24. Juni 2026 · 85. Sitzung · 21. Wahlperiode
Rentenkommission, IP-Speicherung und Faschismus-Streit
Merz: Keine Kürzungen bei der Rente
Der Kanzler will die 33 Vorschläge der Rentenkommission vollständig umsetzen, inklusive eines an die Lebenserwartung gekoppelten Renteneintrittsalters. Die Linke nennt das Rentenkürzung, Merz widerspricht.
IP-Adressen: drei Monate Speicherpflicht
Justizministerin Hubig bringt die dreimonatige Speicherung von IP-Adressen ein. Union und SPD sprechen von Kinderschutz, Grüne, Linke und AfD von anlassloser Massenüberwachung.
Aktuelle Stunde gegen Die Linke
Weil Linken-Chef Pantisano der CDU faschistische Politik vorwarf, setzte die Koalition eine Aktuelle Stunde an. Ines Schwerdtner nannte das ein Ablenkungsmanöver von Renten- und Gesundheitskürzungen.
Hitlergruß-Foto im Plenum
AfD-Abgeordneter Martin Reichardt wurde dreimal zu einem von Politico gemeldeten Foto befragt. Seine Antwort: Das Foto zeige keinen Hitlergruß, er habe nie einen gezeigt.
Parität und Nachhaltigkeit hängen
Die Linke forderte paritätische Landeslisten, Union und AfD lehnten ab. Der Nachhaltigkeits-Aktionsplan der Regierung liegt weiter nicht vor, kritisiert auch von der SPD-Berichterstatterin Kathrin Michel.
2Zahlen der Sitzung
So lief der Tag
Sitzungsdauer
5 Std. 39 Min.
Reden
128
Zwischenrufe
478
aus dem Protokoll gezählt
Abstimmungen
0
Redezeit je Fraktion
Näherung über die Wortzahl der Redebeiträge (~110 Wörter pro Minute)
Wer ruft dazwischen?
Zwischenrufe nach verursachender Fraktion, soweit im Protokoll zugeordnet
»Es gibt keine Kürzungen der gesetzlichen Rente.«
Merz antwortete in der Regierungsbefragung auf Janine Wisslers Vorwurf, die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sei für körperlich hart arbeitende Menschen eine Kürzung.
Bundestag, 24. Juni 2026 – Rentenreform, Datenspeicherung und ein Streit über den Faschismusbegriff
Der Sitzungstag begann mit dem Kanzler in der Befragung und endete beim Wahlrecht. Roter Faden: Wer trägt die Kosten der angekündigten Reformen – und wie hart darf der Streit unter den Fraktionen geführt werden?
Regierungsbefragung des Bundeskanzlers
Friedrich Merz eröffnete mit dem Bericht der Alterssicherungskommission und kündigte an, die Vorschläge "in vollem Umfang" umzusetzen, mit Eckpunkten im Kabinett, Gesetzentwürfen über die Sommerpause und Abschluss bis Jahresende. Janine Wissler (Die Linke) hielt entgegen, ein höheres Renteneintrittsalter sei faktisch eine Rentenkürzung; Katharina Dröge (Grüne) griff geplante Einschnitte bei Rentenpunkten für pflegende Angehörige und in der Eingliederungshilfe an. Weitere Themen: BAföG, chinesische Komponenten im Mobilfunknetz, Ukraine und E5-Format, kommunale Altschulden und der Mehrjährige Finanzrahmen der EU.
Aktuelle Stunde zum Faschismus-Vorwurf
Carsten Linnemann (CDU/CSU) nannte die Aussage von Linken-Chef Luigi Pantisano, es gebe keinen Unterschied zwischen CDU, AfD und Faschisten, "infam, geschichtsvergessen und niederträchtig". Ines Schwerdtner (Die Linke) räumte den Fehler ein, warf der Koalition aber ein Ablenkungsmanöver vor. SPD und Grüne kritisierten Die Linke wegen Antisemitismus auf dem Parteitag und die AfD wegen ihres Faschismusproblems. AfD-Abgeordneter Martin Reichardt bestritt mehrfach, auf einem veröffentlichten Foto den Hitlergruß gezeigt zu haben.
Gesetzentwurf: Speicherung von IP-Adressen
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) begründete die dreimonatige Speicherpflicht mit unaufgeklärten Taten im Netz, Günter Krings (CDU/CSU) mit Kinderschutz und Terrorabwehr. Helge Limburg (Grüne) sprach von anlassloser Massenspeicherung und einem Angriff auf den Berufsgeheimnisträgerschutz, Jan Köstering (Die Linke) von neuen Angriffspunkten für Datenlecks, die AfD von sterbender Freiheit.
Anträge der Opposition
Der AfD-Antrag zu Steuer- und Energiepolitik wurde von Union, SPD, Grünen und Linken zurückgewiesen. Beim Nachhaltigkeitsbeschluss mahnte Kathrin Michel (SPD) den fehlenden Aktionsplan an. Den Linken-Antrag für paritätische Landeslisten lehnten CDU/CSU und AfD ab, SPD und Grüne unterstützten ihn.
3Top-Themen
Worum es wirklich ging
Thema 1
Rentenreform nach dem Kommissionsbericht
Worum es geht
Am Vortag hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission unter Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda ihren Bericht mit 33 Vorschlägen vorgelegt. Der Kanzler will sie vollständig umsetzen: Eckpunkte im Kabinett, dann mehrere Gesetzentwürfe über die Sommerpause, parlamentarisches Verfahren im Herbst, Abschluss bis Ende 2026. Kern sind ein Gesamtversorgungsniveau von 70 Prozent über alle Säulen, ein Einstieg in Kapitaldeckung sowie die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Dazu kommen bereits beschlossene Bausteine wie Aktivrente, Altersvorsorgedepot und die geplante Frühstartrente. Umstritten sind die Abschaffung des früheren Renteneintritts nach 45 Beitragsjahren und die Finanzierung.
Was heißt das für dich?
Wenn das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt wird, musst du je nach Jahrgang länger arbeiten, um ohne Abschläge in Rente zu gehen. Wer körperlich hart arbeitet und faktisch mit gut 63 aufhört, riskiert nach Darstellung der Linken höhere Abschläge; Merz verweist auf Erwerbsminderungs- und Berufsunfähigkeitsregelungen. Für Jüngere soll die Frühstartrente früh Kapitalaufbau anschieben, das Altersvorsorgedepot ab 1. Januar 2027 private Vorsorge steuerlich fördern. Streitig bleibt, ob die Beiträge sinken oder auf 20,6 Prozent steigen – das entscheidet über deinen Netto-Lohn. Und die Kommission schlägt vor, dass künftig auch Abgeordnete in die gesetzliche Rente einzahlen.
Wo die Fraktionen stehen4 Positionen
Merz dankt der Kommission und will das Paket komplett umsetzen, weil nur die Kombination aus längerer Lebensarbeitszeit, Kapitaldeckung und privater Vorsorge ein Versorgungsniveau von 70 Prozent bei sinkenden Beiträgen ermögliche. Marc Biadacz drängt auf schnelle parlamentarische Umsetzung als Gesamtkonzept.
»Es gibt keine Kürzungen der gesetzlichen Rente.«– Friedrich Merz
Die Grünen kritisieren geplante Einschnitte bei Rentenpunkten für pflegende Angehörige, bei der Verhinderungspflege und in der Eingliederungshilfe als Verschärfung von Altersarmut bei Frauen. Als Gegenfinanzierung schlagen sie eine Reform der Erbschaftsteuer vor; Sandra Detzer verlangt eine Umsetzung des Kommissionspakets ohne Cherry Picking.
»Ich finde, eine Politik, die ausgerechnet Druck auf Familien ausübt, ausgerechnet auf diejenigen, die doch eigentlich am Limit sind, ist eine harte und kalte Politik.«– Katharina Dröge
Die AfD reklamiert das Ziel einer Nettoersatzquote von 70 Prozent über alle Säulen für sich, hält die Beitragsentwicklung aber für beschönigt und warnt vor zusätzlichen Belastungen für Unternehmen. Die Kapitaldeckung soll aus Steuermitteln finanziert werden, gegenfinanziert über Kürzungen bei Ukraine-Hilfen, Migration und Entwicklungspolitik.
»Warum täuschen Sie hier die Öffentlichkeit?«– Ulrike Schielke-Ziesing
Die Linke lehnt ein höheres Renteneintrittsalter und die Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren ab, weil viele Beschäftigte in Pflege, Logistik und Bau das Regelalter gar nicht erreichen. Sie verlangt ein höheres Rentenniveau und begrüßt, dass auch Abgeordnete einzahlen sollen.
»Das bedeutet, die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist eine Rentenkürzung.«– Janine Wissler
Thema 2
Dreimonatige Speicherung von IP-Adressen
Worum es geht
Die Bundesregierung will Internetanbieter verpflichten, die Zuordnung von IP-Adressen zu Anschlüssen drei Monate zu speichern. Bisher speichern Anbieter freiwillig maximal sieben Tage, weshalb laut Bundeskriminalamt nur 41 Prozent der Hinweise einem Anschluss zugeordnet werden können. Grundlage ist das Hadopi-Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das eine solche Speicherung unter engen Bedingungen erlaubt. Neben der Speicherpflicht enthält der Entwurf Regelungen zu Sicherungsanordnung und Funkzellenabfrage. Der Gesetzentwurf soll bei der Europäischen Kommission notifiziert werden.
Was heißt das für dich?
Für dich heißt das: Dein Internetanbieter muss drei Monate lang festhalten, welcher Anschluss zu welchem Zeitpunkt welche IP-Adresse hatte. Inhalte, Standorte und Kontakte werden laut Entwurf nicht gespeichert, wohl aber die Verbindung von Adresse und Zeitstempel – also die Möglichkeit, dich im Netz zu identifizieren. Wer Opfer von digitaler Gewalt, Betrug oder Missbrauchsdarstellungen wird, hat damit eher eine Chance, dass Ermittlungen nicht ins Leere laufen. Kritiker warnen, dass ein zentraler Datenbestand entsteht, der bei Datenlecks abfließen kann, und dass auch die Kommunikation mit Anwältinnen und Anwälten erfasst wird.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union sieht einen Durchbruch beim Schutz von Kindern und bei der Terrorabwehr und verweist auf den Fall Castrop-Rauxel sowie auf 66 000 ausgewertete BKA-Hinweise. Der Eingriff sei überschaubar und vergleichbar mit der Pflicht zum Kfz-Kennzeichen.
»Jede dieser Einstellungen ist eine Niederlage des Rechtsstaats«– Günter Krings
Justizministerin Hubig verteidigt die Speicherung als einzige verbleibende Spur bei Kinderpornografie, Onlinebetrug und strafbarem Hass und verweist auf die Grundrechte der Opfer. Sebastian Fiedler nennt sie ein durch Quick Freeze nicht ersetzbares Instrument der Ermittlungsbehörden.
»Der digitale Raum darf kein Täterparadies sein«– Stefanie Hubig
Die Grünen bewerten den Entwurf als anlasslose Massenspeicherung und Paradigmenwechsel weg von gezielter Datenerhebung. Besonders kritisieren sie die Aushöhlung des Berufsgeheimnisträgerschutzes für Anwältinnen und Anwälte.
»Es gibt kein Supergrundrecht auf komplette Sicherheit, es gibt kein Supergrundrecht auf Strafverfolgung um jeden Preis.«– Helge Limburg
Die AfD hält den Entwurf für eine Überdehnung des Hadopi-Urteils, weil Zwecke und zugriffsberechtigte Stellen ausgeweitet würden. Sie verweist auf Kosten, fehlenden nachgewiesenen Nutzen und die Sicherungsanordnung als milderes Mittel.
»Wir verteidigen die Freiheit!«– Ulrich von Zons
Die Linke warnt vor zentralen Datensammlungen als Angriffsziel und vor einer Nutzung gegen Kritik im Netz, etwa über den Paragrafen zur Politikerbeleidigung. Sie schlägt stattdessen Plattformregulierung, Beratungsstellen und ein Verbot von Stalkerware vor.
»Die zentrale Speicherung großer Mengen sensibler Daten schafft ein erhebliches Sicherheitsrisiko.«– Jan Köstering
Thema 3
Aktuelle Stunde zum Faschismus-Vorwurf gegen die CDU
Worum es geht
Anlass war die Aussage des Linken-Vorsitzenden Luigi Pantisano, es gebe letztlich keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik mache, der AfD oder den Faschisten selbst. Union und SPD setzten dazu eine Aktuelle Stunde an. In der Debatte ging es zugleich um Antisemitismus-Vorwürfe nach dem Linken-Parteitag, um mögliche Zusammenarbeit von CDU und Linke in den Ländern und um ein von Politico gemeldetes Foto, das den AfD-Abgeordneten Martin Reichardt beim Hitlergruß zeigen soll. Reichardt bestritt dies auf drei Zwischenfragen hin.
Was heißt das für dich?
Für deinen Alltag ändert diese Debatte unmittelbar nichts, für das politische Klima sehr viel: Sie zeigt, wie weit die Fraktionen bereit sind, sich gegenseitig die demokratische Legitimität abzusprechen. Wenn du im September in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern wählst, war hier zu hören, welche Koalitionen ausgeschlossen werden und welche nicht. Auch praktisch wurde es: Redner berichteten von Angriffen auf Büros, veröffentlichten Privatadressen und bedrohten Kommunalpolitikern. Und du erfährst, welche Fraktion in einer Debatte über Kürzungen bei Rente, Pflege und Gesundheit lieber über den Ton als über die Sache spricht.
Wo die Fraktionen stehen5 Positionen
Die Union verweist auf verfolgte Gründungsmitglieder der CDU und auf den Mord an Walter Lübcke und nennt die Gleichsetzung mit Faschisten eine Verharmlosung. Sie fordert von der Linken Konsequenzen gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen und schließt jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei aus.
»Uns als Union vor diesem skizzierten Hintergrund vorzuwerfen, es gebe keinen Unterschied zwischen uns und Faschisten, wie es der Vorsitzende der Linkspartei getan hat, ist infam, geschichtsvergessen und niederträchtig.«– Carsten Linnemann
Die SPD nennt die Gleichsetzung von CDU und Faschisten untragbar, weil sie Verfassungsfeinden nutze, und verlangt eine Entschuldigung auch gegenüber den Opfern des Faschismus. Gleichzeitig attestiert sie der AfD ein manifestes Faschismusproblem und kritisiert Abgrenzungsprobleme der Linken bei politisch motivierter Kriminalität und Antisemitismus.
»Niemand in der CDU und auch niemand bei uns ist strukturell oder klammheimlich faschistisch.«– Helge Lindh
Die Grünen weisen den Faschismusvorwurf gegen die CDU zurück und kritisieren die halbherzige Entschuldigung. Sie werfen der Linken antisemitische Narrative und Polemik gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor und warnen vor einer Verschiebung politischer Maßstäbe.
»Den Vorwurf des Faschismus gegen eine Partei zu erheben, die das Grundgesetz und die demokratische Entwicklung unseres Landes maßgeblich geprägt hat, verbietet sich.«– Irene Mihalic
Die AfD nutzt die Debatte, um der Union Zusammenarbeit mit der Linken in Bund und Ländern und Wählertäuschung vorzuwerfen, und verweist auf die Kanzlerwahl vom 6. Mai 2025. Auf Zwischenfragen zu einem Foto erklärte Martin Reichardt mehrfach, es zeige keinen Hitlergruß.
»Ein Ende der linken Politik gibt es nur mit der AfD.«– Götz Frömming
Schwerdtner nennt die Aussage nicht korrekt und verweist auf die Entschuldigung Pantisanos, hält die Aktuelle Stunde aber für ein Ablenkungsmanöver von Kürzungen bei Rente, Pflege und Gesundheit. Sie verweist auf einen Parteitagsbeschluss gegen jeden Antisemitismus und auf das Existenzrecht Israels wie das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat.
»Das ist ein Ablenkungsmanöver, und das wissen Sie ganz genau.«– Ines Schwerdtner
4Faktencheck
Behauptungen im Check
Überprüfbare Tatsachenbehauptungen aus der Debatte, recherchiert mit aktuellen Quellen und redaktionell geprüft. Bewertet werden Aussagen, nicht Personen – zur Methodik.
»Ich will hier nur das bereits am 1. Januar 2026 in Kraft getretene Gesetz über die sogenannte Aktivrente nennen. Wenn die Zahlen richtig sind – und sie sind sehr vorläufig –, dann haben mittlerweile rund 10 000 Beschäftigte von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, über das Regeleintrittsalter in die Rente hinaus weiter zu arbeiten und dafür bis zu 24 000 Euro zusätzlich steuerfreies Einkommen im Jahr zu erzielen.«
Merz zieht in seinem Eingangsstatement zur Regierungsbefragung eine erste Bilanz der bereits beschlossenen rentenpolitischen Maßnahmen.
So haben wir geprüft
Der rechtliche Kern der Aussage stimmt. Das Aktivrentengesetz wurde im Dezember 2025 von Bundestag und Bundesrat beschlossen und ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten; wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und weiterarbeitet, kann seinen Arbeitslohn bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei erhalten – das sind die von Merz genannten 24.000 Euro im Jahr. Nicht belastbar ist dagegen die zentrale Zahl: Es existiert keine amtliche Statistik zur Inanspruchnahme. Die Arbeitgeber melden die steuerfreien Beträge über die elektronische Lohnsteuerbescheinigung in einem neuen Datenfeld an die Finanzverwaltung – auswertbar ist das erst nach Übermittlung im Verlauf des Jahres 2027, eine Quartalsbilanz für 2026 existiert deshalb nicht und wird auch nicht entstehen; eine Evaluation ist bis Ende 2029 angekündigt. Merz kennzeichnet seine Zahl selbst als „sehr vorläufig", nennt aber keine überprüfbare Quelle; auch die spätere Wiederholung in der Regierungserklärung im Juli 2026 („Die ersten Zahlen zeigen, dass mittlerweile mehr als 10.000 Beschäftigte im ersten Halbjahr 2026 in den Betrieben von diesem Angebot Gebrauch gemacht haben") bleibt ohne Beleg. Für die Einordnung fehlt zudem der Vergleichsmaßstab: Das Finanzministerium rechnete im Gesetzentwurf mit rund 168.000 Interessierten pro Jahr – gemessen daran wären 10.000 im ersten Halbjahr kein Erfolgssignal, sondern deutlich unter der eigenen Prognose. Ungenau ist außerdem die Formulierung „bis zu 24 000 Euro […] im Jahr" für 2026: Die Steuerbefreiung greift erst ab dem Monat, der auf das Erreichen der Regelaltersgrenze folgt, im Einführungsjahr ist der volle Jahresbetrag also nur für einen Teil der Betroffenen erreichbar. Fazit: Rechtsrahmen und Höchstbetrag sind korrekt, die Nutzungszahl ist derzeit weder amtlich belegt noch widerlegbar.
Quellen
- Statement des Kanzlers zur Regierungsbefragung, 24.06.2026 · BundesregierungPrimärquelle · abgerufen am 30.08.2026
- Merz: Vorschläge der Rentenkommission in vollem Umfang umsetzen, Regierungsbefragung 24.06.2026 · Deutscher Bundestag, TextarchivPrimärquelle · abgerufen am 30.08.2026
- Regierungserklärung des Kanzlers im Juli 2026 · Bundeskanzler/BundesregierungPrimärquelle · abgerufen am 30.08.2026
- Fragen und Antworten zur Aktivrente (Stand 25.06.2026) · Bundesministerium der FinanzenPrimärquelle · abgerufen am 30.08.2026
- Pressemitteilung 15.10.2025: Bundesregierung beschließt Gesetzentwurf zur neuen Aktivrente · Bundesministerium der FinanzenPrimärquelle · abgerufen am 30.08.2026
- Aktivrente – im Rentenalter steuerfrei hinzuverdienen · Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-SeePrimärquelle · abgerufen am 30.08.2026
- Steuerfreie Aktivrente: Voraussetzungen und Besonderheiten (u. a. Beginn ab Folgemonat, Prognose 168.000) · Haufe · abgerufen am 30.08.2026
- Aktivrente: Das ist 2026 geplant (Prognose des BMF aus dem Gesetzentwurf) · BARMER · abgerufen am 30.08.2026
- Aktivrente nach drei Monaten – Bundesregierung kennt die echten Zahlen nicht, 30.04.2026 · gegen-hartz.de · abgerufen am 30.08.2026
5Debattenkultur
Wie miteinander geredet wurde
Zwei Skalen von 1 bis 10, gleiche Kriterien für alle Fraktionen: Themenfokus (10 = Redezeit konsequent beim Thema) und Konfrontation (10 = maximal konfrontativer Ton).
In der Befragung und bei der IP-Speicherung blieben Krings, König und Moser eng an der Sache. In der Aktuellen Stunde wurde es scharf polemisch, etwa als David Gregosz den Linken-Parteitag mit einer Goldenen Himbeere und den Minions verglich.
Roloff, Seitzl und Schätzl nutzten die Befragung für konkrete Fachfragen zu Beschaffung, BAföG und Mobilfunknetz. Fiedler und Lindh kritisierten in der Aktuellen Stunde sachbezogen sowohl AfD als auch Linke, wurden gegenüber der AfD aber deutlich ('Schande für dieses Parlament').
Limburg, Schönberger und Schauws blieben nah an Gesetzentwurf und Antrag. Michael Kellner führte in der Befragung eine persönlich zugespitzte Attacke auf die Biografie des Kanzlers, was den Sachbezug zum Gebäudeenergiegesetz überlagerte.
Reden von Reichardt, Holm und Frömming glitten regelmäßig in Wahlkampfbotschaften zu Sachsen-Anhalt und Pauschalangriffe ab ('Freakshow-Veranstaltung', 'Lumpenproletariat'). Nur bei der IP-Speicherung argumentierte von Zons durchgehend am Gesetzentwurf.
Wissler, Merendino und Gürpinar stellten präzise Fragen zu Rente und GKV, und Köstering argumentierte fachlich zum Gesetzentwurf. In der Aktuellen Stunde sprach Schwerdtner überwiegend über andere Themen und rechnete mit Zitaten von Merz und Spahn ab; mehrfach wurde in Debatten zur Demonstration gegen den AfD-Parteitag aufgerufen.
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