Top-Thema". Belegbar ist damit aber nur der Wortlaut, nicht der Inhalt. Prien nennt weder Auftraggeber noch Institut, Erhebungszeitraum oder Fragestellung der Umfrage, und eine Erhebung mit genau diesem Ergebnis ließ sich in der Recherche nicht auffinden. Das ist methodisch heikel, weil „Topthema" sehr unterschiedlich zustande kommen kann: Je nachdem, ob nach dem wichtigsten politischen Problem gefragt wird (offene Nennung) oder ob Befragte ein vorgegebenes Thema als „wichtig" bewerten sollen, entstehen stark abweichende Werte – im zweiten Fall liegen Zustimmungswerte regelmäßig weit höher.

Es gibt sehr wohl Umfragen, die eine breite Unterstützung für mehr Bildungsgerechtigkeit zeigen – sie liefern aber andere Zahlen und stammen teils aus späterer Zeit: Im Kinderreport 2026 nannten laut dpa-Berichterstattung 93 Prozent der befragten Erwachsenen zusätzliches Personal an Schulen und Kitas als Mittel für chancengerechte Bildung; Ausgangspunkt war der Befund, dass Bildungschancen in Deutschland wesentlich von Bildung und Einkommen der Eltern abhängen. Diese Erhebung wurde jedoch erst nach der Sitzung vom 4. März 2026 veröffentlicht und kann die Zahl nicht stützen.

Fazit: Die Grundaussage – eine große Mehrheit hält Bildungsgerechtigkeit für wichtig – ist durch mehrere Erhebungen plausibel. Die konkrete Zahl „rund 71 Prozent" und vor allem die Einstufung als „absolutes Topthema" sind mangels benannter Quelle nicht überprüfbar. Solange das Ministerium die zugrunde liegende Umfrage nicht offenlegt, bleibt die Behauptung unbelegbar.

Transparenzhinweis: Die Recherche stieß an das Limit der verfügbaren Websuchen. Eine Umfrage mit dem genannten Wert konnte in den durchgeführten Suchen nicht identifiziert werden; sollte das BMBFSFJ die Datenquelle nachreichen, ist die Bewertung zu aktualisieren.

5Debattenkultur

Wie miteinander geredet wurde

Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).

CDU/CSU
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

In der Iran-Debatte blieb Röttgen eng an der Sache und benannte Dilemmata offen; in der Produkthaftung arbeitete die Fraktion konkret am Gesetzestext. In der Demokratieförderungsdebatte weitete Körner die Auseinandersetzung jedoch auf die SED-Vergangenheit der Linken aus.

SPD
Themenfokus8/10
Konfrontation5/10

Pistorius und Ahmetovic argumentierten in der Iran-Debatte differenziert und mit klarer Position zum Völkerrecht. Bei der Rechnungshof-Debatte wechselte Gerster von der Sachfrage zu Vorwürfen gegen die AfD-Fraktion.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Themenfokus8/10
Konfrontation6/10

Nouripour verband persönliche Erfahrung mit konkreten Forderungen an Innen- und Finanzministerium. Brugger griff das Verhalten des Kanzlers in Washington scharf an, blieb dabei aber beim Sachverhalt.

AfD
Themenfokus5/10
Konfrontation8/10

In der Produkthaftungsdebatte lenkte von Zons auf Corona-Impfstoffe um, in der Demokratiedebatte auf Orwell und die DDR. Przygodda verband den Antrag der Linken mit Vorwürfen zu Holodomor und Massenmord.

Die Linke
Themenfokus7/10
Konfrontation7/10

Schwerdtner kombinierte eine detaillierte Darstellung der iranischen Opposition mit direkten Angriffen auf Merz und Klingbeil. Vogtschmidt schloss ihre Rede zur Produkthaftung mit einer Bemerkung über schwache Männer, die nichts mit dem Thema zu tun hatte.

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