25. Februar 2026 · 58. Sitzung · 21. Wahlperiode
Vier Jahre Ukrainekrieg und Aus für das Heizungsgesetz
Koalition kippt das Heizungsgesetz
Am Vorabend der Sitzung einigten sich Union und SPD auf Eckpunkte: Die 65-Prozent-Regel für Erneuerbare fällt, dafür kommt ab 2028 eine Grüngasquote von zunächst 1 Prozent.
Vier Jahre Krieg, 11,5 Milliarden Euro
Deutschland ist nach dem weitgehenden US-Rückzug größter Ukraine-Unterstützer. Außenminister Wadephul verwies auf ein 90-Milliarden-Euro-Paket der EU. Beim Taurus bleibt Pistorius wortkarg.
Warken vertröstet aufs Frühjahr
Die Gesundheitsministerin legt erst nach Ende März ein Gesamtpaket vor. Die GKV-Finanzkommission soll Einsparungen von 25 Milliarden Euro vorschlagen, das Finanzloch liegt bei 12 bis 14 Milliarden.
Streit über KI-Bilder im ZDF
Die AfD erzwang eine Aktuelle Stunde zum manipulierten heute-journal-Beitrag. Alle anderen Fraktionen nannten den Fehler schwer, warfen der AfD aber eigene ungekennzeichnete KI-Videos vor.
Scheinvaterschaften im Visier
Die Ausländerbehörde soll Vaterschaftsanerkennungen künftig zustimmen, wenn ein Aufenthaltsrechtsgefälle besteht. Grüne und Linke rechnen mit 65 000 Verfahren jährlich bei rund 75 Missbrauchsfällen.
2Zahlen der Sitzung
So lief der Tag
Sitzungsdauer
6 Std. 2 Min.
Reden
180
Zwischenrufe
288
aus dem Protokoll gezählt
Abstimmungen
0
Redezeit je Fraktion
Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~140 Wörter pro Minute)
1 Punkt = 1 Minute Redezeit
- Union1 Std. 20 Min.28,8 %
- SPD41 Min.14,7 %
- Grüne44 Min.15,8 %
- AfD55 Min.19,8 %
- Linke25 Min.9,0 %
- Sonstige33 Min.11,9 %
Wer ruft wem dazwischen?
Links, wer ruft – rechts, wer gerade am Rednerpult steht. Zwischenrufe aus dem Protokoll, soweit einer Fraktion zugeordnet.
Größter Strom: AfD → Union (42 Zwischenrufe). Am häufigsten unterbrochen: Reden von Union (110) und AfD (54).
- Union ruft bei Reden von Union: 21
- Union ruft bei Reden von SPD: 4
- Union ruft bei Reden von Grüne: 8
- Union ruft bei Reden von AfD: 13
- Union ruft bei Reden von Linke: 9
- Union ruft bei Reden von Sonstige: 1
- SPD ruft bei Reden von Union: 4
- SPD ruft bei Reden von SPD: 1
- SPD ruft bei Reden von Grüne: 2
- SPD ruft bei Reden von AfD: 6
- SPD ruft bei Reden von Linke: 2
- SPD ruft bei Reden von Sonstige: 1
- Grüne ruft bei Reden von Union: 28
- Grüne ruft bei Reden von SPD: 22
- Grüne ruft bei Reden von Grüne: 3
- Grüne ruft bei Reden von AfD: 19
- Grüne ruft bei Reden von Linke: 5
- Grüne ruft bei Reden von Sonstige: 2
- AfD ruft bei Reden von Union: 42
- AfD ruft bei Reden von SPD: 25
- AfD ruft bei Reden von Grüne: 15
- AfD ruft bei Reden von AfD: 9
- AfD ruft bei Reden von Linke: 12
- AfD ruft bei Reden von Sonstige: 8
- Linke ruft bei Reden von Union: 15
- Linke ruft bei Reden von AfD: 7
- Linke ruft bei Reden von Linke: 1
- Linke ruft bei Reden von Sonstige: 3
»Denn wenn es nicht genug ist, dann wird es nicht genug gewesen sein.«
In der Debatte zum vierten Jahrestag der russischen Vollinvasion kritisierte , dass die Unterstützung der Ukraine zu oft nach dem Prinzip "Too little, too late" erfolge. Sie warnte, am Ende zähle nicht, wer wie viel getan habe, sondern ob Putin gestoppt werde.
Bundestag, 25. Februar 2026 – Ukraine-Jahrestag, Heizungs-Eckpunkte und ein ZDF-Fehler
Einen Tag nach dem vierten Jahrestag der russischen Vollinvasion verband die Sitzung außen- und innenpolitische Großbaustellen: zu Bundeswehr und Krankenkassen, eine von der AfD erzwungene zu KI-Bildern im ZDF, die Ukraine-Debatte und die am Vorabend präsentierten Eckpunkte zum Heizungsrecht.
Regierungsbefragung: Bundeswehr und Gesundheitssystem
(SPD) meldete rund 4 400 militärische Neueinstellungen allein im Januar und 186 400 Soldatinnen und Soldaten. Zum Taurus sagte er nur, es sei "alles gesagt, was öffentlich gesagt werden kann". (CDU) kündigte ein Sparpaket nach Abschluss der Ende März an; gesucht werden Einsparvorschläge über 25 Milliarden Euro.
Aktuelle Stunde: KI-Bilder im "heute journal"
(AfD) sprach von einem "Relotius-System". (CDU/CSU), (Grüne), (SPD) und (Linke) nannten den Fehler schwer, hielten der AfD aber ungekennzeichnete KI-Videos vor. (CDU/CSU) forderte eine sichtbare KI-Kennzeichnungspflicht.
Vereinbarte Debatte: vier Jahre Krieg gegen die Ukraine
Johann Wadephul nannte die russischen Angriffe auf die Energieversorgung Kriegsverbrechen und verwies auf ein 90-Milliarden-Euro-Paket der EU. (Grüne) kritisierte, der Koalitionsantrag falle hinter frühere Bundestagsbeschlüsse zurück. Die AfD forderte eine teilweise Aufhebung der Sanktionen, Die Linke einen Schuldenschnitt für die Ukraine.
Erste Lesung: missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung
(CSU) verglich Scheinvaterschaften mit "Schleuserei mit anderen Mitteln". (Grüne) und (Linke) rechneten vor, dass rund 75 Missbrauchsfällen pro Jahr künftig 65 000 zusätzliche Verwaltungsverfahren gegenüberstünden.
Antrag: Abschaffung des Heizungsgesetzes
(CSU) erklärte die 65-Prozent-Regel für gestrichen und kündigte eine ab 2028 an. (SPD) sicherte Förderung bis 2029 zu. (Grüne) und (Linke) warfen der Koalition Etikettenschwindel und fehlenden Mieterschutz vor, (CDU) kündigte die Ablehnung des AfD-Antrags an.
3Top-Themen
Worum es wirklich ging
Thema 1
Vier Jahre Krieg: Wie weit geht die Unterstützung für die Ukraine?
Worum es geht
Am 24. Februar 2026 jährte sich der russische Überfall auf die Ukraine zum vierten Mal. Deutschland ist nach dem weitgehenden Ausfall der USA der größte Unterstützer: Verteidigungsminister Pistorius nannte 11,5 Milliarden Euro militärische Hilfe allein in diesem Jahr, dazu Ausbildung und Joint Ventures mit ukrainischen Rüstungsfirmen. Außenminister Wadephul beschrieb russische Angriffe auf Strom- und Wärmeversorgung als Kriegsverbrechen und verwies auf ein 90-Milliarden-Euro-Paket der EU. Koalition, Grüne, Linke und AfD legten jeweils eigene Anträge vor. Umstritten blieben die Lieferung des Marschflugkörpers Taurus und die Frage, wie stark auf Diplomatie gesetzt werden soll.
Was heißt das für dich?
Die Unterstützung der Ukraine wird aus dem Bundeshaushalt finanziert – Geld, das an anderer Stelle fehlt oder über Schulden aufgebracht wird. Pistorius argumentierte, ein Nachlassen käme teurer, weil die Sicherheit Europas direkt betroffen sei. Für dich heißt das auch: Rüstungsaufträge sichern Industriejobs, gleichzeitig steigen die Verteidigungsausgaben dauerhaft. Wenn du in der Ukraine Angehörige hast oder dort geflüchtete Menschen kennst: Die Grünen kritisierten, dass Sprach- und Integrationskurse für Ukrainerinnen und Ukrainer eingeschränkt werden.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union hält militärische und finanzielle Unterstützung für unverzichtbar und will die Ukraine strukturell an EU und NATO heranführen. Sie fordert außerdem eine vertiefte EU, in der Sanktionen nicht länger an der Einstimmigkeit scheitern.
»Die Ukraine führt den Kampf für Frieden und Freiheit.«–
Die SPD verteidigt die Rolle Deutschlands als größter Unterstützer und fordert, dass sich andere europäische Staaten stärker beteiligen. Neben Waffen betont sie die zivile Entwicklungszusammenarbeit zur Stabilisierung von Strom- und Wärmeversorgung.
»Ja, sollen wir uns in den Staub werfen vor Wladimir Putin?«–
Die Grünen fordern die Lieferung von Taurus, härtere Sanktionen gegen die russische Schattenflotte und den Ölhandel sowie eine bessere Auslastung ukrainischer Drohnenproduktion. Sie werfen der Koalition vor, hinter frühere Bundestagsbeschlüsse zurückzufallen.
»Wann liefern Sie endlich Taurus?«–
Die AfD verlangt direkte Verhandlungen mit der russischen Führung und eine teilweise Aufhebung der Sanktionen als Anreiz für Friedensgespräche. Sie beruft sich auf die Entspannungspolitik der 1970er- und 1980er-Jahre und fordert die Aufklärung der Nord-Stream-Sprengung.
»Unser Antrag will an die gute und erprobte Verhandlungstradition anknüpfen.«–
Die Linke nennt als Ziel die Rückgabe aller besetzten Gebiete, Reparationen und die Bestrafung von Kriegsverbrechern, hält aber Waffen allein für ungeeignet, den Krieg zu beenden. Sie fordert einen Schuldenschnitt für die Ukraine und das Schließen bestehender Sanktionslücken.
»Kriege werden am Ende nicht durch Waffen beendet, sondern durch einen Friedensschluss, und der ist das Ergebnis von Diplomatie und Verhandlungen.«–
Thema 2
Heizungsgesetz weg, Grüngasquote kommt
Worum es geht
Die AfD forderte in einem Antrag, alle Änderungen der Ampel am Gebäudeenergiegesetz zurückzunehmen. Am Abend vor der Debatte legten Union und SPD Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz vor: Die Pflicht, neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, entfällt. Stattdessen sollen neue Gas- und Ölheizungen ab 2029 über eine sogenannte Bio-Treppe mindestens 10 Prozent klimafreundliche Brennstoffe nutzen, ab 2028 startet eine Grüngasquote mit 1 Prozent. Die kommunale Wärmeplanung bleibt, wird aber für kleine Kommunen vereinfacht. Der Gesetzentwurf soll bis Ostern vorliegen und vor dem 1. Juli 2026 in Kraft treten.
Was heißt das für dich?
Wenn du ein Haus besitzt, bekommst du die Wahlfreiheit im Heizungskeller zurück: Eine neue Gas- oder Ölheizung bleibt erlaubt, die Förderung für klimaneutrale Heizungen ist laut Koalition bis 2029 gesichert. Rechnen musst du trotzdem: Die Brennstoffe werden über die Quote und die CO2-Bepreisung teurer, Kleebank selbst spricht von finanziellen Risiken. Wenn du zur Miete wohnst, entscheidest du gar nicht mit – wie Mieterinnen und Mieter vor umgelegten Kosten geschützt werden, steht in den Eckpunkten nur als Absichtserklärung. Die Opposition warnt deshalb vor einer Heizkostenfalle.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union sieht ein zentrales Wahlversprechen eingelöst: Die 65-Prozent-Regel wird gestrichen, Eigentümer sollen selbst entscheiden. Biomasse und Holzenergie sollen nicht länger benachteiligt, die kommunale Wärmeplanung entschlackt werden.
»Der Heizungshammer von Habeck ist Geschichte.«– Dr.
Die SPD verteidigt die Einigung als Umsetzung des Koalitionsvertrags und betont, Klimaschutz funktioniere nur mit Akzeptanz in der Bevölkerung. Sie verweist auf die gesicherte Förderung bis 2029 und räumt ein, dass der Mieterschutz erst noch ausformuliert werden muss.
»Wir geben den Eigentümerinnen und Eigentümern die Wahlfreiheit zurück.«–
Die Grünen nennen die Grüngasquote Etikettenschwindel, weil sie Anreize zum Einbau neuer Gasheizungen setze und fossile Abhängigkeit zementiere. Sie verweisen darauf, dass die Wärmepumpe 2025 die meistverkaufte Heizungsart war und im Betrieb am günstigsten sei.
»Sie schickt die Menschen direkt in die Heizkostenfalle.«– Dr.
Die AfD fordert die vollständige Rücknahme der Ampel-Änderungen und hält die Eckpunkte für eine Mogelpackung. Sie verlangt zusätzlich die Abschaffung der CO2-Bepreisung, da sonst Heizöl, Gas und Diesel ohnehin unbezahlbar würden.
»Was Sie also vorhaben, ist nichts anderes als Habecks Heizungshammer durch die Hintertür.«–
Die Linke kritisiert die Eckpunkte als Geschenk an die Gaslobby und sieht Klimaziele wie Bezahlbarkeit verfehlt. Sie fordert die Abschaffung der Modernisierungsumlage und eine Beteiligung der Vermieter an den tatsächlichen Heizkosten.
»Sie wollten ein Ende des Heizungshammers und haben die Gaskeule herausgeholt.«–
Thema 3
Krankenkassen vor dem Sparpaket
Worum es geht
In der Regierungsbefragung stand die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung im Mittelpunkt. Gesundheitsministerin (CDU) bezifferte die Finanzierungslücke für das kommende Jahr auf 12 bis 14 Milliarden Euro und beauftragte die GKV-Finanzkommission, bis Ende März Vorschläge für Einsparungen von 25 Milliarden Euro vorzulegen – einnahmen- wie ausgabenseitig. Das Sparpaket soll im Frühjahr vorgestellt und im Sommer vom Kabinett beschlossen werden. Parallel kündigte sie ein Primärversorgungssystem mit Ersteinschätzung über Hausarzt, App oder die Nummer 116 117 samt Termingarantie an, dazu Notfall-, Apotheken- und Pflegereform.
Was heißt das für dich?
Dein Krankenkassenbeitrag hängt direkt daran, wie das Sparpaket ausfällt. Im Raum standen in den Wochen davor höhere Zuzahlungen, Einschnitte bei Zahnbehandlungen oder eine Praxisgebühr für den Direktbesuch beim Facharzt – wollte nichts davon ausschließen, außer dass es ein Gesamtpaket geben werde. Beim Arzttermin kann sich einiges ändern: Künftig soll eine Ersteinschätzung entscheiden, ob und wie schnell du zum Facharzt kommst. Aktuell warten gesetzlich Versicherte laut Protokoll im Schnitt 42 Tage, neun Tage länger als 2019.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Unionsfraktion stellt die Lohnnebenkosten und damit die Beitragsstabilität in den Mittelpunkt. Ministerin will einzelne Vorschläge nicht vorab kommentieren und verweist auf ein ausgewogenes Gesamtpaket sowie Struktureffekte aus Primärversorgung, Krankenhaus- und Notfallreform.
»Es wird ein Gesamtpaket geben, das wir vorlegen.«–
Die SPD bringt präventionsorientierte Abgaben ins Spiel, etwa eine Zuckerabgabe auf Softdrinks sowie maßvolle Anpassungen bei Alkohol und Tabak. Außerdem will sie Digitalisierung und Datennutzung als Hebel für bessere Versorgung ausbauen.
»Unser Ziel ist dabei die Senkung des Zuckergehalts insbesondere bei Softdrinks; es geht nicht um deren Verbot, sondern um deren Verteuerung.«– Dr.
Die Grünen drängen auf die Notfallreform, die jährlich Milliarden sparen soll, und kritisieren das Krankenhausreformanpassungsgesetz als Kostentreiber. Zudem fordern sie eine Zuckersteuer, mehr Prävention und Fortschritte bei der elektronischen Patientenakte.
»Was konkret werden Sie kurzfristig tun – nicht in Kommissionen, sondern in der Gesetzgebung –, in Taten umsetzen, um Beitragssteigerungen für die Menschen in diesem Land zu verhindern?«– Dr.
Die AfD wirft der Koalition vor, mit ständig neuen Einzelvorschlägen die Versicherten zu verunsichern, und vermutet Testballons. Sie sieht die Hauptursache der Kosten in Bürokratie und Verbandsstrukturen und fordert höhere Apothekenhonorare.
»Sind das Testballons, mit denen Sie testen, bei welchen Forderungen es den geringsten Widerstand gibt, oder aus welchem Grund verunsichern Sie seitens der Koalition ständig die Bürger?«–
Die Linke will Kapital- und Mieteinkünfte in der gesetzlichen Krankenversicherung verbeitragen und kritisiert die Zwei-Klassen-Medizin bei Arztterminen. Sie lehnt höhere Zuzahlungen für Patientinnen und Patienten ab.
»Wer privat versichert ist oder zusätzliche Leistungen selbst zahlt, kommt schneller dran.«–
4Faktencheck
Behauptungen im Check
Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.
»Mit insgesamt rund 4 400 militärischen Neueinstellungen alleine im Januar haben wir die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr um satte 17 Prozent übertroffen.«
begründet in seinem Eingangsbericht zur Regierungsbefragung, dass das Interesse an der Bundeswehr steige.
So haben wir geprüft
Die Aussage deckt sich praktisch wortgleich mit der amtlichen Mitteilung des Bundesverteidigungsministeriums zu den Personalzahlen zum Stichtag 31. Januar 2026: Dort heißt es, mit rund 4.400 militärischen Neueinstellungen im Januar seien die Vergleichszahlen des Vorjahres um 17 Prozent übertroffen worden. Rechnerisch bedeutet das einen Vorjahreswert von rund 3.750 Neueinstellungen im Januar 2025. Auch die Begleitzahlen stützen ' Argument vom wachsenden Interesse: über 10.000 Bewerbungen für eine militärische Laufbahn im Januar 2026, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat; die aktive Truppenstärke lag bei rund 186.400 Soldatinnen und Soldaten, etwa 3.600 mehr als ein Jahr zuvor und der höchste Stand seit 2013.
Drei Einordnungen gehören dazu, ohne die Aussage zu entkräften: Erstens handelt es sich um Zahlen des Ministeriums selbst, also der Institution, die der Minister vertritt – eine unabhängige statistische Prüfung durch Destatis oder ähnliche Stellen gibt es für diese Monatswerte nicht. Zweitens ist ein einzelner Monat eine schmale Basis; das Ministerium weist selbst auf saisonale Schwankungen im Frühjahr hin, weil Freiwillige planmäßig ausscheiden. Drittens geht der Personalzuwachs zu Jahresbeginn 2026 überwiegend auf kurzdienende Soldatinnen und Soldaten im zum 1. Januar 2026 gestarteten Neuen Wehrdienst zurück (über 13.500 Personen zum Stichtag) – es handelt sich also nicht primär um langfristige Bindungen an die Truppe. Die konkrete Tatsachenbehauptung selbst ist jedoch zahlenmäßig korrekt wiedergegeben.
Quellen
- Erneut deutliche Zuwächse bei Bewerbungen und Neueinstellungen in die Bundeswehr · Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)Primärquelle · abgerufen am 19.10.2026
- Boris Pistorius: Den Weg der Unterstützung für die Ukraine weitergehen · Deutscher BundestagPrimärquelle · abgerufen am 19.10.2026
- Personalbilanz 2025: Bundeswehr wuchs deutlich · Bundeswehr/BMVgPrimärquelle · abgerufen am 19.10.2026
- Personalstärke Januar 2026: Größte Bundeswehr seit 2013 · augengeradeaus.net (Fachblog, Thomas Wiegold) · abgerufen am 19.10.2026
5Debattenkultur
Wie miteinander geredet wurde
Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).
In der Regierungsbefragung und bei Heizung, Start-ups und Vaterschaftsrecht blieben die Rednerinnen und Redner eng am Gegenstand, etwa Mayer-Lay und Vieregge mit Detailfragen zur Brigade Litauen. In der Aktuellen Stunde verband Reddig sachliche ÖRR-Kritik mit scharfen Vorwürfen an die AfD bis hin zu Geldkoffern und Agenten.
Schmid und Abdi lieferten konkrete Beiträge zur Ukraine-Hilfe, Kleebank erläuterte die Heizungs-Eckpunkte und stellte sich einer Zwischenfrage. In der Aktuellen Stunde nutzte Mann einen erheblichen Teil der Redezeit für den Gegenangriff auf ein KI-Video eines AfD-Landtagsabgeordneten.
Brugger, Dahmen und Grau stellten durchgehend fachliche Fragen zu Drohnenbeschaffung, Notfallreform und Krankenhausqualität und legten eigene Anträge zu Start-ups und Wissenschaftsbürokratie vor. Die Angriffe blieben überwiegend sachbezogen, etwa beim Vorwurf der Naivität gegenüber Investoren.
Mehrere Fragen führten vom Thema weg: Brandners Frage nach einem geplanten Krieg und Baums Einzelfall wurden von der Präsidentin als nicht zur Ursprungsfrage gehörig zurückgewiesen. Rhetorisch arbeitete die Fraktion mit Zuschreibungen wie AfD-Hasser, Säbelgerassel, Agitprop-Spezialisten und dem Verweis auf Stalin, Mao und Pol Pot.
Gürpinar, Stange und Thoden fragten konsequent zu GKV-Finanzierung, Wartezeiten und Arktis-Einsätzen nach. In der Debatte zur Vaterschaftsanerkennung wurde Hoß mit Formulierungen wie rassistische Kampagne und Schämen Sie sich deutlich schärfer.
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